Hotel Kein Schnörkel zu viel
Von vorne sieht sie aus wie eine Berghütte, von hinten eröffnet sie die ganze Pracht eines Luxushotels: in der Wedelhütte teilt man die Aussicht nur mit den Schneehasen.
© Ski-optimal Hochfügen-Zillertal

Kein Tiroler Kitsch, sondern Luxus, den man erst auf den zweiten Blick sieht: die Wedelhütte im Hochzillertal
Die Wedelhütte ist nichts für Abergläubische. Und nichts für Unsportliche. Sie liegt in Tirol, hoch über dem Zillertal, in einem Bergsattel zwischen dem Marchkopf (2499 Meter) und dem Wimbachkopf (2442 Meter). Wer jetzt im Winter dort einkehren will, der kann sie nur auf Skiern erreichen – über die Piste mit der Nummer 13.
Anfang Dezember wurde die Wedelhütte eröffnet, als neueste Attraktion im Skigebiet Hochzillertal. Sie ist natürlich genau so wenig eine "Hütte", wie die Kristallhütte, die vor fünf Jahren dort errichtet wurde, sondern eher das alpine Pendant zur Sylter Sansibar: exponierte Lage auf 2350 Metern, exklusiver Weinkeller, Feinschmeckerrestaurant.
Die elf Suiten der Wedelhütte sind geräumig wie Tanzsäle, ihr Weinkeller umfasst zwei Stockwerke. In jedem Badezimmer gibt es eine private Infrarotsauna und zum Wellness-Bereich gehört eine eigene verschneite Terrasse, in die niemand Einblick hat außer den Bergdohlen und den Schneehasen.
Die Wedelhütte ist uriges Berggasthaus und luxuriöses Hotel zugleich. Ihr Architekt hat sie so raffiniert in den Felsen gebaut, dass sie an ihrer Vorderseite, zur Skipiste hin, nur ein Stockwerk freigibt, und tatsächlich aussieht wie eine gemütliche Skihütte. Nach hinten hinaus aber, Richtung Krössbrunnalm, wo es keine Pisten und keine Lifte mehr gibt, sondern höchstens die hingemalten Spuren ein paar Tiefschneefahrer, reicht das Gebäude noch drei Stockwerke in die Tiefe. Deshalb sind die Suiten auch so geräumig und die Balkone so breit.
Wer nur eine kleine Stärkung zwischen den Abfahrten braucht, bekommt in der Wedelhütte tagsüber Gulaschsuppe (7,40 Euro), Tiroler Kasspatzln (8,40 Euro), Tafelspitz (13,80 Euro) und „Moosbeernock’n“ (6,50 Euro) serviert. Der Feinschmecker mit etwas mehr Zeit sollte der „Premium Wedel Lounge“ einen Besuch abstatten, einem Gourmetrestaurant mit nur zwei Dutzend Plätzen. Der Gast fährt direkt von der Piste mit dem Aufzug in den ersten Stock, entledigt sich in einem eigenen Raum seiner Skistiefel, steckt sie auf den Skischuhwärmer und schlüpft in die bereitstehende Filzpantoffel.
© Ski-optimal Hochfügen-Zillertal

Herrlicher Ausblick vom Restaurant
Während er an der Bar seinen Aperitif nimmt, kann er schon einmal darüber sinnieren, ob es als Vorspeise lieber „Dreierlei von der Gänseleber“ (19,20 Euro) sein soll oder „Unter der scharfen Wasabi-Ingwer-Kruste rosa gebratene Taubenbrust“ (16,30 Euro). Und danach? Tuna-Steak mit karamellisiertem Fenchel (23,90 Euro) oder Tournedos vom jungen Reh (26,90 Euro)? Oder gleich das fünfgängige Überraschungsmenü, das mit Weinbegleitung für 73 Euro zu haben ist? Die Köche jedenfalls, Alexander Junker und Stefan Wallner, lassen Delikates erwarten. Sie haben zuletzt in Eckart Witzigmanns Restaurant Ikarus in Salzburg gekocht.
Nach dem Essen wird der Gast ein paar Tische weiter schlurfen, sich in einen der bereitstehenden Lederfauteuils fallen lassen, vielleicht doch noch einen Vogelbeerbrand nehmen und sich am offenen Kaminfeuer erfreuen, hinter dem ein Fenster die Aussicht auf die Skipiste (Nummer 13!) freigibt. Oder am Blick nach Südosten, wo man an klaren Tagen bis zum Großglockner sieht, dem höchsten Berg Österreichs. Oder an dem zufriedenen Lächeln der Skifahrerin, die einem gegenübersitzt. Die letzte Abfahrt ins Tal ist bis 16 Uhr 30 möglich. Hier, in der Wedelhütte, hat Wintersport nichts Anstrengendes mehr.
- Datum 18.12.2009 - 12:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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