Wüstenhotel Palast der Fata MorganaSeite 2/2
© Qasr al Sarab

In der Lobby des Qasr als Sarab
General Manager des Hotels ist der weit herumgekommene Franzose Didier Tourneboeuf. Auch Küchendirektor Eric Martinet und Nicolas Herbault, der Chef des Dachgartenrestaurants Suhail, stammen aus Frankreich – dennoch ist es verblüffend, mit welchen Produkten sie hier jonglieren dürfen. Langustinen und Jacobsmuscheln kommen direkt aus Guilvinec in der Bretagne, und sie schmecken, als läge das um die Ecke. Es werden Wagyu-Rind und geangelte Seebarsche verarbeitet, sogar die Desserts verblüffen – allenfalls könnte man einen deutlicheren arabischer Einfluss vermissen, der aber in den anderen, einfacheren Restaurants des Hauses geboten wird. Die prätentiösen, mit großen Namen protzenden Hotelküchen von Abu Dhabi und Dubai können jedenfalls nicht mithalten.
Wer hier die Wüstenstille genießen will, der hat jedoch ein Problem: Das auf dem Gelände allgegenwärtige Wassergeplätscher übertönt sie. Ausweg könnte ein Ausflug in die Umgebung sein. Dort ist: nichts. Und das macht ihren Reiz aus. Das Hotel hält eine Flotte von vierradgetriebenen Fahrzeugen bereit, in denen die jungen Fahrer jeden Stil zwischen Familienausflug und Wüstenrallye anbieten. "Toyota hat die Entwickler aktueller Allrad-Modelle hergeschickt", berichtet der coole Wassim, "und wir haben ihnen ein paar Tricks gezeigt." Das klingt glaubhaft, denn so souverän wie er können nur Profis die steilen Dünenhänge hinunterdriften. Wer aussteigt, der merkt: Ob er in einem Haufen versinkt oder nach wenigen Millimetern von hartem Boden gebremst wird, ist praktisch nicht zu erkennen, das macht das Fahren nicht einfacher.
Am Ziel irgendwo im Nichts angekommen, verwandelt sich Wassim in einen höflichen Oberkellner und packt einen üppig beladenen Picknickkorb aus, in dem nichts fehlt. Wein? Champagner? Auch das ist kein Problem, nur muss der Gast, wir sind in Arabien, selbst Hand anlegen, um die gut gekühlte Flasche zu öffnen und einzuschenken. Pünktlich gegen sechs plumpst die Wüstensonne in den Sand, das magische Licht verlischt und die Stille wirkt noch etwas stiller – sieht man davon ab, dass Wassim nicht der einzige Fahrer ist, der hier draußen den Hotelgästen die Wüste zeigt.
Nach einer solchen Tour wirkt das Hotelareal im Dunkel umso einladender. Die Sicherheitsleute bleiben diskret im Schatten, Golfkarren huschen mit Gästen und Gepäck zwischen Villas und Empfang hin und her. Man ist der Gnade des Hotels und seiner Preislisten ausgeliefert ... Qasr al Sarab heißt übrigens angeblich so viel wie "Palast der Fata Morgana". Da ist der Begriff dann doch noch einmal. Wäre schade gewesen, ganz auf ihn zu verzichten.
Erschienen im gedruckten Tagesspiegel.
- Datum 16.06.2010 - 12:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Der Plural von "Villa" ist "Villen" und nicht "Villas", ansonsten ein schöner Text nur erschließt sich mir die Nützlichkeit eines solchen Hotels nicht. Aber das ist bei Luxus oft wohl nicht die Frage.
denke ich auch. für superreiche von superreichen.
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