Fotografie

Rosige Kälte in Shanghai

Auf diesen Bildern ist Shanghai eine Stadt der Farbspiele. Immer schimmert es irgendwo pink oder lila in der Glitzerwelt aus Glas und Stahl, als die Horst und Daniel Zielske die chinesische Hafenstadt porträtieren. Grelle Werbeschilder spiegeln sich auf einer regenfeuchten Straße, Brücken sind in rosiges Licht getaucht. Dabei scheint Shanghai nicht von Menschen bewohnt, sondern von Türmen. Vom Jin Mao Tower etwa, der ein Edelstahlnetz um den schlanken Leib trägt. Die Menschen sind Randfiguren, ameisenklein, oft nur verschwommen zu erkennen. Wo Leben zu sehen ist, zeugt es von Armut. In einer von Planen bedeckten Hütte verkauft ein Mann Getränke, die auf Paletten gestapelt sind. Vor himmelhohen Baugerüsten stehen schlichte Garküchen, in denen Arbeiter ein Mahl nehmen. So erscheint Shanghai bei aller Schönheit als eine kalte Stadt. Als ein Ort, dessen Höhenrausch zum Selbstzweck geworden ist. Wohl nicht zufällig zeigen die letzten Bilder des Fotobandes eine Ödnis, aus der die Farbe gewichen ist. Als sähen die beiden Göttinger Shanghai nun mit den Augen der Menschen, die auf das Wesentliche achten müssen: wie sie hier überleben.  |  © H. & S. Zielske/Kunth Verlag

Zhapu Lu, Shanghai, 2003

Leser-Kommentare
  1. ... mit einer noch etwas ungewohnten Ästhetik.

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