Aschewolke Flugverbot verlängert

Das Flugverbot ist vorerst verlängert. Die Airlines beklagen, dass es keine verlässlichen Informationen über die Gefährlichkeit der Aschewolke gebe.

Die Deutsche Flugsicherung hat das Flugverbot auf zunächst 2 Uhr am Montagmorgen verlängert. Flughäfen wie Frankfurt oder Hannover, die heute teilweise in Betrieb waren, sollen von 20 Uhr am Sonntagabend bis 2 Uhr am Montagmorgen wieder geschlossen werden. Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld sollen voraussichtlich bis Sonntag, 22 Uhr betrieben werden, sagte eine Sprecherin. "Bis dahin reicht unsere Prognose." Hintergrund ist den Angaben zufolge, dass die Aschewolken sich wieder geschlossen hätten.

Die Deutsche Flugsicherung und der Deutsche Wetterdienst (DWD) wehrten sich gegen Kritik am Flugverbot. "Wir treffen keine Entscheidung", sagte ein Sprecher des DWD ZEIT ONLINE. Der Wetterdienst habe die Computerdaten über die Ausbreitung der Wolke vom Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London, das die Bewegungen von Vulkanasche-Wolken für die internationale Luftfahrt überwacht, bekommen und daraus eine Wettermeldung gemacht. Die Flugsicherung habe daraufhin ein Flugverbot ausgesprochen.

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Bislang wurde jedoch, so räumt der DWD ein, noch keine genaue Messung vorgenommen, wie hoch die Konzentration von Asche in der Luft tatsächlich ist. Bislang fand lediglich eine indirekte Messung statt. Mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißberg bei München seien deutlich geringere Messwerte für Ozon festgestellt worden, das mit den Stoffen aus der Aschewolke reagiert habe, heißt es vom DWD. Das sei ein Beweis für die Existenz der Wolke in einer Höhe von drei bis sieben Kilometern.

Das Volcanic Ash Advisory Centre

Das Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London überwacht die Bewegungen von Vulkanasche-Wolken für die internationale Luftfahrt. Neben London gibt es noch Standorte in Washington, Buenos Aires, Toulouse und Montreal.

Das Londoner Zentrum ist für den britischen Luftraum, Island und den nordöstlichen Teil des Atlantiks zuständig. Es gehört zum britischen Wetterdienst und damit zum Verteidigungsministerium.

Wie arbeitet das VAAC?

Die Wissenschaftler der VAAC beobachten rund um die Uhr mit Hilfe von Satellitenbildern und Wetterdaten, ob ein Vulkan Asche spuckt. Wenn sie eine Wolke finden, wird ihre Bewegung im Luftraum verfolgt und vorhergesagt.

Um die Lage zu beurteilen, dienen außerdem Messergebnisse und Beobachtungen verschiedener anderer Vulkanbeobachtungs- und Luftfahrtorganisationen sowie Berichte aus Flugzeugen, die in der Luft sind. Besteht Gefahr für Flugzeuge durch Vulkanasche in der Luft, gibt das Zentrum Warnungen heraus.

Wie hoch und gefährlich die Konzentration ist, wurde dabei jedoch nicht festgestellt. Am Montag soll ein Flugzeug des Deutschen Luft und Raumfahrtzentrums (DLR) aufsteigen und genau Messungen vornehmen.  "Zum Einsatz kommt eine Falcon 20E, die gerade mit speziellen Messgeräten ausgerüstet wird", sagte der Berliner DLR-Sprecher Andreas Schütz. Deshalb gelte das Flugzeug als "Special Aircraft" und benötige besondere Genehmigungen. Diese hole das DLR beim Luftfahrtbundesamt ein. "Das wird noch bis Montag früh dauern."

Laut DWD ist Deutschland nur unzureichend auf einen solchen Vulkanausbruch vorbereitet. "Solche Messungen sind normalerweise völlig unnötig", sagte der Sprecher. Deshalb nehme die Vorbereitung auf einen solchen Flug so viel Zeit in Anspruch. Eine Sperrung hält jedoch auch er für notwendig: "Sicherheit geht über alles."

Die Lufthansa hatte zuvor Kritik am Flugverbot geübt. "Wir halten es für skandalös, dass die Verbote nur auf Grundlage einer einzigen Quelle verhängt werden", sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther. Die Airline, der wegen des Flugverbots massiv Umsatz entgeht, behalte sich Regressansprüche vor. "Wir behalten uns auch vor, die Frage zu stellen, wer haftet eigentlich, wer kommt für die Schäden auf?", sagte Walther.

Es sei zwar korrekt, dass der Luftraum anfangs ohne Messungen gesperrt worden sei, um Gefahren zu vermeiden. Aber danach hätten die Behörden sofort mit Tests und Messungen beginnen müssen, um das weitere Vorgehen zu untermauern, so Walther weiter. Außerdem hätten mehrere Informationsquellen genutzt werden müssen. Das sei aber seit Tagen nicht passiert, während der leere Himmel und das Chaos am Boden die Volkswirtschaft Milliarden kosteten, sagte Walther. Auch die Ergebnisse der Testflüge von Fluggesellschaft seien nicht herangezogen worden. Ähnlich äußerten sich auch der Chef von Air Berlin, Joachim Hunold und der Germanwings-Chef Thomas Winkelmann.

Die Lufthansa hofft, dass der Flugbetrieb noch am Sonntag wieder aufgenommen wird. "Wir hoffen, dass es ab 20 Uhr wieder losgeht", sagte Walther. Bis dahin ist der deutsche Luftraum nach jetzigem Stand gesperrt. Der Verbleib am Boden kostet die Fluggesellschaft eine Menge Geld. Die Einnahmeausfälle summierten sich auf mindestens 25 Millionen Euro am Tag, soviel hatte der Pilotenstreik vor einigen Wochen gekostet.

Auch die Flugsicherung verteidigte ihr bisheriges Vorgehen: "Solange wir ein Risiko nicht ausschließen können, wird gesperrt, sagte eine Sprecherin ZEIT ONLINE. "Wir müssen im deutschen Luftraum für optimale Sicherheit sorgen, sobald es daran nur den geringsten Zweifel gibt wird nicht geflogen." Die DFS schließt auch nicht aus, das bislang bis Montagabend 20 Uhr verhängte Flugverbot noch einmal zu verlängern: "Wir planen immer nur vorläufig", hieß es. Bislang gilt die Sperrung bis Sonntag 20 Uhr. Am späten Nachmittag soll auf einer weiteren Sitzung über eine mögliche Verlängerung beraten werden. In den vergangenen Tagen waren die Verbote mehrfach um jeweils sechs Stunden verlängert worden.

 
Leser-Kommentare
  1. und sein Kumpel, der Schaden an der Volkswirtschaft.

    Ich blicke mich naiv mal um und sehe, dass vor allem ein Schaden auffällt: Der, welcher bei blockiertem Flugverkehr (der Rest rollt und fährt ja weiter) pauschal die Zahlen mit den vielen Nullen anführt und mit dem Wort "volkswirtschaftlicher" schmückt, um einfach nur zu sagen: Ich habe keine Ahnung, wie hoch der Schaden ist, aber er muss hoch sein.

    Wie wollen wir die entlasteten Menschen dann einrechnen? Wie sollen wir sollen wir die kurze Besinnungszeit einbeziehen und wer - außer Unternehmen - kommt eigentlich zu Schaden, wenn es nun ein paar Tage dauert, bis wieder Geld verdient werden kann?
    Wie berechnet sich eigentlich der Schaden, welcher durch herab fallende Flugzeuge entstünde, so denn DWD und DFS genauso rechnen würden (Stichwort: "Gesetz zur Neuregelung der Flugsicherung" = Privatisierung) wie ihre Wirtschaftskollegen?
    Seltsam, dass beim präventiven Einsatz von z. B. Nacktscannern gegen eine nur vermeintliche Gefahr weniger Widerstand aufkommt als beim vorsichtigen Umgang mit Naturphänomenen - auch hier bestimmt wohl eher die Volkswirtschaft die Motivation.

    Die Kritik an den nicht sofort erfolgten Messungen stütze ich, die hohen Schadenssummen aber sind - genau wie stets als Argument eingebrachte potentielle Arbeitsplatzverluste - einfach nur die Worthülsen einer Industrie, die nur berechnet, was sich verdienen lässt.

    (Nicht nur) Flugsicherheit muss Staatsaufgabe sein und bleiben!

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    • ilot
    • 19.04.2010 um 19:18 Uhr

    ...findet momentan jedenfalls statt:

    Das großangelegte N.A.T.O.-Luftmanöver
    BRILLIANT ARDENT (12. bis 22. April über deutschem Luftraum)

    Kam es in diesem Zusammenhang zu operativen Einschränkungen? Es wird ja in der Allgemeinpresse NICHTS dazu berichtet.

    Zeitgleich findet auch das NATO-Seemanöver BRILLIANT MARINER in der dänischen Nordsee statt. (ebenso 12. bis 22. April)

    Dazu kommt das Landmanöver "IRON TAURUS" im Großraum "Porta Westfalica - Bremen - Hamburg - Berlin - Hannover - Weserbergland", laut Bundeswehrangaben das größte seiner Art seit 10 bis 15 Jahren.

    • ilot
    • 19.04.2010 um 19:18 Uhr

    ...findet momentan jedenfalls statt:

    Das großangelegte N.A.T.O.-Luftmanöver
    BRILLIANT ARDENT (12. bis 22. April über deutschem Luftraum)

    Kam es in diesem Zusammenhang zu operativen Einschränkungen? Es wird ja in der Allgemeinpresse NICHTS dazu berichtet.

    Zeitgleich findet auch das NATO-Seemanöver BRILLIANT MARINER in der dänischen Nordsee statt. (ebenso 12. bis 22. April)

    Dazu kommt das Landmanöver "IRON TAURUS" im Großraum "Porta Westfalica - Bremen - Hamburg - Berlin - Hannover - Weserbergland", laut Bundeswehrangaben das größte seiner Art seit 10 bis 15 Jahren.

  2. Ein verantwortungsloser Alleingang der Lufthansa aus reinen Profitgründen könnte verhängnisvolle Folgen haben. Falls Lufthansa trotz des Verbots fliegt und sich damit den internationalen Flugsicherungsvorschriften widersetzt, ergeben sich Konsequenzen. Unter anderem bleiben dann Verluste an Sachschäden und Menschenleben vermutlich unversichert.

    • Mith
    • 18.04.2010 um 15:15 Uhr

    Das Argument, dass es nicht unbedingt klug sei, sich bei der Entscheidung den europäischen Luftraum zu sperren, nur auf eine einzige Quelle zu verlassen, ist sicherlich nachvollziehbar.

    Andererseits: So viele Vulkane gibt es in Europa nun auch wieder nicht. Und es ist ja nicht so, dass sie jeden Monat ausbrechen würden. Bis dato bestand scheinbar kein Bedarf, großartige Kontrollmechanismen für einen solchen Fall zu installieren.

    Wichtig ist an dieser Stelle nur: 1. Lieber wenige Daten als gar keine Daten. 2. Sind die Daten unsicher, gilt erst recht: Prävention vor Kompensation.

    Interessant ist auch, und hier unterstelle ich den Fluggesellschaften im Falle der Tatsache, dass der Luftraum nicht gesperrt bliebe, die Maschinen flögen und etwas passierte, eben diese Gesellschaften zu der Flugsicherung und ähnlichen Behörden gingen und sagten: "Warum habt ihr nicht gesperrt?"

    Man sollte, auch und gerade als betroffener Sektor, dankbar dafür sein, dass die verantwortlichen Behörden nicht nach dem Prinzip des Trial&Error verfahren...

  3. ...selbst messen: Nur hinterher nicht jammern wenn ihr ein Vogel vom Himmel fällt - um ihre Asche.

  4. in den Einflugschneisen. Asche sei Dank,jetzt ist etwas geschehen, was in den kühnsten Träumen der Anwohner von Flughäfen nicht vorkam.

    • neffe
    • 18.04.2010 um 15:45 Uhr

    Ich würde einen Probleflug vorschlagen. Und zwar mit dem kompletten Lufthansa- Vorstand einmal quer durch Europa. Dann hätten wir die Gefährlichkeit der Asche praktisch getestet.
    Und es hätte bei einem Absturz keine Unschuldigen getroffen.

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    Gute Idee.

    Gute Idee.

  5. Vielleicht hilft ja eine Schweinegrippenimpfung gegen die Flugasche? Der Impfstoff ist ja noch nicht weggekippt.

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    Sie haben ja so recht, diese "Informationen" erinnern stark an den investigativen Journalismus, den wir bzgl. der Schweinegrippenkatastrophe erleben durften. Hängt einem mittlerweile zum Halse raus.

    Sie haben ja so recht, diese "Informationen" erinnern stark an den investigativen Journalismus, den wir bzgl. der Schweinegrippenkatastrophe erleben durften. Hängt einem mittlerweile zum Halse raus.

  6. Für jedes 1/10 Gramm Salz auf diesen Brotscheiben gibt es eine Verordung/Beschluss/Kommision innerhalb einer Flugline.
    Aber für einen Vulkanausbruch gibt es nichts? Nur diese eine Messung?
    Da sag' mal webmäßig: OMG

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    • trueQ
    • 18.04.2010 um 16:42 Uhr

    Selbstverständlich gibt es einen Handlungsplan - und der sagt ganz klar: Sperrung des Luftraums.

    • trueQ
    • 18.04.2010 um 16:42 Uhr

    Selbstverständlich gibt es einen Handlungsplan - und der sagt ganz klar: Sperrung des Luftraums.

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