Urlaub in der Filmkulisse Ferien für Backfische

In den fünfziger Jahren war das Gut Rothensande Kulisse für die "Immenhof"-Filme. Jetzt wird das verlassene Gehöft in der Holsteinischen Schweiz zum Ponyhof umgebaut.

Nächstes Jahr sollen hier wieder Mädchen auf Ponys um die Wette reiten

Nächstes Jahr sollen hier wieder Mädchen auf Ponys um die Wette reiten

Islandponys galoppieren über die Weide. Dick und Dalli, zwei Teenager, die eigentlich Barbara und Brigitte heißen, fahren mit einer Kutsche über mit Bäumen besäumte Wege. Sie singen ein Lied – "Dideldum, didelda, auf der Mundharmonika" – und winken den Feldarbeitern zu. Der "Immenhof " war der Sehnsuchtort der fünfziger Jahre. Fünf Filme wurden auf Gut Rothensande bei Malente gedreht, Tausende Mädchen (und Erwachsene) saßen mit feuchten Augen im Kino und träumten sich in die idyllische Landschaft Schleswig-Holsteins. Heute ist das Anwesen verfallen, seit Jahren lebt hier niemand mehr. Der Besitzer, der die Fans der Filme immer von seinem Land ferngehalten hatte, starb, die Erben zerstritten sich. In der Auffahrt klaffen tiefe Schlaglöcher, von der Fassade des Herrenhauses bröckeln die Farbschichten. Die Stallwand ist von Rissen durchzogen, durch eine Luke im Dach fällt Licht auf einen Stapel Strohballen.

Doch es gibt Anzeichen von Leben. Zwei Mädchen stehen vor dem Stall, sie fachsimpeln über Pferde. Drinnen streckt ein Pferd den Kopf aus seiner Box und stampft mit dem Huf. Der Stall riecht nach warmem Fell und Lederfett. Seit Kurzem hat das marode Gehöft einen neuen Besitzer. Franz-Josef Stolle vermietet die Stallungen wieder – an junge Pferde-Besitzerinnen aus der Umgebung. Und er hat noch viel mehr vor. In den Immenhof-Filmen ging es meist darum, das Gut aus finanzieller Not zu retten. Mal musste ein Onkel Pankraz helfen, mal in letzter Sekunde ein Pferde züchtender Jochen von Roth seine Stuten verkaufen, um das Fortbestehen des Hofes zu sichern. Dazu passt es irgendwie, dass Stolle ausgerechnet am Tag, an dem die Zwangsversteigerung angesetzt war, den Kaufvertrag für den Immenhof unterzeichnete.

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Stolle ist natürlich kein altruistischer Wohltäter, sondern ein geschäftstüchtiger Landwirt mit einem Herz für Pferde. Auf der Suche nach neuem Besitz geriet der Niedersachse zufällig an den Immenhof. Er kaufte ihn mitsamt der Ernte – und erkannte erst später das touristische Potenzial des Anwesens. Jetzt will er das Gut nicht nur landwirtschaftlich nutzen, sondern es in eine Ferien- und Hotelanlage im Vier-Sterne-Plus-Bereich umwandeln. Die Sanierung wird viele Millionen Euro kosten, unterstützt wird Stolle mit Fördergeldern des Landes Schleswig- Holstein. Der 44-Jährige will das Anwesen behutsam sanieren: "Ich möchte den Charme des Immenhofs erhalten – den Ursprung." Im Sommer 2011 soll der Hof wieder eröffnet werden. "Natürlich", sagt Stolle, "müssen hier wieder Ponys her." Die beiden Mädchen vor dem Stall sind daher so etwas wie die Vorboten der Zukunft des Hofes. Gleichzeitig aber auch eine Reminiszenz an frühere Zeiten.

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