Lawinen"Eine Atemhöhle ist entscheidend"

Wer sich abseits gesicherter Pisten bewegt, sollte über Lawinen Bescheid wissen. Rudi Nadalet vom Lawinenwarndienst Bozen erklärt, worauf Wintersportler achten müssen. von Ulrike Schäfer

Ein Schild warnt im französischen Val d'Isere vor Lawinen

Ein Schild warnt Wintersportler im französischen Val d'Isere vor möglichen Lawinen.   |  © Pascal Le Segretain/Getty Images

ZEIT ONLINE: Die meisten Lawinen werden von Wintersportlern ausgelöst, die sich abseits der gesicherten Pisten bewegen. Was ist der beste Schutz gegen diese Gefahr?

Rudi Nadalet: Wer eine Tour unternehmen will, sollte vorher die nötigen Informationen einholen, etwa den Lawinenlagebericht im Internet abfragen. Dort erfährt man, in welchen Gebieten Lawinengefahr besteht und wie die Schneedecke beschaffen ist. Auch die richtige Notfallausrüstung ist wichtig. Dazu gehört ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), das als Sende- und Empfangsgerät funktioniert und den Begleitern hilft, den Verschütteten im Notfall zu orten. Auch eine Sonde für die Feinsuche gehört zur Grundausrüstung und eine Lawinenschaufel, um den Verschütteten auszugraben. Ohne dieses Notfallpack, das an vielen Orten auch ausgeliehen werden kann, sollte man keine Skitour in ungesicherte Gebiete unternehmen. Manche Ausrüstungen beinhalten zusätzlich einen Lawinen-Airbag: ein Luftkissen, das automatisch aufgeblasen werden kann, um bei Verschüttungsgefahr möglichst an der Oberfläche zu bleiben.

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ZEIT ONLINE: Mit welchen Daten arbeiten Sie beim Lawinenwarndienst?

Nadalet: Für den Lawinenlagebericht verarbeiten wir unter anderem die Wetter- und Schneedaten, die wir täglich von Beobachtern vor Ort bekommen. Durch unsere Messstationen erhalten wir Angaben über die Schneehöhe, die Windstärke und die Windrichtung sowie die Temperaturen. Die Förster versorgen uns zudem mit sogenannten Schneeprofilen. Wir selbst nehmen natürlich auch Ortsbegehungen vor. Der Bericht für Bozen kann jeden Tag im Internet, über Fax oder per Telefonansage abgefragt werden. Das ist inzwischen Standard in allen Wintersportgebieten.

ZEIT ONLINE: Woran können Skifahrer erkennen, dass eine Lawine droht?

Nadalet: Zu den wichtigsten Alarmzeichen gehören die sogenannten "Wumm"-Geräusche, die beim Setzen der Schneedecke entstehen. Wenn das Geräusch mehrmals auftritt, kann man davon ausgehen, dass die Schneedecke nicht stabil ist. Auch Windverwehungen auf der Schneeoberfläche können auf erhöhte Gefahr hindeuten. Der Wind gilt als Baumeister der Lawinen. Daher sind auch Triebschneepakete, also Schneeansammlungen, die durch den Wind verfrachtet wurden, ernste Warnzeichen.

ZEIT ONLINE: Wie sollte ich reagieren, wenn ich diese Zeichen wahrnehme, mich also schon mitten in der Gefahrenzone befinde?

Nadalet: Eine Lawine kommt nur zustande, wenn eine gewisse Geländeneigung gegeben ist. Der sicherste Weg ist daher, die steilsten Partien zu vermeiden und sich eher auf flachen Geländeabschnitten zu bewegen. Wichtig ist, dass man mit offenen Augen und Ohren ins Gelände geht und auch bereit ist umzukehren, wenn es notwendig ist. Zudem muss die Tour der Beschaffenheit der Gruppe angepasst werden. Ein schwächerer Skifahrer, der häufiger stürzt, kann leichter eine Lawine auslösen, als ein geübter Fahrer. Also lieber leichtere Strecken wählen und langsamer fortbewegen. Ganz wichtig ist auch das Einhalten von Sicherheitsabständen zwischen den Personen.

Leserkommentare
  1. Dr. Nadalet kennt offensichtlich den neuen Airflow-Skihelm noch nicht, mit dem das Kohlendioxid aus der Atemhöhle automatisch abgesaugt und auf den Rücken des Lawinenverschütteten geleitet wird. Wie könnte er ihn auch kennen. Die Firmen weigern sich, dieses lebensrettende Ausrüstungsstück zu produzieren. Und das, obwohl jeder handelsübliche Skihelm damit ausgerüstet werden könnte. Es ist ein Skandal!

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