Reisen mit Kind Syrien im Schnelldurchlauf

Mit dem Baby in den Orient reisen – geht das? Die Autorin Inka Schmeling hat es ausprobiert. Eine Tour mit Mann, Kind und Mietwagen durch Syrien.

Von Aleppo bis nach Palmyra - ohne das Kind zu wecken

Von Aleppo bis nach Palmyra - ohne das Kind zu wecken

Schon in den ersten Tagen in Syrien sind wir einer heißen Story auf der Spur: George W. Bush muss hier irgendwann einmal Taxi gefahren sein. Anders kann er gar nicht auf diesen genialen Einfall gekommen sein, Syrien zu den Schurkenstaaten zu zählen.

In jedem Reiseführer über Syrien dudeln die Autoren vor sich hin, wie sicher, gastfreundlich, kinderlieb und überhaupt außerordentlich reizend der Syrer an sich sei, aber kaum sitzt man hier im Taxi, merkt man plötzlich voller Erstaunen: Bush hatte recht. So dumm war der Kerl gar nicht. Genauso ist es: Syrien ist ein Schurkenstaat.

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Selbst ein iranisches Ehepaar, das wir in Syrien kennenlernen, schimpft über die Schurken hier, und die Iraner müssen es nun wirklich wissen. Laut Bush gehören sie ja selbst zur Achse des Bösen.

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Leider ist der erste Mensch, den wir nach der Grenze in Syrien kennenlernen, ausgerechnet ein Taxifahrer. Das ist sehr schade für die Beziehung zwischen uns und Syrien. Wir brauchen einige Tage, um festzustellen, dass die Syrer zumindest außerhalb der Taxen tatsächlich gastfreundlich, kinderlieb und reizend sind. Aber das Erste, was wir nach dem herzlichen " Welcome to Syria !" der Grenzbeamten hören, ist nun einmal: " Money !", und dann: " 50 Dollars per person! "

Es geht um das letzte Stück unserer Orientexpress-Fahrt. Von kurz hinter der Grenze bis nach Aleppo. Es geht um ungefähr 30 Kilometer und einen Fahrpreis, für den man sich hier in Syrien 100 Falafel kaufen könnte. Pro Person wie gesagt. Es braucht einiges von uns und den anderen fünf Touristen (seltsamerweise wurden nach der Grenze nur die Touristen aus dem Bus in den Minibus umgesetzt ...) an Kopfschütteln, " No ", Gepäck wieder ausladen, stur auf der Straße stehen und in die Einöde starren, als kämen hier alle paar Minuten Taxen vorbei. Irgendwann sind wir bei dem Preis von zehn Falafeln pro Person, und noch später sind wir dann auch wirklich in Aleppo .

In Aleppo nehmen wir uns sofort einen Mietwagen. Reserviert haben wir den Wagen schon von Deutschland aus, und das war eine kluge Idee. Wir haben nämlich nicht nur einen Wagen reserviert, sondern auch den Kindersitz in Syrien. Ja, genau. Ich meine nicht: einen Kindersitz. So als gäbe es davon einen Haufen in diesem Land. Als würden syrische Familien auf den Gedanken kommen, ihre Kinder anzuschnallen, und das auch noch in einem eigenen Sitz. Nein, ich meine wirklich: Den einen Kindersitz in Syrien, den haben wir. "Sind Sie die mit dem Kindersitz?", fragt der Schaltermann der Autovermietung, als wir kommen und den Wagen abholen.

"Ist das schön", sage ich, als wir losfahren. Draußen blühen die Blumen und Büsche und dazwischen sitzen Familien auf Picknickdecken und grillen; die Kurden feiern hier im Norden Syriens an diesem Tag ihr Frühjahrsfest. Nepomuk schläft in seinem Kindersitz. Durch die Fenster weht der Geruch von gegrillten Hammelbeinen ins Auto, aus dem Radio dudeln orientalische Schlager, wir schauen, hören, riechen, reden, und alles fühlt sich so herrlich nach Urlaub an.

"Geht es nicht etwas schneller?", drängele ich, als wir gegen Abend zurück ins Hotel fahren. Die Kurdenfamilien sind da längst heimgegangen, Nepomuk ist wach und er stellt die berühmteste aller Kinderfragen: Wann sind wir endlich da? Da er mit seinen mittlerweile zehn Monaten noch nicht sprechen kann, stellt er die Frage auf seine Art: Er brüllt. Autofahren mit einem wachen Kind fühlt sich absolut nicht nach Urlaub an. Wenn Nepomuk wach ist, will er nicht ins Auto. Er findet es zum Schreien langweilig, im Kindersitz festgezurrt zu werden, auch wenn es der einzige Kindersitz in Syrien ist.

