Wintersportkurse Der Spaß ist Gold wert
Fliegen wie Michael Uhrmann, zielen wie Magdalena Neuner: Wer testen möchte, ob ein Olympionike in ihm steckt, kann das im Urlaub tun. Gold winkt keines. Nur Spaß, Erfahrung und blaue Flecken.
© Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Hier fliegt der Profi: Michael Uhrmann in Vancouver
Jeder fängt mal flach an: Skispringen in Österreich
"Mut gehört sicher dazu", sagt Evelyn Perner von der Skischule Ramsau in Österreich, über den Schnupperkurs Skispringen für Jedermann. Schon Anfänger dürfen auf die 15 Meter hohe Übungsschanze – natürlich nur nach umfassender Anleitung des Kursleiters. "Die meisten unserer Kursteilnehmer sind junge Burschen", sagt Perner. Altersbeschränkungen gibt es nicht. Nur körperlich fit müsse man sein. Und frei von Höhenangst.
Von den Olympischen Disziplinen ist Skispringen sicher eine der extremsten. Wenn Profis wie der Deutsche Michael Uhrmann dieser Tage in Vancouver abheben, halten Zuschauer vor Ort und vor dem Fernseher den Atem an. Skispringer sind wagemutig und tollkühn. Sie machen den Traum vom Fliegen wahr – wenn auch nur für Sekunden. Das war schon Ende des 19. Jahrhunderts so, als in Norwegen die ersten offiziellen Wettkämpfe ausgetragen wurden. Bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 gehörte Skispringen bereits zum Programm. Damals kreisten die Athleten noch rotorengleich ihre Arme. So wie heute, mit V-förmig gespreizten Skiern, gleiten die Springer seit den Neunzigern von der Schanze. Sie überwinden Distanzen von mehr als 230 Metern. Davon können Urlaubs-Olympioniken nur träumen. Doch der Nervenkitzel bleibt.
Skispringen für Anfänger: Die Langlaufschule Ramsau bietet zwei Kurse an. Der dreistündige Schnupperkurs (29 Euro) findet freitags statt und kann mit Alpinskiern absolviert werden. Der zweitägige Kurs Skispringen für Jedermann mit individuell angepasstem Leihmaterial kostet 240 Euro. Schildlehen 83, 8972 Ramsau,Österreich. Tel. +43 (0) 3687 81430. http://www.skischule-ramsau.at
Biathlon in Antholz: Schießen lernen im WM-Stadion
Biathlon hat etwas Archaisches: Was heute die Jagd nach der Medaille ist, war früher die Jagd nach Wild. Auf Skiern, in verschneiten Wäldern. Ursprünglich mit Pfeil und Bogen. Mit der Zeit wurde aus dem Bogen ein Gewehr, aus den Holzskiern High-Tech-Material und aus der Jagd ein Militärsport. Im Jahr 1960 war Biathlon erstmals offizielle Disziplin bei den Olympischen Winterspielen. Als Laie scheint es unmöglich, auf Langlaufskiern über Loipen zu hetzen und trotzdem im entscheidenden Moment – beim Schuss – die Hand ruhig zu halten. Dann noch der Rückschlag! Tatsächlich ist Pulskontrolle ein wichtiger Aspekt im Training. In Antholz, dem Austragungsort der WM, können Biathlon-Fans in mehrtägigen Gruppenkursen oder mit einem Privatlehrer üben, wie man trotz Herzklopfen und Hecheln die Zielscheibe trifft. Die Langlauftechnik wird natürlich auch erklärt.
Biathlon-Kurse: Die Gruppenkurse können für zwei (85 Euro) bis fünf Tage (140 Euro) belegt werden. Auch Privatunterricht ist möglich (55 Minuten für 41 Euro). Der Startschuss für die Gruppenkurse fällt immer montags, eine Kurseinheit dauert zwei Stunden. Gelehrt werden Schießpositionen, Lauftechnik, Wettkampfregeln und natürlich Sicherheitsmaßnahmen. Gelaufen wird auf 60 Kilometer Loipen. Das Schießen findet im WM-Stadion statt. Biathlonzentrum 33, 39030 Antholz Obertal, Italien. Tel. +39 0474 492446. http://www.langlauf-antholz.it/de
Teilzeit-Eisprinzessin: Eiskunstlaufen in Berlin
Pailletten, Straß, Stickereien: Für Zuschauer hat Eiskunstlaufen zunächst wenig mit Sport und viel mit dem Show-Business zu tun. Doch die eleganten Bewegungen und schwerelosen Sprünge erfordern knallhartes Training. Wer nicht von einer Eiskunstlaufmutter geboren und schon als Kleinkind auf das Eis gejagt wurde, wird in diesem Sport kein Profi. Auch das Lächeln will gelernt sein – vor allem nach Stürzen. Bis zur heutigen Kunstform war es denn auch eine lange Entwicklung: Der Ursprung des Eislaufens liegt wohl in der Bronzezeit. Die Menschen bastelten sich damals Schlittschuhe aus Knochen, um zugefrorene Seen zu überqueren. Nicht sehr glamourös. Das wurde die Fortbewegung auf Kuven viel später, als aus dem Eiskunstlauf – der erste Wettkampf fand im 19. Jahrhundert in England statt – durch Musikuntermalung und akrobatische Elemente die beeindruckende Darbietung wurde, die sie heute noch ist. Bereits 1908 wurden Wettkämpfe für Männer, Frauen und Paare bei den Olympischen Spielen ausgetragen. Es waren die Sommerspiele in London. Eiskunstlauf war damit die erste Wintersportart überhaupt, die es ins Programm der Spiele schaffte.
