Machu Picchu Klimawandel trifft Massentourismus

Tagelang waren Tausende Touristen in den Anden von der Außenwelt abgeschnitten. Inzwischen wurden alle Urlauber ausgeflogen – doch das sensible Ökosystem bleibt anfällig.

Rettung für die eingeschlossenen Touristen: Überschwemmungen haben ihnen den Weg vom Machu Picchu abgeschnitten

Rettung für die eingeschlossenen Touristen: Überschwemmungen haben ihnen den Weg vom Machu Picchu abgeschnitten

Nach fünf Regentagen zeigte sich erstmals wieder die Sonne am Himmel und tauchte die wolkenverhangene Inkastadt Machu Picchu in ein geheimnisvolles Licht. Doch die eingeschlossenen Touristen hatten keinen Blick mehr übrig für das Wunderwerk der Menschheit, das ursprünglich das Ziel ihrer Reise war. Einige fluchten, weil sie noch immer keinen Platz in den Rettungshubschraubern bekommen hatten, die seit fünf Tagen eingeschlossene Urlauber nach Cusco ausfliegen; andere halfen den Dorfbewohnern beim Bau eines Damms, um den Ort Aguascalientes am Fuß der Ruinen vor weiteren Überschwemmungen zu schützen.

Seit vergangenem Sonntag saßen 2500 Besucher in Aguascalientes fest. Schwere Regenfälle hatten zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Die Bahnverbindung nach Cusco war abgeschnitten, auch ein Fußmarsch war nicht mehr möglich, da viel zu gefährlich. Und eine Straßenverbindung gibt es nicht. "Es waren absolut außergewöhnliche Regenfälle", sagt der Reiseführer William Yovanni, der noch kurz zuvor einige Urlauber zu Fuß über den Inkatrail nach Machu Picchu begleitet hatte. "So etwas habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt."

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Das Klima ist launisch in dem Land zwischen Anden und Pazifik. Das wussten schon die Inkas. Immer wieder hat das Klimaphänomen El Niño, das auf eine Strömungsumkehr im Pazifik zurückzuführen ist, für ungewöhnliche Wetterlagen gesorgt. Auch jetzt haben Meteorologen wieder ein Niño-Jahr ausgemacht. Dürren in Mittelamerika, die schweren Niederschläge in Peru, ja sogar der extrem kalte Winter in Europa können Studien zufolge auf El Niño zurückzuführen sein.

Doch wer bezieht so etwas schon in seine Reiseplanung mit ein? Zumal die Niederschläge Yovanni zufolge selbst für ein Niño-Jahr außergewöhnlich waren und insgesamt mehr als 30.000 Menschen dadurch ihre Behausungen oder Felder verloren. "Mal abgesehen von den Touristen haben die Behörden völlig versagt, überhaupt keine Vorkehrungen getroffen oder Krisenpläne zur Hand gehabt", sagt Yovanni. "Tausende haben alles verloren." 

Dagegen muten ein paar Tage verregneter Zwangsurlaub nicht wirklich dramatisch an. Alles ist eben nicht kalkulierbar, auch wenn es die bunte Welt der Reisekataloge gerne suggeriert. Nicht umsonst haben die Inkas ihre heilige Stadt auf 2500 Metern Höhe in einer schwer zugänglichen Region errichtet. Ob Zitadelle oder Heiligtum ist bis heute unklar, auch, warum sie etwa zeitgleich mit der spanischen Conquista verlassen wurde. Fest steht jedoch, dass Machu Picchu eben nicht leicht erreichbar sein sollte, weshalb auch die spanischen Eroberer trotz ihrer vom Goldhunger getriebenen Abenteuerlust nie Kenntnis hatten von der Stadt hoch oben in den Bergen. Erst 1902 fand ein Bauer zufällig den Zugang zu den Ruinen. Er führte 1911 den US-Forscher Hiram Bingham über Maultierpfade zu den Ruinen, der als Wiederentdecker der Stadt gilt.

Heute hat die Moderne alles einfacher gemacht, und der Besuch von Machu Picchu kann sogar in einer – freilich sehr anstrengenden – Tagesreise per Zug vom 120 Kilometer entfernten Cusco aus absolviert werden. Die eng gestrickten Reiseprogramme der Veranstalter lassen wenig Raum für Muße, und der Kunde ist König. Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Andenlandes und bringt jährlich Einnahmen in Höhe von über zwei Milliarden Dollar ein.

