Reisen mit Kind Syrien im SchnelldurchlaufSeite 2/2

Orient auf eigene Faust: Inka Schmeling behilft sich mit dem Reiseführer

Orient auf eigene Faust: Inka Schmeling behilft sich mit dem Reiseführer

An Tag vier unserer Syrien-Rundreise steht uns die größte Prüfung bevor: Beinahe 300 Kilometer sind es von der Kreuzfahrerburg Krak de Chevaliers bis zur Oasenstadt Palmyra, mitten in der syrischen Wüste. Wir nehmen das sportlich und erarbeiten den Masterplan schlechthin. Der geht so: aufstehen, frühstücken, das Auto packen. Schnell, schnell, nicht dass der Kleine zu früh einschläft. Hmm, eigentlich sieht er noch ziemlich fidel aus. Gut, dann noch kurz zu der altchristlichen Kirche um die Ecke.

Wir schlendern unter einem jahrhundertealten Kreuzgewölbe hindurch, über uns hängen Heiligenbilder, Mosaike, Fresken, aber wir schauen auf Nepomuks Augen. Die Lider werden schwerer. Wir warten ab, reizen den Moment noch etwas aus. Da, plötzlich reibt er sich die Augen und wir stürmen los. Zum Auto, das direkt vor der Kirche steht, schon in Fahrtrichtung geparkt, denn wir sind ja mittlerweile Profis. Der eine kippt warmes Wasser aus der Thermoskanne und bereits abgemessenes Milchpulver in einem Fläschchen zusammen, der andere schnallt den sich windenden, brüllenden Nepomuk in seinem Sitz an. Fläschchen in den Mund, Bäuerchen, Schnuller, Motor an, Gaspedal durchdrücken und von da an gilt: Bloß nicht anhalten.

Die Autorin

Inka Schmeling schreibt als freie Journalistin in Hamburg unter anderem für die Magazine Merian, Stern, Brigitte, ZEIT Wissen und Neon. Sie ist Absolventin der Henri-Nannen-Schule und Mitglied im Journalistenverbund Plan 17. Journalistische Auszeichnungen: Gabriel-Grüner-Stipendium (2004), NGG-Nachwuchsjournalistenpreis (2005), Vattenfall-Journalistenpreis (2006), Deutscher Studienpreis (2007).

Das Buch

Elternratgeber empfehlen als Reiseziele mit einem Baby gerne die deutschen Mittelgebirge oder die Ostsee. Was aber, wenn junge Eltern richtig Fernweh haben? Die Journalistin Inka Schmeling ist mit Mann, zwei Rucksäcken und neun Monate altem Sohn sieben Wochen durch die Türkei, Syrien und Iran getourt.

In Abenteuer Elternzeit beschreibt sie sehr amüsant, wie ihr blondes, blauäugiges Baby Wildfremde auf der Straße zum Singen bringt, wie es in Restaurants beschenkt, fotografiert und an den Nachbartischen herumgereicht wird, während die Eltern in Ruhe essen. Der Sohn krabbelt in Istanbul durch die blaue Moschee, lernt in der Altstadt von Damaskus laufen und sorgt dafür, dass seine Eltern von mancher Zufallsbekanntschaft in die Wohnung eingeladen werden. Die Autorin berichtet aber auch über ihr schlechtes Gewissen, als das Kind unterwegs fiebert, und die ständigen Zweifel, wie viel Abenteuerlust man einem Baby eigentlich zumuten kann. Aufgefangen werden diese Fragen im Ratgeberteil des Buches: Pädagogen, Psychologen und Mediziner informieren über Gesundheitsrisiken und eine sinnvolle Reiseapotheke, geben praktische Tipps zur Ernährung unterwegs und erklären kulturelle Unterschiede in der Kindererziehung. Anja Haegele

Beltz Verlag, 247 Seiten; 14,95 €, ISBN-13: 978-3407859044 Auf ihrer Website www.nepomuksreisen.degibt die Autorin Tipps zum Reisen mit Kind.

Wir verfahren uns. Nach einem Drittel der Strecke, in Homs. Wir kreiseln durch die Innenstadt, suchen nach Wegweisern Richtung Palmyra, versuchen in dem Wirrwarr an Autos, Menschen, Straßen, Häusern die Himmelsrichtung auszumachen. Wir fragen niemanden nach dem Weg und wir suchen uns keinen Stadtplan. Bloß nicht anhalten. Wir fahren weiter, immer weiter, bis wir endlich doch ein Autobahnschild nach Palmyra entdecken.

Die Büsche am Straßenrand werden verstaubter und spärlicher, verschwinden schließlich ganz. Links und rechts von uns, vorne und hinten sehen wir nur noch Sand. Wir sind in der Wüste, als mein Mann plötzlich sagt: "Wir haben nicht mehr besonders viel Benzin." Zwei, drei Tankstellen tauchen wie eine Fata Morgana am Straßenrand auf. Egal, wir fahren weiter. Auch als unsere Blasen so voll sind wie der Tank leer wird, fahren wir weiter. An einer Kreuzung steht ein Schild: 100 Kilometer zum Irak. Ein schönes Foto wäre das, sage ich. Wir fahren weiter. Bloß nicht anhalten.

Nepomuk wacht auf, 15 Kilometer vor Palmyra. Wir jubeln. Ohne einen einzigen Babyschrei haben wir es bis kurz vors Ziel geschafft. Auch ohne mit leerem Tank in der Wüste stehen zu bleiben. Auf den letzten Kilometern singe ich vor Erleichterung, von Hänschen klein bis Ein Männlein steht im Walde alles, was mir so einfällt. Nepomuk strahlt. Die sollten uns echt mal nach Cape Canaveral einfliegen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch Abenteuer Elternzeit.

 
Leser-Kommentare
  1. "Autofahren mit einem wachen Kind fühlt sich absolut nicht nach Urlaub an."
    Was lernen wir aus Frau Schmelings Reisebericht: man kann mit seinem 10 Monate alten Sprössling per Mietwagen den Orient bereisen, muss es aber nicht. Wer es nicht so spannend findet, wie man unter dem Diktat des Schlafrhythmus eines Kleinkindes die syrische Wüste durchquert, sondern gern etwas mehr über die Begegnung mit Land und Leuten erfahren hätte, sollte diesen Artikel höchstens so lesen, wie die Überschrift verheißt: im Schnelldurchlauf. Schade!

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    • 42317
    • 30.07.2010 um 14:41 Uhr

    Hm, ja, es geht in diesem Artikel offensichtlich um "Reisen mit Kind", und nicht um "Reisen in Syrien". Ohne viele Beschreibungen zu ändern, könnte man die entsprechenden Ortsnamen auch in spanische oder süditalienische ändern.
    Ich sollte auch mal nach Syrien reisen. Aber ohne Kind.

    • 42317
    • 30.07.2010 um 14:41 Uhr

    Hm, ja, es geht in diesem Artikel offensichtlich um "Reisen mit Kind", und nicht um "Reisen in Syrien". Ohne viele Beschreibungen zu ändern, könnte man die entsprechenden Ortsnamen auch in spanische oder süditalienische ändern.
    Ich sollte auch mal nach Syrien reisen. Aber ohne Kind.

    • Guido3
    • 29.07.2010 um 22:00 Uhr

    Das ist nur ein Auszug aus dem Buch, aber wenn ich lese, wie verkrampft das Reisen hier anscheinend ablief, dann würde mir die Lust vergehen, das auch zu probieren?

    Reisen mit Baby und Kleinkind kann ich ansonsten nur empfehlen. Wie die Autorin habe ich die Erfahrung gemacht, das Reisen mit Baby/Kleinkind gerade in der arabischen Welt grandios ist. Kinder haben dort einen anderen Stellenwert, sind kein Störfaktor und öffnen viele Herzen und Türen. Auch Reisen durch Botswana usw. sind mit entsprechender Planung möglich.

  2. Warum bleibt ihr mit einem 10 Monate alten Kind nicht einfach zu Hause und spannt dort aus? Muß man denn alles machen, was (vielleicht) möglich ist? Davon abgesehen hätten euch die Grünen auch gekreuzigt, da ihr bestimmt nicht zu Fuß oder mit der Bahn nach Syrien gekommen seid sondern mit dem schlimmen Klimakiller Flugzeug!

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    • Guido3
    • 30.07.2010 um 0:30 Uhr

    Könnte es sein, dass ein Kleinkind Spaß auf solchen Reisen hat? Im Gegensatz zu zu Hause, wo Spielzeug, Spiele, Lieder etc. bekannt und tendenziell langweilig sind, gibt es auf Reisen andauernd etwas Neues zu sehen. Auch wenn der kleine Erdenbürger wenig versteht, ist das spannend. Unser Kleiner war auf Reisen regelmäßig pflegeleichter als zu Hause.

    Und das Klimaargument offenbart Ihre Geisteshaltung. Könnte es sein, dass Lösungen wie Atmosfair kein moderner Ablasshandel sind, sondern man damit tatsächlich komplett klimaneutral fliegt?

    Es äußern sich in der Regel diejenigen negativ zum Reisen mit Kleinkindern, die das nie gemacht haben und keine eigenen Erfahrungen in der Richtung haben.

    Redaktion

    Sehr geehrter Jörg_aus_slovensko,

    es gibt Menschen, die das Reisen in die Fremde (und damit meine ich nicht zwei Wochen Pauschalurlaub) als Bereicherung begreifen. Als Möglichkeit zur Begegnung mit anderen Kulturen und Chance, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen.

    Die Autorin hat einen Weg abseits ausgetretener Pfade gewählt, der zuweilen unbequem gewesen sein mag. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das Buch – es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug daraus – eine durchweg positive Erfahrung beschreibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jessica Braun

    Ressort Reisen

    • Guido3
    • 30.07.2010 um 0:30 Uhr

    Könnte es sein, dass ein Kleinkind Spaß auf solchen Reisen hat? Im Gegensatz zu zu Hause, wo Spielzeug, Spiele, Lieder etc. bekannt und tendenziell langweilig sind, gibt es auf Reisen andauernd etwas Neues zu sehen. Auch wenn der kleine Erdenbürger wenig versteht, ist das spannend. Unser Kleiner war auf Reisen regelmäßig pflegeleichter als zu Hause.

    Und das Klimaargument offenbart Ihre Geisteshaltung. Könnte es sein, dass Lösungen wie Atmosfair kein moderner Ablasshandel sind, sondern man damit tatsächlich komplett klimaneutral fliegt?

    Es äußern sich in der Regel diejenigen negativ zum Reisen mit Kleinkindern, die das nie gemacht haben und keine eigenen Erfahrungen in der Richtung haben.

    Redaktion

    Sehr geehrter Jörg_aus_slovensko,

    es gibt Menschen, die das Reisen in die Fremde (und damit meine ich nicht zwei Wochen Pauschalurlaub) als Bereicherung begreifen. Als Möglichkeit zur Begegnung mit anderen Kulturen und Chance, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen.

    Die Autorin hat einen Weg abseits ausgetretener Pfade gewählt, der zuweilen unbequem gewesen sein mag. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das Buch – es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug daraus – eine durchweg positive Erfahrung beschreibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jessica Braun

    Ressort Reisen

    • Guido3
    • 30.07.2010 um 0:30 Uhr

    Könnte es sein, dass ein Kleinkind Spaß auf solchen Reisen hat? Im Gegensatz zu zu Hause, wo Spielzeug, Spiele, Lieder etc. bekannt und tendenziell langweilig sind, gibt es auf Reisen andauernd etwas Neues zu sehen. Auch wenn der kleine Erdenbürger wenig versteht, ist das spannend. Unser Kleiner war auf Reisen regelmäßig pflegeleichter als zu Hause.

    Und das Klimaargument offenbart Ihre Geisteshaltung. Könnte es sein, dass Lösungen wie Atmosfair kein moderner Ablasshandel sind, sondern man damit tatsächlich komplett klimaneutral fliegt?

    Es äußern sich in der Regel diejenigen negativ zum Reisen mit Kleinkindern, die das nie gemacht haben und keine eigenen Erfahrungen in der Richtung haben.

    Antwort auf "Na klasse!"
  3. Redaktion

    Sehr geehrter Jörg_aus_slovensko,

    es gibt Menschen, die das Reisen in die Fremde (und damit meine ich nicht zwei Wochen Pauschalurlaub) als Bereicherung begreifen. Als Möglichkeit zur Begegnung mit anderen Kulturen und Chance, etwas über die Welt und sich selbst zu lernen.

    Die Autorin hat einen Weg abseits ausgetretener Pfade gewählt, der zuweilen unbequem gewesen sein mag. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das Buch – es handelt sich bei diesem Text um einen Auszug daraus – eine durchweg positive Erfahrung beschreibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jessica Braun

    Ressort Reisen

    Antwort auf "Na klasse!"
  4. Welcher Austausch mit anderen Kulturen hat denn hier stattgefunden? Auszug aus dem Text: "Wir fragen niemanden nach dem Weg. Bloß nicht anhalten".
    Es mag ja sein, dass die Eltern diese Reise trotz ihrer hektischen Besichtigung von Kulturdenkmälern als Bereicherung empfunden haben, aber gerade wegen der fehlenden Begegnung mit Land und Leuten ist dieser Artikel vor allem eins: langweilig. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Sohn; oberstes Gebot ist es, sein Schreien zu verhindern. Dass ein 10 Monate altes Kind nicht davon begeistert ist, in einem Auto angeschnallt durch die Wüste gefahren zu werden, hätte allen Beteiligten doch vorher klar sein müssen. Da ist die Frage schon berechtigt, ob diese Art von Tourismus sein muss, wie die, ob Ferien auf dem Bauernhof nicht vielleicht doch etwas kindgerechter gewesen wären.

    • 42317
    • 30.07.2010 um 14:41 Uhr

    Hm, ja, es geht in diesem Artikel offensichtlich um "Reisen mit Kind", und nicht um "Reisen in Syrien". Ohne viele Beschreibungen zu ändern, könnte man die entsprechenden Ortsnamen auch in spanische oder süditalienische ändern.
    Ich sollte auch mal nach Syrien reisen. Aber ohne Kind.

    • tages
    • 15.11.2010 um 14:21 Uhr

    Sorry,aber ich halte die Eltern die mit einem Säugling in den Orient oder andere klimatische belastende Länder reisen, von anderen Belastungen noch mal abgesehen,für sehr egoistisch.Kann man nicht einmal zwei oder drei Jahre auf solche Reisen verzichten und zwar zum Wohle des Kindes.Einige Argumente für diese Säuglings-reisen sind an den Haaren herbeigezogen, wenn nicht sogar lachhaft.

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