Sommerurlaub "Für die Reisebranche wäre es das beste, wenn Deutschland rausfliegt"

WM, Krise, Streiks – alles Faktoren, die Auswirkungen auf das Reiseverhalten haben. Und damit auf die Preise, sagt Tourismusexperte Adrian von Dörnberg im Interview.

Schöne Aussichten: Urlaub auf Balkonien erlebt eine Renaissance

Schöne Aussichten: Urlaub auf Balkonien erlebt eine Renaissance

ZEIT ONLINE: Herr von Dörnberg, der Euro schwächelt, der Dollar ist stark. Was bedeutet das für den Tourismus-Sommer 2010?

Adrian von Dörnberg: Ich sehe zwei Entwicklungen, die das Reiseverhalten beeinflussen werden. Der starke Dollar wird Urlaub in vielerlei Hinsicht teurer machen. Das fängt bei Reisen in die USA an und hört bei Regionen wie der Karibik, die sich am Dollarkurs orientieren, längst nicht auf. Der Dollar beeinflusst zum Beispiel auch den Preis für Kerosin. Das treibt die Kosten für Flüge nach oben. Außerdem werden Flugzeuge in Dollar gekauft. Die Fluggesellschaften werden diese zusätzlichen Ausgaben an ihre Kunden weitergeben.

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ZEIT ONLINE: Worauf müssen sich Urlauber noch einstellen?

Dörnberg: Ein fallender Euro-Kurs verunsichert die Menschen. Viele können die Nachrichten über die Währungskrise nicht einordnen, fürchten sofort um ihre Ersparnisse. Das wird zu einem Rückgang der Buchungen führen.

ZEIT ONLINE: Wird Balkonien diesen Sommer eine Renaissance erleben?

Dörnberg: Die Nachrichtenlage ist für die Tourismusbranche tatsächlich schwierig. Denn letztlich ist nicht die Realität entscheidend, sondern die Wahrnehmung des Kunden. Im Süden Europas drohen Streikwellen, in Kingston auf Jamaika werden Bandenkriege ausgefochten, Thailand hat sich vom Schock der Unruhen noch nicht erholt. Der Tourismus ist dort eingebrochen – um ganze 40 Prozent. Reisen ist eben etwas sehr Emotionales. Balkonien verspricht Sicherheit, null Risiko. Besonders für Familien, die ja noch viel stärker von zeitlichen und finanziellen Faktoren abhängig sind als Singles, spielt das eine große Rolle.

ZEIT ONLINE : Wie kritisch ist die Lage in den angesprochenen Zielen für Touristen denn wirklich?

Dörnberg: Meist nicht so kritisch, wie es sich in den Medien darstellt. Florida ist aktuell so ein Fall. Durch die Ölpest im Golf von Mexiko haben viele Reisende plötzlich Angst, die gesamte Küste Floridas sei betroffen. Ist sie aber nicht. Die Reisenden fahren trotzdem lieber woanders hin.

ZEIT ONLINE: Und was ist mit den von den Gewerkschaftsführern angekündigten Generalstreiks in Griechenland, Spanien und Portugal?

Dörnberg: Die können tatsächlich zu einem Problem werden, wenn zum Beispiel Museen nicht mehr geöffnet sind, Busse nicht mehr fahren oder der Transfer von und zum Flughafen nicht mehr gewährleistet wird. Das kann das Urlaubsvergnügen schon erheblich einschränken.

ZEIT ONLINE: Also sollte man den gebuchten Urlaub vorsichtshalber stornieren?

Dörnberg: Streiks fallen unter höhere Gewalt und sind kein zulässiger Grund, um von einer Reise zurückzutreten. Man kann das tun. Die Kosten trägt dafür dann aber jeder selbst.

ZEIT ONLINE: Im Süden Europas werden nun auch noch die Mietwagen knapp ...

Dörnberg: Daran ist die Wirtschaftskrise schuld. Dieses Problem betrifft aber vor allem Spanien und Frankreich. Wenn man dort einen Mietwagen haben möchte, muss man in diesem Jahr wirklich rechtzeitig reservieren.

Leser-Kommentare
    • TDU
    • 04.06.2010 um 10:31 Uhr

    Schon interessant, was man an Negativem erwarten muss, damit die Erwartungen erfüllt werden. Im Sinne der freien Denkungsart und der Vollständigkeit halber sollte man mal die Geschäfterwartungen der Bestattungsbranche dokumentieren. Da wird das Negative vermutlich auch zum Positiven.

    Beim Aufmarsch der Gegner im Western gerne dargestellt durch intensive Sägegetöne im Hintergrund. So long.

    • 2eco
    • 04.06.2010 um 10:50 Uhr

    Der Artikel ist durchaus interessant, aber die Überschrift ist definitiv nicht passend. Hauptsache möglichst viele Klicks generieren, auch wenn der Großteil des Artikels nichts damit zu tun hat - das Thema in der Überschrift ist dabei die banalste Textstelle.

    Als würden viel mehr Leute verreisen wenn Deutschland früh ausscheidet. Das ist vielleicht eine Abweichung im Promille-Bereich.
    Es handelt sich um eine WELT-Meisterschaft und wird daher weltweit ausgestrahlt.

    Da schaue ich das Länderspiel doch lieber auf Hawaii, in der Hängematte liegen und einem Cocktail in der Hand, als in der stinkenden Kneipe um die Ecke.

  1. Das ist wohl wahr, ansonsten wäre der Artikel vermutlich untergegangen. Aber seis drum, war dennoch recht informativ der Artikel.

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