New York : Psst, nicht weitersagen!

Versteckte Plätze, geheime Telefonnummern und Einlass nur mit Code: die Hinterzimmer-Bars der Zwanziger Jahre feiern in New York ein Comeback.
Flüsterkneipen sind der neue, alte Trend im New Yorker Nachtleben © Katharina Finke

Eine übergroße Plastikwurst mit Senf schmückt den Hot-Dog-Laden. Aus dem grell beleuchteten Geschäft strömt Wurstgeruch. Innen drängeln sich die Imbissbesucher an schmalen Stehtischen und kauen auf ihren Wurstbrötchen. Die Atmosphäre ist nicht gerade das, was man von einer erstklassigen Cocktailbar in New York erwartet.

Doch diese Art Täuschungsmanöver sind es, die den Erfolg der sogenannten Prohibition-Chic-Bars ausmachen. Ihr Prinzip: Möglichst geheimnisvoll sein. Deswegen sind sie von außen nicht zu erkennen und der Weg hinein ist ein Mysterium für sich. Oft gelangt man nur durch private Räume, Restaurants oder eben Hot-Dog-Läden in die Bars selbst.

So wie hier im Please Don’t Tell (PDT) am St. Marks Place im East Village, im Osten Manhattans. Das erste Zeichen für die Prohibition-Chic-Bar ist ein ungewöhnlicher Einrichtungsgegenstand im Hot-Dog-Laden: Eine sehr schmale hölzerne Telefonkabine mit einer Klingel. Wenn man sich in die Zelle hineingezwängt hat, drückt man den kleinen Knopf, ein Signal ertönt und eine Stimme fragt nach dem Reservierungscode.

Den bekommt man nur, wenn man vorher telefonisch reserviert. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn die Prohibition-Chic-Bars stehen weder in Reiseführern, noch im Telefonbuch. Die Kontaktdaten sind geheim. Einzige Chance: Man kennt jemanden, der die Telefonnummer hat. Dann wird angerufen. Bei einigen muss man eine Nachricht hinterlassen, um zurückgerufen zu werden – auch wenn das nur bei den wenigsten passiert. Bei anderen ruft man zu vorgegeben Zeiten an. Die Leitung für das PDT öffnet täglich um drei Uhr nachmittags. In der ersten halben Stunde ist eigentlich durchgehend besetzt und danach sind oft alle Reservierungen vergeben.

Wenn man es aber doch schafft, öffnet einem der Reservierungscode die Tür zur anderen Seite der Telefonkabine: einer dunklen Oase, dem PDT. Es ist dezent beleuchtet, mit schwarzem Interior ausgestattet und die Gäste sitzen in schwarzen Ledersofa-Sitzecken und trinken Cocktails. An den rotbraunen Klinkerwänden hängen ausgestopfte Tiere. Hinter dem Tresen stehen zwei Barkeeper, gekleidet in ein weißes Oberhemd, graue Stoffhose, passender Weste, Hosenträger und Fliege. Ihr Dresscode soll an die Zeit erinnern, in der die ersten geheimen Bars entstanden sind: 1920.

Es war die Zeit der Prohibition (1919-1939), in der Verkauf, Herstellung und Transport von Alkohol in den USA verboten waren. Dadurch sollte der Spirituosenkonsum und die Kriminalität reduziert werden – oft verdiente die Mafia am Ausschank mit. Im ersten Jahr gab es sehr strenge Kontrollen. Doch die Maßnahmen wurden nur halbherzig umgesetzt und die Polizei griff nicht hart genug durch, um das Verbot wirklich durchzusetzen. So entstanden die geheimen Flüsterkneipen, in denen illegal Alkohol ausgeschenkt wurde, die sogenannten Speakeasys .

Eigentlich reichten für die Eröffnung eines Speakeasys zwei Stühle und eine Flasche mit hochprozentigem Inhalt. In der Regel waren es aber getarnte Lokalitäten in Kellern, hinter falschen Wänden oder Regalen. Der Geheimhaltung wegen wurden Gespräche im Flüsterton geführt. Daher auch der Name. Man rückte enger zusammen. Frauen waren eher seltene Gäste – wenn sich denn eine an die Bar verirrte, war sie mit ziemlicher Sicherheit die schönste des Abends. Entsprechend wurde sie hofiert. 

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

So so, da schau her

Bei wem genau muss man denn im NY Nachtleben punkten? Bei den anderen " Ach, wir sind ja so anders als alle anderen, da wir durch eine Telefonzelle in eine geheime Bar gehen" ? Noch geheimer ist es nur noch sich mit Freunden zu Hause zu treffen, obwohl damit natürlich keine Punkte drin sind. Schade.

Gute Idee, gute Bar

Bei dem Ueberangebot an Bars und Clubs in New York sind solche Ideen einfach notwendig um sich abzusetzen und Kunden anzulocken. Das finde ich aber nicht verwerflich, sondern normales Geschaeftsdenken und fuer die Kunden hoechst amuesant. Das PDT ist naemlich eine wirklich gute Bar und viele andere mit aehnlichen Ideen ebenso (Backroom zum Beispiel macht komplett auf Prohibition und Drinks gibts bloss aus Tassen oder das Bier mit Papiertuete drum rum und die Einrichten versprueht ein tolles Flair; um ins Restaurant La Esquina zu kommen muss man erst durch 2 Kellerraeume und die Kueche laufen; usw). Das ist ab und zu wirklich lustig, extrem lecker und halt mal wirklich was anderes. Ein bisschen Entdecker- und Abenteuer-Stimmung kommt auch noch auf und hat absolut nichts mit elitaer zu tun.
Insgesamt finde ich also diese Strategie, sich durch kreative, witzige und billige (fuer New York zumindest) Ideen abzusetzen deutlich besser als die ueberteuerten Schicki-Micki-Clubs im Meatpacking mit mindestens einer Stunde Wartezeit, 20 Dollar fuer ein Glas Wasser und Null Stimmung weil alle zu cool zum Feiern sind.
Das PDT ist eine Perle im New Yorker Nachtleben und jeder Besucher sollte es mal versuchen wenn er da ist (man kann naemlich auch ohne Reservation hingehen, hat auch mal Glueck wenn man nicht zur Stosszeit kommt und wenn doch nicht dann ist die naechste gute Bar 5 Meter entfernt).

Was sagt diese neue Bar aus?

Ist diese neue Sorte Bar, mit einem Augenzwinkern betrachtet, Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach staatlichen Verboten?

Gegenfrage @ #1 und #2. Mag sein das man in dieser BAr eine Klientel trifft, welche einem bestimmten Muster folgt. Doch auch diese Menschen machen bei aller Uniformität innerhalb ihrer Gruppe die Welt bunter. Und auch die Bar tut das. Also machen lassen und Tolerant bleiben.