Port Elizabeth Tour durch die TownshipsSeite 2/2
© Christian Selz

Tourguide Lulama Stout (rechts) mit seinem Kollegen Thobani Noqoli
Die kulturelle Lehrstunde, die Stout für seine Gäste parat hat, geht aber noch weiter. Er erklärt die Bedeutung der iGxanti , jener mit Kuh-, Ziegen- und Buschbock-Hörnern bestückten Holzpfosten die vor beinahe jedem Haus im Township stehen und böse Geister auf Abstand halten sollen und schaut, wann immer möglich, bei traditionellen Festen seiner Nachbarn vorbei, um die Besucher von dem dickflüssigen Maisbier probieren zu lassen, dass die Xhosa zu solchen Anlässen selbst brauen. "Wir wollen, dass die Leute tatsächlich ein Gefühl für das Township bekommen. Sie sollen die Freundlichkeit und Offenheit unserer Leute erleben und unsere Kultur kennen lernen."
Mit seinem Freund Thobani Noqoli hat er Abafetu Tours gegründet. "Gute Freunde" sind Abafetu auf Xhosa und so wollen die beiden auch rüberkommen. Doch besonders viel Kundschaft gibt es nicht, es mangelt am Marketing und so arbeitet Stout unter der Woche beim Straßenbau. Wenn er Gäste hat, nimmt er sich frei. Wichtig ist ihm dabei, immer zu Fuß unterwegs zu sein und die Touristen nicht wie viele andere Tour-Anbieter mit dem Bus durch das Township zu karren.
"Hinter den Scheiben fühlt man den Vibe des Townships nicht", sagt er. "Wir wollen den Geist des uBuntu , der Mitmenschlichkeit, fördern und dazu braucht es Respekt füreinander." Dann, meint Stout, gebe es auch keine Abneigung der Township-Bewohner gegen die Touristen. Im Gegenteil: "Es ist ein gutes Gefühl, Menschen mit anderer Hautfarbe hier herumlaufen zu sehen, die Leute sagen dann, dass wir ein demokratisches Land und die Menschen wieder vereint sind."
Ganz ähnlich sieht es auch Nomabaso Bedeshe, Kuratorin des mehrfach preisgekrönten Red Location Museums , das das Erbe des Kampfes gegen die Apartheid ganz bewusst in New Brighton, einem der ältesten Townships von Port Elizabeth aufrechterhält. "Zum einen bringen die Touristen den Geschäften und Imbissen hier Umsatz und dann lernen sie auch noch unsere Kultur kennen – sie kosten, was wir Schwarzen essen und sie erleben unseren Alltag und wie wir es schaffen, von Hütten in Häuser zu ziehen."
Das schafft Verständnis. Doch wer das Township verstehen will, muss auch eine der zahllosen Kneipen besuchen. Zum Ende des Rundgangs nimmt Stout seine Gruppe daher noch auf ein Bier mit zu Z’s, einer der etwas sortierteren Tavernen. Eine Mischung aus Pop und Jazz knarzt hier aus altersschwachen Lautsprechern, je nachdem wonach es demjenigen beliebt, der die Jukebox mit umgerechnet zehn Cent füttert. Das Bier kommt in Dreiviertel-Liter-Flaschen und die fast reine Männerrunde löchert die
uMlungus
mit Fragen zu deren Herkunft. Auch ein Spiel am schrägen Billardtisch ist noch drin. Die Touristen werden hier selbst zur Attraktion und sind doch irgendwie Teil der Runde. Manche weiße Südafrikaner sollten auch mal eine Township-Tour mitmachen, sagt einer der deutschen Gäste. Es würde der Verständigung sicherlich nützen.
- Datum 20.06.2010 - 19:08 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ratschläge a la "Manche weiße Südafrikaner sollten auch mal eine Township-Tour mitmachen, sagt einer der deutschen Gäste." zu geben?
Da glaubt wohl jemand ziemlich kritikfrei die hübschen Geschichten im Umfeld der Fussball WM von rainbow-nation usw. usf..
Nun ja, wer da fröhlich-frisch zum "mal eben durch townships Spazieren" anregt, der glaubt vieles.
Und das allein, weil man zu Fuß hindurch spaziert, eine "authentische" Kneipe besucht und sich von ein paar Einheimischen freundlich behandelt fühlt, für die man Geldquelle und eventueller Imageaufpolierer ist? Nein, echtes Verstehen der Lebenswelt anderer ist wohl doch etwas schwieriger und aufwänder.
Mal ehrlich, Touristen bleiben Touristen. Daran mindert moralisches Distinguieren, weil man ja angeblich "genauer hinguckt" als diejenigen, die sich wie im Zoo nur die Nase an der Glasscheibe plattdrücken, während sie bequem und sicher per Omnibus durchs Township kutschiert werden, an der moralischen Widerlichkeit, dass Armut und Elend sich exponieren müssen, um überwunden werden zu können, gar nichts. Und darüber hinaus ist es ziemlich abstoßend, dass jemand sich einbildet, es besser gemacht zu haben, weil er "auf der Straße" war und den unglaublichen Mut hatte, einem Fremdenführer für die vom Schicksal der Armen so wirklich und richtig Bewegten beim Erzählen der Geschichte zuzuhören, die er für den Touristentyp dieses Schlages wahrscheinlich schon tausend Mal erzählt hat.
Menschen die als Touristen dorthin reisen sollte dort eigentlich ein Licht dahingehend aufgehen das dieses Elend nichts, aber auch gar nichts mit der Hautfarbe der Menschen dort zu hat - das war damals und ist es heute weiterhin - es ist der Kapitalimus pur der diese Lebenssituation für diese Millionen Menschen auch dort produziert!
Die jahrzehntelange Haft von Nelson Mandela und seiner Leidensgenossen hat nichts in Bewegung gebracht - und fast zwanzig Jahre nach dem unsäglichen Apartheid-System haben sich die Zustände nur minimal zum besseren geändert.
Die Kapitalistische Globalisierung zementiert gewollt die Zustände in Afrika, denn den Profit daraus ziehen nicht die Einheimischen - schon gar nicht die Farbigen dort.
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