New YorkPsst, nicht weitersagen!

Versteckte Plätze, geheime Telefonnummern und Einlass nur mit Code: die Hinterzimmer-Bars der Zwanziger Jahre feiern in New York ein Comeback. von Katharina Finke

Flüsterkneipen sind der neue, alte Trend im New Yorker Nachtleben

Flüsterkneipen sind der neue, alte Trend im New Yorker Nachtleben  |  © Katharina Finke

Eine übergroße Plastikwurst mit Senf schmückt den Hot-Dog-Laden. Aus dem grell beleuchteten Geschäft strömt Wurstgeruch. Innen drängeln sich die Imbissbesucher an schmalen Stehtischen und kauen auf ihren Wurstbrötchen. Die Atmosphäre ist nicht gerade das, was man von einer erstklassigen Cocktailbar in New York erwartet.

Doch diese Art Täuschungsmanöver sind es, die den Erfolg der sogenannten Prohibition-Chic-Bars ausmachen. Ihr Prinzip: Möglichst geheimnisvoll sein. Deswegen sind sie von außen nicht zu erkennen und der Weg hinein ist ein Mysterium für sich. Oft gelangt man nur durch private Räume, Restaurants oder eben Hot-Dog-Läden in die Bars selbst.

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So wie hier im Please Don’t Tell (PDT) am St. Marks Place im East Village, im Osten Manhattans. Das erste Zeichen für die Prohibition-Chic-Bar ist ein ungewöhnlicher Einrichtungsgegenstand im Hot-Dog-Laden: Eine sehr schmale hölzerne Telefonkabine mit einer Klingel. Wenn man sich in die Zelle hineingezwängt hat, drückt man den kleinen Knopf, ein Signal ertönt und eine Stimme fragt nach dem Reservierungscode.

Brooklyn/New York

Hideout: 266 Adelphi St, Fort Greene, NY 11205, New York, Tel: (718) 855-3010

Hotel Delmano: 82 Berry St, Williamsburg, NY 11211 New York, Tel: (718) 387-194


Manhattan

Please Don’ Tell: 13 St. Marks Pl, East Village, NY 10009, New York, Tel: (212) 614-0386

Milk & Honey: 134 Eldridge St, Lower East Side, NY 10079, New York, Tel: (212) 625-339

Little Branch: 22 7th Avenue St, West Village, NY 10014, New York, Tel: (212) 929-4360

Smith & Mills: 71 N Moore St, Tribeca, NY 10113, New York, Tel: (212) 226-2515

Back Room: 102 Norfolk St, Lower East Side, NY 10002, New York, Tel: (212) 228-5098

Raines Law Room: 48 W 17th St, Flatiron, NY 10011, New York,

Death & Company: 433 E 6th St, East Village, NY 10009, New York, Tel: (212) 388-0882

Angel’s Share: 8 Stuyvesant St, East Village, NY 10003, New York, Tel: (212) 777-5415

Elsa: 217 E 3rd St, East Village, NY 10009, New York, Tel: (917) 882-7395

Kalifornien

Bourbon & Branch: 501 Jones Street, CL 94102, San Fransisco, Tel: (415) 931-7292

The Varnish: 118 E Sixth St, CA 90014, Los Angeles,
Tel: (213) 622-9999

Illinois

The Violet Hour: 1520 N Damen Ave, IL 60622, Chicago, Tel: (773) 252-1500
 

Ohio

Speakeasy: 1948 W. 25th St, OH 44113, Cleveland,
Tel: (216) 274-1010
 

Den bekommt man nur, wenn man vorher telefonisch reserviert. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn die Prohibition-Chic-Bars stehen weder in Reiseführern, noch im Telefonbuch. Die Kontaktdaten sind geheim. Einzige Chance: Man kennt jemanden, der die Telefonnummer hat. Dann wird angerufen. Bei einigen muss man eine Nachricht hinterlassen, um zurückgerufen zu werden – auch wenn das nur bei den wenigsten passiert. Bei anderen ruft man zu vorgegeben Zeiten an. Die Leitung für das PDT öffnet täglich um drei Uhr nachmittags. In der ersten halben Stunde ist eigentlich durchgehend besetzt und danach sind oft alle Reservierungen vergeben.

Wenn man es aber doch schafft, öffnet einem der Reservierungscode die Tür zur anderen Seite der Telefonkabine: einer dunklen Oase, dem PDT. Es ist dezent beleuchtet, mit schwarzem Interior ausgestattet und die Gäste sitzen in schwarzen Ledersofa-Sitzecken und trinken Cocktails. An den rotbraunen Klinkerwänden hängen ausgestopfte Tiere. Hinter dem Tresen stehen zwei Barkeeper, gekleidet in ein weißes Oberhemd, graue Stoffhose, passender Weste, Hosenträger und Fliege. Ihr Dresscode soll an die Zeit erinnern, in der die ersten geheimen Bars entstanden sind: 1920.

Es war die Zeit der Prohibition (1919-1939), in der Verkauf, Herstellung und Transport von Alkohol in den USA verboten waren. Dadurch sollte der Spirituosenkonsum und die Kriminalität reduziert werden – oft verdiente die Mafia am Ausschank mit. Im ersten Jahr gab es sehr strenge Kontrollen. Doch die Maßnahmen wurden nur halbherzig umgesetzt und die Polizei griff nicht hart genug durch, um das Verbot wirklich durchzusetzen. So entstanden die geheimen Flüsterkneipen, in denen illegal Alkohol ausgeschenkt wurde, die sogenannten Speakeasys .

Eigentlich reichten für die Eröffnung eines Speakeasys zwei Stühle und eine Flasche mit hochprozentigem Inhalt. In der Regel waren es aber getarnte Lokalitäten in Kellern, hinter falschen Wänden oder Regalen. Der Geheimhaltung wegen wurden Gespräche im Flüsterton geführt. Daher auch der Name. Man rückte enger zusammen. Frauen waren eher seltene Gäste – wenn sich denn eine an die Bar verirrte, war sie mit ziemlicher Sicherheit die schönste des Abends. Entsprechend wurde sie hofiert. 

Leserkommentare
    • carol
    • 30. Juni 2010 22:47 Uhr

    was soll denn das?

    menschen die da hingehen wollen nicht party machen, sondern das gefühl haben einer elitären gruppe anzugehören.

    und ich weiss auch wie das da abläuft: rumsitzen und glotzen. aber bloss nicht peinlich tanzen oder ausfallend sein. ;)

  1. Bei wem genau muss man denn im NY Nachtleben punkten? Bei den anderen " Ach, wir sind ja so anders als alle anderen, da wir durch eine Telefonzelle in eine geheime Bar gehen" ? Noch geheimer ist es nur noch sich mit Freunden zu Hause zu treffen, obwohl damit natürlich keine Punkte drin sind. Schade.

  2. Bei dem Ueberangebot an Bars und Clubs in New York sind solche Ideen einfach notwendig um sich abzusetzen und Kunden anzulocken. Das finde ich aber nicht verwerflich, sondern normales Geschaeftsdenken und fuer die Kunden hoechst amuesant. Das PDT ist naemlich eine wirklich gute Bar und viele andere mit aehnlichen Ideen ebenso (Backroom zum Beispiel macht komplett auf Prohibition und Drinks gibts bloss aus Tassen oder das Bier mit Papiertuete drum rum und die Einrichten versprueht ein tolles Flair; um ins Restaurant La Esquina zu kommen muss man erst durch 2 Kellerraeume und die Kueche laufen; usw). Das ist ab und zu wirklich lustig, extrem lecker und halt mal wirklich was anderes. Ein bisschen Entdecker- und Abenteuer-Stimmung kommt auch noch auf und hat absolut nichts mit elitaer zu tun.
    Insgesamt finde ich also diese Strategie, sich durch kreative, witzige und billige (fuer New York zumindest) Ideen abzusetzen deutlich besser als die ueberteuerten Schicki-Micki-Clubs im Meatpacking mit mindestens einer Stunde Wartezeit, 20 Dollar fuer ein Glas Wasser und Null Stimmung weil alle zu cool zum Feiern sind.
    Das PDT ist eine Perle im New Yorker Nachtleben und jeder Besucher sollte es mal versuchen wenn er da ist (man kann naemlich auch ohne Reservation hingehen, hat auch mal Glueck wenn man nicht zur Stosszeit kommt und wenn doch nicht dann ist die naechste gute Bar 5 Meter entfernt).

  3. Ist diese neue Sorte Bar, mit einem Augenzwinkern betrachtet, Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach staatlichen Verboten?

    Gegenfrage @ #1 und #2. Mag sein das man in dieser BAr eine Klientel trifft, welche einem bestimmten Muster folgt. Doch auch diese Menschen machen bei aller Uniformität innerhalb ihrer Gruppe die Welt bunter. Und auch die Bar tut das. Also machen lassen und Tolerant bleiben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • carol
    • 03. Juli 2010 10:51 Uhr

    sie denken in quantität und da mag das mit dem bunter hinhauen. jedoch will man ausgrenzen und abgehoben tun. Prohibition ist schon lange vorbei und nicht jeder kommt hinein.

    meiner erfahrung nach, haben die bars und parties meine welt bereichert die offen und authentisch waren.

    • carol
    • 03. Juli 2010 10:51 Uhr

    sie denken in quantität und da mag das mit dem bunter hinhauen. jedoch will man ausgrenzen und abgehoben tun. Prohibition ist schon lange vorbei und nicht jeder kommt hinein.

    meiner erfahrung nach, haben die bars und parties meine welt bereichert die offen und authentisch waren.

  4. Heutzutage, wo fast jeder sich auf der Internetseite wiederfindet, sei es bei Google, Facebook u.s.w, ist die Flucht z.B. in Bars oder "Speakeasys" der Ausdruck eines Wunsches nach Anonymitaet. Es ist durchaus eine Scheinwelt, denn die 20er Jahre sind unwiederbringlich vorbei, aber man will wenigstens versuchen, wenn auch fuer eine kurze Zeit, in eine andere, ferner Gegend einzutauchen. Ist es nicht immer so gewesen, dass der Mensch versucht von einer Umwelt zu fliehen, die er selbst geschaffen hat?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Alkohol | Getränk | Nachtleben | USA | New York
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