Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat in einem weiteren Schritt den deutschen Luftraum bis 20 Uhr geschlossen. Mit Sondergenehmigung kann aber weiterhin geflogen werden. Demnach sind Sichtflüge mit einer Maximalhöhe von 3000 Metern gestattet.

Ursprünglich sollte das grundsätzliche Flugverbot bereits um 2 Uhr in der Nacht zu Dienstag enden, am Morgen hatte die Flugsicherung die Sperrung dann bis 14 Uhr verlängert.

Die europäische Luftsicherheitsbehörde erließ neue Regeln für Flugverbote in Europa. Damit darf wieder in weitaus mehr europäischen Gebieten geflogen werden. Laut Eurocontrol liegt Deutschland, wo der Luftraum noch komplett geschlossen ist, inzwischen an der östlichen Grenze des gesperrten Luftraums. Tschechien, Südpolen und das östliche Österreich waren bereits frei. Nur noch ein Korridor im nördlichen Polen blieb gesperrt. Am Montag hatte sich die Verbotszone noch deutlich weiter über Europa erstreckt, im Osten sogar bis hin zum Schwarzen Meer.

Auch der Luftraum über großen Teilen Frankreichs ist offen. Das Zentrum der Sperrzone lag in etwa über der Nordsee. Norwegen und der größte Teil Schwedens waren frei. Ein Ausläufer der Sperrzone zog sich noch über Dänemark, Südschweden und Finnland. Das Gebiet über Großbritannien und Irland war wie in den Tagen zuvor noch mit Flugverboten belegt.

Einen Tag nach der zumindest teilweisen Öffnung des Luftraums nimmt der Betrieb an den deutschen Airports zu. In Frankfurt, München und Berlin starteten am Morgen erste Maschinen.

Die Lufthansa schickte nach eigenen Angaben 50 Langstreckenmaschinen nach Übersee in die Luft. Die Airline will am Dienstag sämtliche ihrer Langstreckenflüge starten lassen. "Wenn alles wie geplant läuft, werden wir heute 457 Flüge abwickeln", sagte ein Sprecher. Das seien etwa 40 Prozent eines normalen Flugtages. Angesteuert würden deutsche Städte, aber auch weiter entfernte Ziele wie Peking, Phuket oder Kairo.

Auf dem größten deutschen Airport in Frankfurt am Main waren am Montag jeweils rund 25 Maschinen gestartet und gelandet. Nun sollten es deutlich mehr werden. In München will die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihr reguläres Programm wieder aufnehmen. Das Unternehmen teilte mit, seit Lockerung des Flugverbots bei mehr als 100 Flügen rund 15.000 Passagiere befördert zu haben.

Auf dem Berliner Flughafen Tegel hob kurz nach 6 Uhr der erste Flieger in Richtung Palma de Mallorca ab. Auf den beiden Flughäfen der Hauptstadt sind bereits am Montagabend die ersten Flugzeuge gestartet und gelandet. Trotz der Ausnahmeregelungen werden aber weiterhin Flüge ausfallen. Viele Streichungen sind laut Fluggastinformation in Berlin-Schönefeld zu erwarten.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte noch keinen Termin für die Rückkehr zum planmäßigen Flugverkehr über Deutschland. "Wir fliegen und messen heute weiter", sagte Ramsauer im ZDF. Zugleich wies er Kritik an dem umfassenden Flugverbot wegen möglicher Gefahren durch die Aschewolke aus Island und auch dessen Lockerung in Deutschland für bestimmte Flüge auf Sicht zurück. "Die Sicherheit steht an erster Stelle", versicherte er. Es gebe ein ganz klares internationales Regelwerk für solche Fälle.

Mit der Freigabe für einzelne Flüge auf Sicht habe Deutschland eine "konstruktive Schrittmacherfunktion" innerhalb Europas übernommen. Damit sei er aber nicht eingeknickt nach der Kritik von Airlines wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen des umfassenden Flugverbots. "Ich handle verantwortlich", sagte Ramsauer. "Ich lasse mich von niemandem unter Druck setzten." Bei ihm gehe es nicht nach dem "Hau-Ruck-Prinzip". Für die Zulassung von eingeschränkten, kontrollierten Flüge in einer solchen Situation gebe es klare Vorschriften und Prinzipien.

Am Montag hatten sich die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten auf eine Lockerung des Flugverbots verständigt. Der Luftraum soll in drei Zonen unterteilt werden und nur dort geschlossen werden, wo eine bestimmte Konzentration der Asche überschritten wird. Entscheidende Kriterien sollen unter anderem Satellitenbilder und Daten der Aschewolke sein.

Die Fluggesellschaft Air France will ihre Langstreckenflüge von Paris ab 12.00 Uhr wieder aufnehmen. Der Flugplan werde sich schrittweise wieder normalisieren, teilte Air France mit. Der Flughafen in Amsterdam war unterdessen bereits am Montagabend wieder geöffnet. Ab 8.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit sollten unter anderem in Schottland die Flughäfen wieder öffnen.

Hingegen hat Polen wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans seinen Luftraum wieder geschlossen. Auf allen Flughäfen des Landes sei der Start von Passagiermaschinen untersagt, sagte ein Sprecher der Flugsicherung. Am Montag war der Betrieb auf vier polnischen Airports wieder freigegeben worden.