Unwetter auf Madeira Die Katastrophe und die Folgen für Urlauber

Wegen der Überflutungen und Erdrutsche auf Madeira mit vielen Toten bleiben nun die Touristen weg. Doch das Leben auf der Insel hat sich normalisiert. Was Reisende jetzt wissen müssen.

Starker Regen hatte zu den Überschwemmungen geführt

Starker Regen hatte zu den Überschwemmungen geführt

Etwa eine Million Touristen besuchen jedes Jahr Madeira. Der Tourismus ist die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle der sogenannten Blumeninsel. Nach der Unwetterkatastrophe, die mindestens 42 Tote forderte und Hunderte obdachlos machte, finden die Einheimischen nun langsam zurück zur Normalität. Auch für Touristen normalisiere sich die Lage, so die Veranstalter. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa registrierten Hotels und Reiseagenturen allerdings bereits erste Stornierungen. Ein Überblick für Reisende.

Welche Regionen auf Madeira sind von der Katastrophe betroffen?

Nach Angaben des Tourismusverbands sind vor allem die Hauptstadt Funchal und der südliche Teil der Insel von den Unwetterschäden betroffen. Doch selbst in Funchal sei das Zentrum inzwischen wieder für Einheimische und Touristen zugänglich. Handyempfang und Internetverbindungen funktionierten, auch die Stromversorgung sei – bis auf die Gegend um Serra De Agua im Hinterland – überall gewährleistet. Die Versorgung mit Wasser sei in allen Teilen der Insel mit Ausnahme des Berglands um Funchal (Santo António) und Ponta do Sol gesichert. Der Tourismusverband zeigt zudem auf seinem eigenen YouTube-Kanal Videos, die das aktuelle Geschehen auf der Insel dokumentieren. Auch per Twitter werden Reisende von offizieller Seite auf dem Laufenden gehalten.

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Wie ist die Lage der Reisenden vor Ort?

Bei den Überschwemmungen und Erdrutschen vom Samstag starb den amtlichen Angaben zufolge eine britische Touristin, die von den Wassermassen mitgerissen worden war. Den anderen Tausenden Touristen, die sich auf Madeira befinden, geht es nach Aussage der Behörden gut.

Können Touristen, die jetzt auf Madeira sind, ihre Reise abbrechen?

Boris Narewski, Berliner Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Reiserecht, sagt: "Generell gilt: Sowohl der Reisende als auch der Reiseveranstalter können eine Reise wegen 'höherer Gewalt' gemäß § 651 j BGB kündigen." Höhere Gewalt liegt zum Beispiel vor, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Der Bundesgerichtshof definiert höhere Gewalt als "ein von außen kommendes und keinen betrieblichen Zusammenhang aufweisendes, nicht voraussehbares und auch durch äußerste, vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht abwendbares Ereignis". Dazu zählt grundsätzlich auch eine Naturkatastrophe wie auf Madeira. Wer zum Beispiel eine dreiwöchige Wanderreise gebucht hat und jetzt nach einer Woche nach Hause will, weil die Wege wegen der Erdrutsche nicht begehbar sind, kann seine Reise abbrechen. Der Veranstalter muss dann den Reisepreis erstatten – aber nur für die noch nicht erbrachten Leistungen. Das Geld für den Hinflug oder bereits im Hotel verbrachte Tage bekommen die Kunden nicht wieder.

Dürfen Reisende ihren bereits gebuchten Urlaub wegen der Situation stornieren?

"Nur, wenn die Reise hierdurch erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt wird", sagt Boris Narewski. Bei Madeira-Reisen ist das wohl nicht der Fall, denn die Veranstalter können wieder planmäßige Abläufe garantieren.

Müssen die Veranstalter Schadensersatz für ausgefallene Ausflüge zahlen?

Höhere Gewalt schließt Schadenersatz- und Minderungsansprüche gegen den Reiseveranstalter nicht aus. Allerdings sehe die Rechtsprechung vor, dass bei völlig unerwarteten Ereignissen die Gewährleistung außer Kraft gesetzt werden kann (ähnlich wie bei verspäteten oder annulierten Flügen)", sagt der Rechtsanwalt. Wer also wegen der Unwetter auf Madeira auf Ausflüge verzichten musste, kann dafür keinen Schadenersatz verlangen.

Was sagen die Reiseveranstalter zur Lage auf Madeira?

Anja Braun, Pressesprecherin der TUI, sagt: "Derzeit haben wir etwa 1400 Urlauber auf Madeira. Nur eine Handvoll der Reisenden wollte die Insel verlassen. Wir versuchen natürlich, je nach Möglichkeit, den Wünschen unserer Gäste zu entsprechen. Einen Anspruch auf Entschädigung haben die Gäste nicht. Das schlechte Wetter ist höhere Gewalt, dafür können wir nichts. Aber gebuchte Ausflüge, die nicht stattfinden konnten, werden selbstverständlich erstattet." Wünschen Kunden eine Stornierung, empfiehlt Braun ihnen, sich an das zuständige Reisebüro zu wenden oder den Kundenservice zu kontaktieren.

Auch beim Reiseveranstalter FTI mussten Ausflüge wegen der Straßenverhältnisse ausfallen. Ihre Gäste hätten "sehr verständnisvoll reagiert", sagt die FTI-Sprecherin Petra Hartmann. "Bis auf eine Ausnahme äußerten sie auch nicht den Wunsch, vorzeitig abzureisen." Die Flugverbindungen verliefen bereits wieder planmäßig, genau wie die Transfers.

Der Reiseanbieter Olimar, Spezialist für Portugalreisen, will kulant, aber individuell auf Umbuchungswünsche oder Stornierungen seiner Kunden eingehen. Pressesprecher Markus Zahn sagt: "Das hängt ganz davon ab, in wieweit der geplante Urlaub eingeschränkt ist. Das ist bei einem Wanderurlaub sicher eher der Fall als bei einer Mietwagenreise. Kulanzumbuchungen sind aber generell möglich. Inwieweit dabei Kosten entstehen, entscheidet der Einzelfall."

Wird Madeira weiter von Kreuzfahrtschiffen angesteuert?

Etwa 200.000 Kreuzfahrtteilnehmer besuchen jährlich die Atlantikinsel. Das Kreuzfahrtschiff "Aida Luna" konnte am Sonntag und Montag Madeira nicht ansteuern: Kurzfristig hatte das Unternehmen entschieden, stattdessen nach Gran Canaria zu fahren. "Unser Schiff hat vom Unwetter nichts mitbekommen", sagt der Pressesprecher von Aida Cruises, Holger Wetzel. Inzwischen werde die Blumeninsel aber wieder planmäßig angefahren.


 

 
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