Vater und Sohn beim Sightseeing

Vater und Sohn beim Sightseeing

Das bedeutet: gute Planung. Ach, was sage ich, sekundengenaue Planung bedeutet das. So präzise wie unsere Familienkutsche startet nicht mal ein Nasa-Raumschiff. Die sollten uns ruhig mal nach Cape Canaveral einfliegen, denn von uns könnten sie echt was lernen. Nach etlichen Pannen in den ersten Tagen haben wir nämlich irgendwann das optimale Verfahren für unsere Fortbewegung ausgearbeitet, und das ist: Nepomuk muss beim Autofahren schlafen. Das geht aber nur mit einem optimalen Müdigkeitszustand bei ihm, wenn wir losfahren.

Leser-Kommentare
  1. "Autofahren mit einem wachen Kind fühlt sich absolut nicht nach Urlaub an."
    Was lernen wir aus Frau Schmelings Reisebericht: man kann mit seinem 10 Monate alten Sprössling per Mietwagen den Orient bereisen, muss es aber nicht. Wer es nicht so spannend findet, wie man unter dem Diktat des Schlafrhythmus eines Kleinkindes die syrische Wüste durchquert, sondern gern etwas mehr über die Begegnung mit Land und Leuten erfahren hätte, sollte diesen Artikel höchstens so lesen, wie die Überschrift verheißt: im Schnelldurchlauf. Schade!

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    • 42317
    • 30.07.2010 um 14:41 Uhr

    Hm, ja, es geht in diesem Artikel offensichtlich um "Reisen mit Kind", und nicht um "Reisen in Syrien". Ohne viele Beschreibungen zu ändern, könnte man die entsprechenden Ortsnamen auch in spanische oder süditalienische ändern.
    Ich sollte auch mal nach Syrien reisen. Aber ohne Kind.

    • 42317
    • 30.07.2010 um 14:41 Uhr

    Hm, ja, es geht in diesem Artikel offensichtlich um "Reisen mit Kind", und nicht um "Reisen in Syrien". Ohne viele Beschreibungen zu ändern, könnte man die entsprechenden Ortsnamen auch in spanische oder süditalienische ändern.
    Ich sollte auch mal nach Syrien reisen. Aber ohne Kind.

    • Guido3
    • 29.07.2010 um 22:00 Uhr

    Das ist nur ein Auszug aus dem Buch, aber wenn ich lese, wie verkrampft das Reisen hier anscheinend ablief, dann würde mir die Lust vergehen, das auch zu probieren?

    Reisen mit Baby und Kleinkind kann ich ansonsten nur empfehlen. Wie die Autorin habe ich die Erfahrung gemacht, das Reisen mit Baby/Kleinkind gerade in der arabischen Welt grandios ist. Kinder haben dort einen anderen Stellenwert, sind kein Störfaktor und öffnen viele Herzen und Türen. Auch Reisen durch Botswana usw. sind mit entsprechender Planung möglich.

  2. Warum bleibt ihr mit einem 10 Monate alten Kind nicht einfach zu Hause und spannt dort aus? Muß man denn alles machen, was (vielleicht) möglich ist? Davon abgesehen hätten euch die Grünen auch gekreuzigt, da ihr bestimmt nicht zu Fuß oder mit der Bahn nach Syrien gekommen seid sondern mit dem schlimmen Klimakiller Flugzeug!

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    • Guido3
    • 30.07.2010 um 0:30 Uhr

    Könnte es sein, dass ein Kleinkind Spaß auf solchen Reisen hat? Im Gegensatz zu zu Hause, wo Spielzeug, Spiele, Lieder etc. bekannt und tendenziell langweilig sind, gibt es auf Reisen andauernd etwas Neues zu sehen. Auch wenn der kleine Erdenbürger wenig versteht, ist das spannend. Unser Kleiner war auf Reisen regelmäßig pflegeleichter als zu Hause.

    Und das Klimaargument offenbart Ihre Geisteshaltung. Könnte es sein, dass Lösungen wie Atmosfair kein moderner Ablasshandel sind, sondern man damit tatsächlich komplett klimaneutral fliegt?

    Es äußern sich in der Regel diejenigen negativ zum Reisen mit Kleinkindern, die das nie gemacht haben und keine eigenen Erfahrungen in der Richtung haben.

    Redaktion

    Sehr geehrter Jörg_aus_slovensko,

    es gibt Menschen, die das Reisen in die Fremde (und damit meine ich nicht zwei Wochen Pauschalurlaub) als Bereicherung begreifen. Als Möglichkeit zur Begegnung mit anderen Kulturen und Chance, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen.

    Die Autorin hat einen Weg abseits ausgetretener Pfade gewählt, der zuweilen unbequem gewesen sein mag. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das Buch – es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug daraus – eine durchweg positive Erfahrung beschreibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jessica Braun

    Ressort Reisen

    • Guido3
    • 30.07.2010 um 0:30 Uhr

    Könnte es sein, dass ein Kleinkind Spaß auf solchen Reisen hat? Im Gegensatz zu zu Hause, wo Spielzeug, Spiele, Lieder etc. bekannt und tendenziell langweilig sind, gibt es auf Reisen andauernd etwas Neues zu sehen. Auch wenn der kleine Erdenbürger wenig versteht, ist das spannend. Unser Kleiner war auf Reisen regelmäßig pflegeleichter als zu Hause.

    Und das Klimaargument offenbart Ihre Geisteshaltung. Könnte es sein, dass Lösungen wie Atmosfair kein moderner Ablasshandel sind, sondern man damit tatsächlich komplett klimaneutral fliegt?

    Es äußern sich in der Regel diejenigen negativ zum Reisen mit Kleinkindern, die das nie gemacht haben und keine eigenen Erfahrungen in der Richtung haben.

    Redaktion

    Sehr geehrter Jörg_aus_slovensko,

    es gibt Menschen, die das Reisen in die Fremde (und damit meine ich nicht zwei Wochen Pauschalurlaub) als Bereicherung begreifen. Als Möglichkeit zur Begegnung mit anderen Kulturen und Chance, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen.

    Die Autorin hat einen Weg abseits ausgetretener Pfade gewählt, der zuweilen unbequem gewesen sein mag. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das Buch – es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug daraus – eine durchweg positive Erfahrung beschreibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jessica Braun

    Ressort Reisen

    • Guido3
    • 30.07.2010 um 0:30 Uhr

    Könnte es sein, dass ein Kleinkind Spaß auf solchen Reisen hat? Im Gegensatz zu zu Hause, wo Spielzeug, Spiele, Lieder etc. bekannt und tendenziell langweilig sind, gibt es auf Reisen andauernd etwas Neues zu sehen. Auch wenn der kleine Erdenbürger wenig versteht, ist das spannend. Unser Kleiner war auf Reisen regelmäßig pflegeleichter als zu Hause.

    Und das Klimaargument offenbart Ihre Geisteshaltung. Könnte es sein, dass Lösungen wie Atmosfair kein moderner Ablasshandel sind, sondern man damit tatsächlich komplett klimaneutral fliegt?

    Es äußern sich in der Regel diejenigen negativ zum Reisen mit Kleinkindern, die das nie gemacht haben und keine eigenen Erfahrungen in der Richtung haben.

    Antwort auf "Na klasse!"
  3. Redaktion

    Sehr geehrter Jörg_aus_slovensko,

    es gibt Menschen, die das Reisen in die Fremde (und damit meine ich nicht zwei Wochen Pauschalurlaub) als Bereicherung begreifen. Als Möglichkeit zur Begegnung mit anderen Kulturen und Chance, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen.

    Die Autorin hat einen Weg abseits ausgetretener Pfade gewählt, der zuweilen unbequem gewesen sein mag. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das Buch – es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug daraus – eine durchweg positive Erfahrung beschreibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jessica Braun

    Ressort Reisen

    Antwort auf "Na klasse!"
  4. Welcher Austausch mit anderen Kulturen hat denn hier stattgefunden? Auszug aus dem Text: "Wir fragen niemanden nach dem Weg. Bloß nicht anhalten".
    Es mag ja sein, dass die Eltern diese Reise trotz ihrer hektischen Besichtigung von Kulturdenkmälern als Bereicherung empfunden haben, aber gerade wegen der fehlenden Begegnung mit Land und Leuten ist dieser Artikel vor allem eins: langweilig. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Sohn; oberstes Gebot ist es, sein Schreien zu verhindern. Dass ein 10 Monate altes Kind nicht davon begeistert ist, in einem Auto angeschnallt durch die Wüste gefahren zu werden, hätte allen Beteiligten doch vorher klar sein müssen. Da ist die Frage schon berechtigt, ob diese Art von Tourismus sein muss, wie die, ob Ferien auf dem Bauernhof nicht vielleicht doch etwas kindgerechter gewesen wären.

    • 42317
    • 30.07.2010 um 14:41 Uhr

    Hm, ja, es geht in diesem Artikel offensichtlich um "Reisen mit Kind", und nicht um "Reisen in Syrien". Ohne viele Beschreibungen zu ändern, könnte man die entsprechenden Ortsnamen auch in spanische oder süditalienische ändern.
    Ich sollte auch mal nach Syrien reisen. Aber ohne Kind.

    • tages
    • 15.11.2010 um 14:21 Uhr

    Sorry,aber ich halte die Eltern die mit einem Säugling in den Orient oder andere klimatische belastende Länder reisen, von anderen Belastungen noch mal abgesehen,für sehr egoistisch.Kann man nicht einmal zwei oder drei Jahre auf solche Reisen verzichten und zwar zum Wohle des Kindes.Einige Argumente für diese Säuglings-reisen sind an den Haaren herbeigezogen, wenn nicht sogar lachhaft.

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