Zoo in Sydney Der Löwe schläft heut Nacht
Mit Infrarotlampen können Besucher im nächtlichen Zoo von Sydney auf Entdeckungstour gehen. Ein Abenteuer nicht nur für Kinder.
Von wegen Brüllen und Schnarchen – kein Löwe knurrt, kein Tiger faucht, es wiehert kein Zebra und es trompetet kein Elefant. Zumindest in dieser Nacht hat dagegen die wild lebende einheimische Fauna das Sagen im Zoo von Sydney: Im Busch zirpen Zikaden, irgendwo hinter den Bäumen quaken Frösche, ab und an fiept eine Fledermaus in hohen Tönen. Im Morgengrauen weckt ein Kookaburra, auch Lachender Hans genannt, mit lautem Gekecker die Schläfer.
Brüllende Großkatzen sind nicht garantiert beim "Roar & Snore" im Taronga Zoo. Und geschnarcht wird nur im Zelt nebenan. Doch Safari-Feeling vermittelt eine Nacht in Sydneys Tierpark allemal. Ursprünglich für Schulklassen konzipiert, die in kleinen Zelten neben dem Infocenter schliefen (Schlafsack und Isomatte waren mitzubringen), war die Nachfrage nach dem Programm so groß, dass nun 17 luxuriöse Zelte – mit Laminatboden ausgelegt und mit einem Doppelbett mit weiß bezogenem Bettzeug ausgestattet – bis zu 40 Menschen die Gelegenheit bieten, neben Seelöwen, Gorillas und Meerkatzen die Nacht zu verbringen.
Dabei ist die Nacht eigentlich viel zu schade zum Schlafen. Denn das wirklich Sensationelle, das den Zoo auch bei Touristen so beliebt macht, ist die Lage. An einem Steilhang liegen die Gehege und Ausläufe im Schatten üppiger Büsche und Bäume im Stadtteil Mosman – mit unverstelltem Blick auf die Skyline von Australiens größter Stadt.
Einst eine Walfangstation, acht Kilometer nördlich des Stadtkerns, auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt und damit in sicherer Geruchsentfernung zu Sydney gelegen, ist Mosman heute ein wohlhabendes Villen-Viertel. Wandelröschenbüsche und Krüppelkiefern überwuchern die Küstenlinie, unterbrochen von kleinen Buchten. Vor den Sandstränden dümpeln Jachten und Segelboote zu Dutzenden im Wasser.
Opernhaus, Harbour Bridge, Fernsehturm – postkartengleich präsentieren sich alle Wahrzeichen Sydneys auch den Gästen in ihren Zelten. Keine Frage, der Name des Zoos wurde treffend gewählt: Taronga heißt in der Aboriginal-Sprache schöne Aussicht.
© Anette Schweizer

