Tourismus nach der Krise Gereist wird immer

Die Tourismusbranche hat das Krisenjahr 2009 verhältnismäßig gut überstanden. Die Deutschen machen weiterhin gern Urlaub, wenn auch vermehrt in der Heimat.

Badewetter in Binz auf Rügen

Badewetter in Binz auf Rügen

Urlaub am Bodensee statt am Indischen Ozean, All-Inclusive-Resort statt Boutique-Hotel und Last-Minute-Angebote statt lang geplanter Reisen: In der Wirtschaftskrise halten die Menschen an ihrem Geld fest, laut Experten dauert dieser Trend noch mehrere Jahre an. Zu Hause bleiben will aber dennoch kaum jemand – Engpass hin oder her.

"Kostentransparenz und Budgetkontrolle sind die Lehren aus der Krise. Günstige, nahe oder vertraute Reiseziele werden bevorzugt", schreibt die Commerzbank in einer Tourismus-Studie. Deutschland bliebe das Hauptreiseziel der deutschen Urlauber. Traditionelle Mittelmeerziele würden von günstigeren Destinationen wie zum Beispiel der Türkei abgelöst. Insgesamt rechnet die Commerzbank im Jahr 2010 mit einem geringen Anstieg der deutschen Reiseausgaben um 1,25 Prozent auf knapp 60,6 Milliarden Euro.

Die großen Reiseveranstalter haben auf die Trends längst reagiert. So berichtet der Veranstalter Neckermann Reisen, dass 38 Prozent der deutschen Urlauber dieses Jahr einen All-Inclusive-Urlaub planten, um die Nebenkosten schon vor Reisebeginn zu kennen. Die TUI geht sogar davon aus, dass etwa 55 Prozent ihrer Kunden für Sommer 2010 solche Rundum-Sorglos-Pakete buchen wollen. Im vorigen Sommer waren bereits rund 50 Prozent der TUI-Pauschalurlauber mit All-Inclusive-Reisen unterwegs. Noch sind die Folgen der Wirtschaftskrise nicht ausgestanden, die Zukunft wird von vielen weiterhin als ungewiss empfunden. Extraausgaben und unkalkulierbare Risiken werden deshalb vermieden.

Die Urlaubsbranche hat das Krisenjahr 2009 dennoch relativ gut überstanden. Wieder einmal bewahrheitete sich die These, dass die Deutschen am Urlaub besonders ungern sparen. Nach einer Erhebung der Fachzeitschrift fvw sank im Tourismusjahr 2008/2009 der Umsatz von 62 erfassten Veranstaltern lediglich um 2,2 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Reisenden ging etwas stärker zurück – um 5,9 Prozent auf 32,5 Millionen. Allerdings wurden hier die Besucherströme zu beliebten Sommerzielen wie der Ostsee oder den Alpen nicht gezählt.

Anzeige

Nach anfänglichen Preissteigerungen hätten die Veranstalter zum Sommer hin viele Schnäppchen geboten, schreibt das Branchenmagazin. Auch in diesem Jahr hätten die großen Reiseveranstalter ihre Preise für den kommenden Sommer gesenkt. Dabei können sie zum Teil von günstigeren Flugpreisen, Hotelrabatten und den Wechselkursen profitieren. Bei TUI sind Fernreisen im Durchschnitt um sechs Prozent günstiger, Flugreisen etwa ans Mittelmeer um fünf Prozent. Neckermann und Thomas Cook Reisen bieten ihr Programm für die Feriensaison 2010 im Schnitt ebenfalls um fünf Prozent günstiger an.

Das Reiseland Deutschland ist nach Einschätzung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) ohnehin schon preiswerter als viele europäischen Nachbarländer. Die Senkung der Mehrwertsteuer für die deutschen Hotels dürfte sich dabei mittelfristig ebenfalls positiv auf die Reisekasse auswirken – auch wenn viele Hoteliers die Preise zunächst nicht senken wollen und stattdessen in die Renovierung ihrer Häuser investieren.

Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in 20.000 deutschen Haushalten wollen drei Prozent mehr Urlauber den kommenden Sommer in heimischen Gefilden verbringen. Mittelmeer- und Fernreisen verlören der Studie zufolge rund 10,8 Prozent. Wer dieses Jahr anstatt nach Koh Samui lieber nach Rügen fahren will, sollte deswegen besser jetzt buchen. Er ist mit dieser Idee nicht allein. 

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service