Na, dann ist ja alles gut. Das Treffen von Bahn-Chef Rüdiger Grube mit Vertretern des Verkehrsausschusses des Bundestages und Verkehrsminister Peter Ramsauer, CSU, in Sachen 50-facher Hitzekollaps der Bahn ist kaum vorbei, da kann Grube schon den Durchbruch verkünden : 500 Euro für jeden, der beim Saunieren in vollen Zügen Gesundheitsprobleme bekam – und das, eine Sensation, offenbar ohne Abzug einer Bearbeitungsgebühr!

Oh nein, die Deutsche Bahn, sie lässt sich nun wirklich nicht mehr lumpen. Und, neu: jetzt muss man nicht mal mehr ein Attest vorlegen, um die Kohle zu kassieren. Auch wenn über die wahren Ursachen des Klimaanlagenschocks immer noch gestritten wird: Hat es sich nicht doch gelohnt, das Kollabieren? Und das Beste: Wir Bahnfahrer können davon ausgehen, dass Peter Ramsauer auch diesmal hinter den Kulissen für uns gekämpft hat.

Verkehrsminister Ramsauer ist derjenige in unserer Regierung, der sich unerschrocken auf die Seite der Schutzlosen und Entrechteten schlägt, kurz: der Verbraucher. Der gegen Unternehmensgier und kurzfristige Profitinteressen vorgeht. Wie schon bei der Flugaschewolke , als er eisenhart dafür kämpfte, unseren Luftraum nicht freizugeben – zumindest einige Tage lang. Der auch in Sachen Bahn entschlossen wie kein zweiter den Sparkurs zur Vorbereitung auf den Börsengang als (mit)verantwortlich für das ganze Hitzedebakel geißelte. Der sich schon Ende letzten Jahres gegen eine "Privatisierung als Selbstzweck" aussprach, zur Freude aller leidenschaftlichen und leidgeprüften Bahnfahrer. Und der nun von Bahnchef Grube knallhart und unerbittlich verlangte, die Züge müssten "zwischen 40 Grad plus und 40 Grad minus" einwandfrei fahren.

Von Anfang an verlangte Ramsauer das. Jedenfalls fast. Ganz zu Anfang rief er dazu auf, man solle doch die Tassen im Schrank lassen und keine nationale Tragödie daraus machen. Aber vermutlich war das Ramsauers Doppelgänger. Der wilde, sonnengebräunte Typ, der einst als Chef der CSU-Landesgruppe gegen die Vätermonate ("Wickelvolontariat") kämpfte. Der noch 2007 ablehnte, den Bahn-Börsengang zu verschieben. Der zusammen mit Bahn-Chef Grube unverdrossen die alte Vision von der Bahn als schlankem Global Player verfolgt.

Jener zweite Ramsauer war es auch, der die Bahn erst kürzlich in die Lage brachte, noch mehr sparen zu müssen : einmal weil er als oberster Bahnaufseher nichts gegen den teuren Zukauf des britischen Unternehmens Arriva hatte. Zum zweiten, weil die Bundesregierung gerade jetzt Rendite von der Bahn AG sehen will, 500 Millionen im Jahr. Und das, wo sich nicht nur die Debakel häufen: Das Streckennetz wimmelt ohnehin vor Langsamfahrstellen, im Fernverkehr fehlen Reservezüge, manche Bahnhöfe lassen Besucher spontan glauben, sie seien in Rumänien gelandet.

Ist jetzt also mit den 500 Euro für Hitzeopfer wirklich alles gut? Natürlich nicht. Wenn die Bahn auf Kurs bleibt, ist die nächste Panne schon fast in Sichtweite . Ein Verkehrspolitiker, der auf sich hält, muss sich in diesen Tagen noch einmal die alte Frage stellen, ob die Bahn in Deutschland nicht doch eine öffentliche Aufgabe erfüllt, bei der überhöhte Einsparungen und Renditeerwartungen nicht nur ein verkehrstechnischer GAU wären.

Wie sagte einer der beiden Ramsauers am Heiligabend letzten Jahres beseelt? Er wolle das Verkehrswachstum der kommenden Jahre "komplett auf die Schiene verlagern", es sei Zeit für ein Bahn-Bau- und Investitionsprogramm. Wenn er den anderen Ramsauer dazu überreden könnte, wäre das schon mal ein Anfang.