Bleibt die Frage, welche Folgen der Massentourismus für die Region mit sich bringt. Cusco, die schmucke Kolonialstadt, errichtet auf Inka-Ruinen, hat sich dank der sprudelnden Touristengelder fein herausgeputzt. Die Stadt gehört zu den saubersten Perus, der Verkehr ist bestens organisiert, auf dem zentralen Platz gibt es sogar frei zugängliches, drahtloses Internet. Dutzende von Hotels aller Kategorien und Restaurants mit feiner peruanischer Küche oder Hausmannskost haben für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas zu bieten. Dringt man aber etwas tiefer vor ins Hinterland, kommt wenig an von den Touristendollars. Schon im Dorf Cachin, keine eineinhalb Stunden Fahrtzeit von Cusco entfernt, wurde kaum je ein Tourist gesichtet und nimmt das traditionelle Leben zwischen Lamas, Kartoffelanbau und Webstühlen seinen Gang.

Der Touristenstrom beschränkt sich auf Cusco, Machu Picchu und den Zug dazwischen oder den Inkapfad, auf dem sich die Sportlichen der Stadt per pedes annähern. Knapp 2000 Urlauber besuchen Machu Picchu täglich, rund 300 Trekkingtouristen lässt die Naturschutzbehörde zusätzlich auf den Inkapfad, begleitet von Gepäckträgern, Führern und Köchen – nochmals rund 200 Personen pro Tag.

1983 hat die Unesco Machu Picchu zum Weltkulturerbe erklärt, und seither mehrere Male damit gedroht, den prestigeträchtigen Status wieder zu entziehen. Einmal, weil die peruanische Regierung eine Seilbahn plante, dann, weil die Ruinen nicht sachgerecht erhalten wurden, dann, weil der Tourismus völlig planlos vonstatten ging. "Inzwischen sind die Besucherzahlen begrenzt, und alles ist streng kontrolliert", sagt der ehemalige Tourismusminister Ramiro Salas.

Ganz folgenlos ist der Tourismus dennoch nicht, so der Geologe Jose Cardenas von der Universität von Cusco. Die Region mit ihren tiefen Tälern und schroffen Bergen ist atemberaubend, aber sehr anfällig, was den Eingriff in ihr sensibles Ökosystem betrifft. "Von Menschen verursachte Waldbrände, der unkontrollierte Bau von Infrastruktur wie beispielsweise Hochspannungsleitungen und Hotels, Abholzung, Probleme bei Müll- und Abwasserentsorgung und die Überlastung der Wanderwege und Campingplätze auf dem Inkapfad haben die Böden rund um Machu Picchu instabil und anfällig für Erdrutsche gemacht", schreibt er in einer Studie. Zwar gäbe es umfassende Masterpläne für die Region, doch die große Anzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen hätte deren Umsetzung immer wieder blockiert.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 30.01.2010 um 10:49 Uhr

    ...noch keine Ahnung hatten, hätten wir berichtete, dass eine Naturkatastrophe, ungewohnt heftige Stürme, unvorstellbare Platzregen, Überschwemmungen oder Landrutsch die Touristen abgeschnitten hätten. Nun sind wir aber klug und können die Ursachen berichten: "Klimawandel trifft Massentourismus."

    Mir war die Wahrheit lieber.

  1. So isses, joG.

  2. jetzt fehlt wirklich nicht mehr viel, dass auch an jedem kleinsten übel das irgendwo auf dem planeten passiert, implizit der westen schuld ist. klimawandel, kapitalismus ... was kommt als nächstes in der liste der marxistischen erbsünden des fortschritts ? unsere hautfarbe ?

    macht euch bitte nicht mit solchen kindischen artikeln lächerlich, die klimaforschung hat mit den letzten paar manipulationsskandalen eh schon genug butter am kopf, damit deligitmiert ihr sie bloss.

  3. Leidet heute eine Kuh in den Bayerischen Alpen an Blähungen, dann ist sie selber schuld, weil sie durch ihr "Gepupse" der Ozon-Schicht schadet und sich deshalb immer mehr fremde Pflanzen aufgrund des Klimawandels auf unseren deutschen Wiesen ansiedeln.

    ...und die verträgt eben die "dumme" deutsche Kuh nicht.

  4. 5. Ruhe,

    Ruhe, Ruhe - habt Verständnis. Das ist doch nicht Schuld der Autorin. Das Geschwätz vom Klimawandel darf noch in keinem Artikel einer deutschen Qualitätszeitschrift fehlen. Die Redaktionen hierzulande sind halt nicht so schnell. Draußen tobt ein Sturm - aber hier sitzt man im warmen Stübchen der political correctness. Merkel und Röttgen haben ja auch noch nichts gemerkt. Also braucht man noch nicht zu reagieren. Die werden erst wach, wenn Pachauri zurückgetreten ist.

    • Clerk
    • 30.01.2010 um 12:32 Uhr

    Wir hatten in den letzten 2 Jahrzehnten des Őfteren El Nino Jahre und trotzdem hatten wir keine vergleichbaren Kälteinbrüche, wie in diesem Winter. El Nino hatte sogar eher mildere Winter, vor allem südlich und östlich der Alpen, verursacht. Davon ist jetzt nichts zu spüren. Wir haben Zurzeit eine ziemlich intensive negative Phase der Artkischen Oszillation, die meistens unabhängig von El Nino auftritt. Ihre Pauschalaussagen sind ein gefundenes Fressen für Klimawandelleugner, womit Sie sich glatt auf deren sehr vereinfachtes schwarz-weiß Denken, gepaart mit Weltverschwörungstheorien, herabstufen.

  5. Ein neues Schimpfwort schlimmster Art ist das Wort „Leugner“. Es begann mit dem Wort „Holocaustleugner“ und findet nun hier bei den Kommentaren im neuen Wort „Klimawandelleugner“ seine Entsprechung. Leugner ist der Zweifel an etwas Absolutem, an dem zu rütteln oder Zweifel zu äußern sich grundsätzlich verbietet.
    Zerknirscht gestehe ich ein, ich bin ein Klimawandelleugner. Meine Zweifel beruhen dabei auf einem einfachen mathematischen Prinzip. Klima, das spielt sich hauptsächlich in der Atmosphäre, dem untersten Teil der Gashülle unserer kleinen Erde ab, in welchem die Luftmassen permanent mehr oder weniger kräftig durchgemischt werden.
    Nun hat unsere kleine Erde immerhin noch einen Umfang von 40.000 km.
    Ein Mensch, das ist ca. 2 m Biomasse. Im Verhältnis zum Umfang der Erde misst er also 2 / 40.000.000 (die km vom in Meter umgerechnet). Als Vergleich Bakterien, die im Maßstab zum Menschen riesig erscheinen müssen. Auf der Haut nur eines Menschen nisten ca. 1 Billion Bakterien, da sind 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde geradezu lächerlich. Würden alle Menschen aneinander gereiht wie eine Schnur um die Erde gewickelt, ergäbe das eine hauchdünne Schnur, die 325 Mal die Erde umspannen würde. Das würde nicht einmal für alle Längengrade reichen. Dass diese Winzlinge wirklich das Klima nachhaltig beeinflussen können, halte ich deshalb für ausgeschlossen. Politik und Wirtschaft bestärken mich in meiner Meinung, denn nicht Worte, sondern Taten sollten überzeugen und die fehlen.

    • zeid
    • 30.01.2010 um 22:58 Uhr

    Das kommt mir schon fast wieder verdächtig vor. Dieses Klima-Geplapper der Medien ist so unsäglich trottelhaft und untauglich, wollen die uns glauben machen sie sind alles Idioten und uns ins Messer laufen lassen? Und diese "Videobotschaften" zig mal todgesgten aber immer jünger werdenden Bin Laden mit so plump retouschierten Fotos dass es einfach nur noch verdächtig ist.

    Oder der Schweinegrippe-Flop. Also Verschwörung ist klar, die Frage ist nur ob auf eine Weise, dass sie es jetzt bewußt so vertrotteln um uns aus der Reserve zu locken....

    Allerdings, eins ist Fakt: Immer mehr Arbeitsplätze hängen an diesen Klimalügen und so könnte sich eine Spaltung des Volkes abseits objektiver Vernunft abzeichnen.

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