Eiskunstlaufen für Erwachsene: Kurse gibt es fast überall dort, wo es eine Eislaufhalle gibt. In Berlin unterrichtet beispielsweise die Ungewöhnliche Eislaufschule Berliner und Berlinbesucher im einfachen Schlittschuhlaufen, aber auch in Foxtrott und Samba auf dem Eis. Eine Kursstunde in der Gruppe kostet 12 Euro. Privatunterricht gibt es ab 17 Euro für 20 Minuten. Die ungewöhnliche Eislaufschule, Ringstr. 67b, 12205 Berlin. Tel. (030) 8430 9341. http://www.eislaufschule.de
Wischen wie die Profis: Curling in St. Gallen
Die Schweizer lieben Curling. Die Kanadier auch. In Skandinavien wird es gern gespielt, ebenso in Schottland, aber die Schotten gelten ohnehin als kauzig. Der Rest der Welt fragt sich, was an Curling Spaß machen soll. Ein Fan würde antworten: Die Technik! Die Präzision! Der Teamgeist! Und die Höflichkeit: Ein Curler entscheidet im Streitfalle zum Beispiel zu Gunsten des Gegners. Das klingt sehr britisch und tatsächlich wurde der erste Club 1716 in Glasgow gegründet. Der älteste bekannte Curling-Stein ist noch älter: Er wird auf 1511 datiert. Die lebendigen Traditionen des Spiels und die (fast immer) guten Umgangsformen der Spieler haben dazu beigetragen, dass sich die Sportart, mitsamt Stein und Besen, mittlerweile bis nach Neuseeland und Japan ausgebreitet hat. Vermutlich haben auch die Winterspiele ihren Anteil daran: Im Jahr 1998 wurde Curling erstmals offiziell als Disziplin ausgetragen. Curling-Schulen rechnen in den nächsten Monaten mit überfüllten Kursen – dank Vancouver.
Curling-Anfängerkurs: Das Curling Center in St. Gallen in der Schweiz bietet für Interessierte einen Crashkurs am Wochenende an. Die Teilnahme kostet 165 Schweizer Franken, inklusive Mittagessen. Curlingcenter Lerchenfeld, Zürcher Strasse 152a, 9014 St.Gallen, Schweiz. Tel. +41 (0) 71 222 79 74. http://www.curling-stgallen.ch
Achtung, Raser: Bobfahren in Winterberg
Man muss die Geschwindigkeit lieben, wenn man Bobfahren ausprobieren will. Immerhin schaffen die flachen Schlitten in der Bahn bis zu 140 Kilometer pro Stunde. Das ist schneller als die zugelassene Höchstgeschwindigkeit auf vielen europäischen Autobahnen und definitiv nichts für Angsthasen. Im Jahr 1888 montierte ein erfindungsreicher Rodler zwei Schlitten unter einem Brett: die Geburtsstunde des Bobs. Gesteuert wurde das Gefährt mit Seilen, die Fahrten führten über Waldwege und Hügel. Schon 1924 wurde die Sportart dann zur Olympia-Disziplin. Damals saßen fünf Fahrer auf dem Schlitten, heute sind es zwei oder vier. Auch im Taxi-Bob im Eiskanal Winterberg wird zu viert gefahren: Ein Profi steuert, drei Gäste zittern. Aber nur 60 Sekunden lang: Diese Zeit lange braucht der Bob für die 1600 Meter lange Strecke.
Gästebob-Fahrten: Für 78 Euro kann jeder, der Lust hat, sich im Hochsauerland dem Nervenkitzel einer Bobfahrt aussetzen. Die Ausrüstung wird gestellt. Erholungs- und Sportzentrum Winterberg GmbH, Steinstraße 27, 59870 Meschede. Tel. 01805 0072 63. http://www.olympic-bob-race.de
- Datum 18.02.2010 - 18:46 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren