Die Deutsche Flugsicherung hat das Flugverbot auf zunächst 2 Uhr am Montagmorgen verlängert. Flughäfen wie Frankfurt oder Hannover, die heute teilweise in Betrieb waren, sollen von 20 Uhr am Sonntagabend bis 2 Uhr am Montagmorgen wieder geschlossen werden. Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld sollen voraussichtlich bis Sonntag, 22 Uhr betrieben werden, sagte eine Sprecherin. "Bis dahin reicht unsere Prognose." Hintergrund ist den Angaben zufolge, dass die Aschewolken sich wieder geschlossen hätten.

Die Deutsche Flugsicherung und der Deutsche Wetterdienst (DWD) wehrten sich gegen Kritik am Flugverbot. "Wir treffen keine Entscheidung", sagte ein Sprecher des DWD ZEIT ONLINE. Der Wetterdienst habe die Computerdaten über die Ausbreitung der Wolke vom Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London, das die Bewegungen von Vulkanasche-Wolken für die internationale Luftfahrt überwacht, bekommen und daraus eine Wettermeldung gemacht. Die Flugsicherung habe daraufhin ein Flugverbot ausgesprochen.

Bislang wurde jedoch, so räumt der DWD ein, noch keine genaue Messung vorgenommen, wie hoch die Konzentration von Asche in der Luft tatsächlich ist. Bislang fand lediglich eine indirekte Messung statt. Mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißberg bei München seien deutlich geringere Messwerte für Ozon festgestellt worden, das mit den Stoffen aus der Aschewolke reagiert habe, heißt es vom DWD. Das sei ein Beweis für die Existenz der Wolke in einer Höhe von drei bis sieben Kilometern.

Wie hoch und gefährlich die Konzentration ist, wurde dabei jedoch nicht festgestellt. Am Montag soll ein Flugzeug des Deutschen Luft und Raumfahrtzentrums (DLR) aufsteigen und genau Messungen vornehmen.  "Zum Einsatz kommt eine Falcon 20E, die gerade mit speziellen Messgeräten ausgerüstet wird", sagte der Berliner DLR-Sprecher Andreas Schütz. Deshalb gelte das Flugzeug als "Special Aircraft" und benötige besondere Genehmigungen. Diese hole das DLR beim Luftfahrtbundesamt ein. "Das wird noch bis Montag früh dauern."

Laut DWD ist Deutschland nur unzureichend auf einen solchen Vulkanausbruch vorbereitet. "Solche Messungen sind normalerweise völlig unnötig", sagte der Sprecher. Deshalb nehme die Vorbereitung auf einen solchen Flug so viel Zeit in Anspruch. Eine Sperrung hält jedoch auch er für notwendig: "Sicherheit geht über alles."

Die Lufthansa hatte zuvor Kritik am Flugverbot geübt. "Wir halten es für skandalös, dass die Verbote nur auf Grundlage einer einzigen Quelle verhängt werden", sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther. Die Airline, der wegen des Flugverbots massiv Umsatz entgeht, behalte sich Regressansprüche vor. "Wir behalten uns auch vor, die Frage zu stellen, wer haftet eigentlich, wer kommt für die Schäden auf?", sagte Walther.

Es sei zwar korrekt, dass der Luftraum anfangs ohne Messungen gesperrt worden sei, um Gefahren zu vermeiden. Aber danach hätten die Behörden sofort mit Tests und Messungen beginnen müssen, um das weitere Vorgehen zu untermauern, so Walther weiter. Außerdem hätten mehrere Informationsquellen genutzt werden müssen. Das sei aber seit Tagen nicht passiert, während der leere Himmel und das Chaos am Boden die Volkswirtschaft Milliarden kosteten, sagte Walther. Auch die Ergebnisse der Testflüge von Fluggesellschaft seien nicht herangezogen worden. Ähnlich äußerten sich auch der Chef von Air Berlin, Joachim Hunold und der Germanwings-Chef Thomas Winkelmann.

Die Lufthansa hofft, dass der Flugbetrieb noch am Sonntag wieder aufgenommen wird. "Wir hoffen, dass es ab 20 Uhr wieder losgeht", sagte Walther. Bis dahin ist der deutsche Luftraum nach jetzigem Stand gesperrt. Der Verbleib am Boden kostet die Fluggesellschaft eine Menge Geld. Die Einnahmeausfälle summierten sich auf mindestens 25 Millionen Euro am Tag, soviel hatte der Pilotenstreik vor einigen Wochen gekostet.

Auch die Flugsicherung verteidigte ihr bisheriges Vorgehen: "Solange wir ein Risiko nicht ausschließen können, wird gesperrt, sagte eine Sprecherin ZEIT ONLINE. "Wir müssen im deutschen Luftraum für optimale Sicherheit sorgen, sobald es daran nur den geringsten Zweifel gibt wird nicht geflogen." Die DFS schließt auch nicht aus, das bislang bis Montagabend 20 Uhr verhängte Flugverbot noch einmal zu verlängern: "Wir planen immer nur vorläufig", hieß es. Bislang gilt die Sperrung bis Sonntag 20 Uhr. Am späten Nachmittag soll auf einer weiteren Sitzung über eine mögliche Verlängerung beraten werden. In den vergangenen Tagen waren die Verbote mehrfach um jeweils sechs Stunden verlängert worden.