Eine der Giraffen beim nächtlichen Rundgang durch den Taronga Zoo
Zeit, das Panorama zu genießen, bleibt allerdings nur wenig beim "Roar & Snore". Während sich die Dämmerung senkt und auf der anderen Seite des Wassers nach und nach die Lichter angehen, werden die Teilnehmer während der ersten Station des Rundgangs bei einer Begegnung mit Tannenzapfenechse und zwei Pythons auf die Nacht im Zoo eingestimmt.
Im Dunkeln bewegt sich die Gruppe von Gehege zu Gehege. Damit die Tiere nicht geblendet werden, sind die Taschenlampen von Elli, Alison und Todd, den begleitenden Zoowärtern, nicht hell, sondern mit augenfreundlichem Rotlicht ausgestattet. Unwirklich, fast gespenstisch wirken die Kreaturen, wenn sie damit angestrahlt werden. Im Lichtkegel der Lampen sind oft nur einzelne Körperteile der Tiere auszumachen, etwa die Pranke eines Löwen oder die riesigen Ohren eines Wüstenfuchses, der sich hinter einem am Boden liegenden Baumstamm versteckt. Die Zebras sind nicht schwarz-weiß, sondern rot-weiß gestreift.
- Anreise
Am schönsten ist die Anfahrt mit der Fähre: Alle 30 Minuten ab Circular Quay, die Fahrt bis zum Anleger Taronga Zoo dauert nur etwa 15 Minuten (www.sydneyferries.info). Wem der Anstieg der Wege im Zoo zu steil ist, der kann vom Anleger mit dem Bus zum Haupteingang hinauf fahren oder die Gondel nehmen – die Benutzung ist für Zoobesucher kostenlos, die Aussicht auf die Stadt grandios und die Perspektive in die Gehege ungewöhnlich
- Taronga Zoo
Geöffnet täglich von 9 bis 17 Uhr. Eintritt 41 AUSD, Kinder 20 AUSD (etwa 28 bzw. 13 Euro).
- Roar & Snore
-
Beginn um 18 Uhr, Kosten: 240 AUSD, Kinder 185 AUSD (162 bzw. 125 Euro). Eingeschlossen sind Snacks, Getränke, eine warme Mahlzeit und ein leichtes Frühstück. Außerdem kann, wer möchte, den gesamten folgenden Tag im Zoo verbringen.
Übernachtet wird in großen Zelten, Gemeinschaftsduschen sind vorhanden. Der Abend beginnt mit einer kleinen Einführung, bei der einheimische Kleintiere aus der Nähe betrachtet werden können. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt der etwa zweistündige Rundgang durch den Zoo in Begleitung der Wärter. Am nächsten Morgen, bevor die ersten Besucher kommen, geht es erneut durch den Zoo, die Begegnung mit großen Tieren steht auf dem Programm, zum Beispiel einem Besuch im Giraffengehege und der Besichtigung des Bärengeheges von innen (ohne Bär!). Abschließend dürfen noch kleinere einheimische Tiere wie Koalas oder Opossums gestreichelt werden.
Das Programm erfreut sich großer Beliebtheit, eine frühzeitige Buchung wird empfohlen (in den Ferienzeiten mehrere Monate im Voraus)
Tiger und Schneeleopard sind nicht zu entdecken, sie machen vermutlich das, was man nachts eben macht: schlafen. Es ist wenig los im nächtlichen Tierpark. Nur im Gehege der Bongos geht es rund – allerdings sind es nicht die afrikanischen Antilopen, die da Lärm machen, sondern zwei australische Opossums, die sich in das Gehege geschlichen haben und sich nun mit Kreischen und Quieken gegenseitig ihre Paarungsbereitschaft versichern.
Auch Tuka, der Komodo-Waran von der indonesischen Insel Flores, rührt sich nicht von der Stelle. Das war an einem Sommertag vor einigen Jahren anders: "Tuka hat herausgefunden, wie er sein Gehege öffnen kann. Der Wärter hat es erst bemerkt, als Besucher ihm erzählten, dass ein paar Meter weiter Kinder auf einem Drachen reiten", erzählt Alison. Seitdem sitzt Tuka hinter sichereren Schlössern und Riegeln – ein Kind wäre eine grade passende Mahlzeit für den drei Meter langen Echsenmann.
© EPA/RICK STEVENS/TARONGA ZOO

Elefant Luk Chai spielt mit einem Ball
Todd, Elli und Alison verstehen es, ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen. Der Enthusiasmus, mit dem sie Geschichten aus dem Zooalltag erzählen, ist mitreißend. Und gibt Informationen über die Tiere und deren Lebensweisen. Denn neben dem Spaß und dem Abenteuer einer Nacht im Zoo ist die Wissensvermittlung und die Sensibilisierung für Belange des Umwelt- und Artenschutzes Ziel des Programms.
Wenn man den Dreien glauben darf, ist Taronga eine Zufluchtsstätte für in Not geratene Tiere: Der Malaienbär, der sich ins Heu kuschelt, wurde aus einem Restaurant in Malaysia gerettet, wo er in einem Verschlag seinem Ende als Spezialität des Hauses entgegenvegetierte. Sein Glück war, dass ein australischer Geschäftsmann ihn vor einem zahlungskräftigen "Feinschmecker" entdeckte und den Zoo informierte.
Die asiatischen Elefanten wurden vor einigen Jahren ihren Mahuts in Thailand abgekauft – zuvor mussten sie sich ihren Lebensunterhalt mit Kunststücken in den Straßen Bangkoks verdienen, waren unterernährt und krank. Nach ihrer Ankunft in Sydney dauerte es eine Weile, bis sich die Beziehungen untereinander gefestigt und eine intakte Familie gebildet hatte. Mit Erfolg: Im letzten Jahr kam Luk Chai zur Welt, das erste Elefantenbaby, das je auf australischem Boden geboren wurde. Und nun hat der acht Monate alte Elefant auch noch einen Spielkameraden bekommen. Mr. Shuffles heißt der jüngste Nachwuchs im Gehege. In dieser Nacht schlafen die Kleinen jedoch im Elefantenhaus, ein nächtlicher Besuch würde die Herde zu sehr aufregen. Die Tür bleibt verschlossen.
Am nächsten Morgen erweist es sich als Glück, dass der Kookaburra schon so früh sein Gelächter angestimmt hat – so bleibt etwas Zeit, von der zelteigenen Terrasse die Stille des heraufziehenden Morgens zu genießen, zu beobachten, wie die Lichter Sydneys langsam erlöschen und da drüben in der Stadt ein weiterer geschäftiger Tag beginnt, bevor es zur hinter-den-Kulissen-Tour geht. Denn, schöne Aussicht hin oder her: Die Giraffen und die alte Bärendame haben Hunger und warten auf die Leckereien, die die Besucher ihnen gleich anbieten werden.
- Datum 19.03.2010 - 15:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








...sind nicht schwarz-weiß, sondern rot-weiß gestreift. Muss toll aussehen ;)
Schmunzel,
mf
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren