Nachhaltigkeit Nullrunde für Hotels

Die Hotelbranche wird grüner: In München entsteht das erste Null-Energie-Hotel, große Hotelketten werben mit CO2-Reduktionen. Reine Sparmaßnahme oder echtes Engagement?

Vorreiter aus Österreich: Das Hotel Stadthalle in Wien

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Grüner Tourismus ist ein stark wachsendes Segment - aber noch immer ein kleines

Grüner Tourismus ist ein stark wachsendes Segment - aber noch immer ein kleines

Es wäre das erste Hotel mit einer Null-Energie-Bilanz in Deutschland: Am Münchner Viktualienmarkt soll Anfang 2011 ein 4-Sterne-Hotel mit Apartments eröffnen, das seinen Energieverbrauch aus erneuerbaren Energien selbst decken soll.

"Unser Ziel ist eine Energiebilanz von Null am Ende des ersten Jahres", sagt Tim Düysen, Vertriebsleiter von Derag Hotels and Living, die 12 Häuser in Deutschland und Österreich unterhalten. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach, Sonnenkollektoren und eine Wärmepumpe sollen für Strom, Heizung, Kühlung und Warmwasser sorgen. Gleichzeitig wird der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert, durch eine hocheffiziente Wärmedämmung, dreifachverglaste Fenster und eine fortschrittliche Haustechnik – von LED-Lampen bis zu Steckkarten an der Zimmertür für ein intelligentes Energiemanagement.

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Die Betreiber haben jahrelang Verbrauchswerte beobachtet und wollen diese jetzt in allen Bereichen optimieren, damit am Ende eine Null unter der Energie-Bilanz steht – die verbrauchte Energie also die erzeugte nicht übersteigt. "Für uns ist dieses Projekt Neuland, wir wissen daher nicht, ob wir das Ziel zu 100 Prozent erreichen können", so Düysen. Derag lässt sich den Münchner Bau zwischen 20 und 30 Prozent mehr kosten als ein konventionelles 4-Sterne-Hotel. "Das ist eine bewusste Mehrinvestition, die sich langfristig durch die Energieeinsparungen rechnen wird."

Längst nicht alle Hotelbetreiber gehen das Thema Nachhaltigkeit so konsequent an, doch viele haben die Vorteile grüner Investitionen bereits erkannt. Schließlich sparen sie durch eine effiziente Bauweise und intelligente Technologien nicht nur Betriebskosten, sie verbessern auch ihr Image und sprechen neue Kundengruppen an.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) hat daher vor vier Jahren die Energiekampagne Gastgewerbe gestartet. Mittlerweile nehmen deutschlandweit mehr als 4850 Beherbergungsbetriebe und Gaststätten teil, bis 2011 sollen die jährlichen CO2-Emissionen im Gastgewerbe so um 100.000 Tonnen sinken. "Die meisten Hoteliers haben wenig Hintergrundwissen in diesem Bereich, wir geben ihnen konkrete Energiespartipps", sagt Birger Prüder von Adelphi Research, der die Infokampagne fachlich betreut. "Das fängt an bei ganz einfachen organisatorischen Maßnahmen, etwa das Personal für Energiekosten zu sensibilisieren oder Kartoffeln bei geschlossenem Deckel zu kochen."

Der nächste Schritt sind Investitionen in effizientere Geräte und Gebäudetechnik, etwa eine moderne Heizung oder Sonnenkollektoren. "Es ist gut, wenn Hotels ökologische Technologien nachrüsten, aber man muss genau hinschauen, ob daraus ein schlüssiges Gesamtkonzept wird", sagt Veit Bürger, Energie-Experte im Öko-Institut in Freiburg. "Wenn etwa der Strom- und Wärmebedarf über erneuerbare Energien gedeckt wird, das Gebäude aber nur unzureichend gedämmt ist, dann ist das nur begrenzt positiv zu sehen." Ein Hotel mit Fotovoltaikanlage auf dem Dach muss daher noch längst nicht ökologisch nachhaltig sein.

"Bei einem Neubau ist es viel einfacher, konsequent in eine ökologische Bauweise zu investieren", sagt Michaela Reitterer, die im November in Wien das 3-Sterne-Hotel Stadthalle eröffnet hat. Der Neubau des Hotels wurde im Passivhausstandard gebaut und verbraucht daher nur sehr wenig Heizenergie, das Stammhaus nebenan wurde nachträglich thermisch saniert. Eine 84 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage sorgt für Strom, eine Grundwasserwärmepumpe und Sonnenkollektoren für Warm- und Kaltwasser, das in Leitungen durch Böden und Decken gepumpt wird, um die Hotelzimmer zu temperieren.

Leser-Kommentare
  1. "Tagsüber wird überschüssiger Solarstrom ins Stromnetz eingespeist und nach Dunkelheit als Ökostrom zurück ins Haus geholt."

    so funktioniert kein Stromnetz. Eine Lebenslüge der erneuerbaren Energien.

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    • Lyaran
    • 02.06.2010 um 12:48 Uhr

    Obwohl ich die Aussage im Text auch als seltsam empfinde ist ihre Kritik, vor allem mit der Bezeichnung "Lebenslüge", doch sehr undifferenziert. Theoretisch ist es nämlich durchaus möglich auch nachts den Energiebedarf über regenerative Energiequellen zu decken. Wind weht auch nachts und auch Wasser hört nicht auf zu fließen wenn die Sonne nicht mehr scheint.
    Worauf sie hinaus wollten war wohl die mangelnde Speicherkapazität um den Tagsüber generierten Strom zu speichern und nachts abzurufen. Was allerdings im vollen Umfang auch keinen Sinn machen würde. Alleine die Benutzung des Begriffs Lebenslüge in diesem Zusammenhang lässt allerdings darauf schließen das bei ihnen eine Blockadehaltung vorherrscht.

    • Lyaran
    • 02.06.2010 um 12:48 Uhr

    Obwohl ich die Aussage im Text auch als seltsam empfinde ist ihre Kritik, vor allem mit der Bezeichnung "Lebenslüge", doch sehr undifferenziert. Theoretisch ist es nämlich durchaus möglich auch nachts den Energiebedarf über regenerative Energiequellen zu decken. Wind weht auch nachts und auch Wasser hört nicht auf zu fließen wenn die Sonne nicht mehr scheint.
    Worauf sie hinaus wollten war wohl die mangelnde Speicherkapazität um den Tagsüber generierten Strom zu speichern und nachts abzurufen. Was allerdings im vollen Umfang auch keinen Sinn machen würde. Alleine die Benutzung des Begriffs Lebenslüge in diesem Zusammenhang lässt allerdings darauf schließen das bei ihnen eine Blockadehaltung vorherrscht.

    • Lyaran
    • 02.06.2010 um 12:48 Uhr

    Obwohl ich die Aussage im Text auch als seltsam empfinde ist ihre Kritik, vor allem mit der Bezeichnung "Lebenslüge", doch sehr undifferenziert. Theoretisch ist es nämlich durchaus möglich auch nachts den Energiebedarf über regenerative Energiequellen zu decken. Wind weht auch nachts und auch Wasser hört nicht auf zu fließen wenn die Sonne nicht mehr scheint.
    Worauf sie hinaus wollten war wohl die mangelnde Speicherkapazität um den Tagsüber generierten Strom zu speichern und nachts abzurufen. Was allerdings im vollen Umfang auch keinen Sinn machen würde. Alleine die Benutzung des Begriffs Lebenslüge in diesem Zusammenhang lässt allerdings darauf schließen das bei ihnen eine Blockadehaltung vorherrscht.

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