Zumindest in der Werbung gibt es sie noch: Flüge ab 99 Cent. Fluggesellschaften verlangen von Reisenden beim Kauf von Flugtickets laut einer Studie aber immer häufiger versteckte Extragebühren. Vor allem Billigflieger berechneten solche Zusatzkosten etwa für Gepäck oder die Flugbuchung per Kreditkarte, erklärte der Verkehrsverein Mobil in Deutschland am Dienstag in München. Dadurch liege der Endpreis, den Verbraucher für ihre Tickets zahlen müssten, häufig über dem Preis aus der Werbung.

Die Fluggesellschaften hätten "mittlerweile entdeckt, dass mit Leistungen, die früher kostenlos und selbstverständlich waren, mittlerweile gutes Geld zu verdienen ist", hieß es seitens Mobil in Deutschland. Wegen solcher Zusatzgebühren schnitten die Billigflieger Easyjet und Ryanair im Test am schlechtesten ab.

Mobil in Deutschland verglich für die Untersuchung die Angebote von insgesamt acht Fluggesellschaften, darunter mehrere Billigfluglinien. Es wurden Testbuchungen aus Sicht eines Urlaubsreisenden und eines Geschäftsreisenden vorgenommen.

Bei Billigfluggesellschaften seien die Ticketpreise zwar häufig "beeindruckend günstig, doch verstecken sich hier fiese Extrakosten." Zusatzkosten fielen neben dem Gepäck und für die Zahlung mit Kreditkarte auch für die Ausfertigung von Tickets am Schalter an oder für das Essen an Bord. Darüber hinaus seien die Internetseiten der Billigflieger häufig mit Extraangeboten überfrachtet. Dies erschwere dem Verbraucher zusätzlich die Flugbuchung.

Essen und Trinken sei in aller Regel nur bei Fluggesellschaften der herkömmlichen Preisklassen bereits im Ticketpreis inbegriffen. Gleiches gelte für das Gepäck, das meist bis 20 Kilogramm frei mitgeführt werden kann. Umbuchungen seien bei allen Airlines möglich, jedoch immer nur gegen Gebühr. Für komplette Flugstornierungen müssten Reisende in aller Regel Tickets höherer Preiskategorien kaufen.

Immer mehr Billigflieger verlangen jedoch schon für das erste aufzugebende Gepäckstück Geld. Bei Ryanair etwa fallen je einfachem Flug im Internet 15 Euro für den ersten Koffer bis 15 Kilogramm an. 20 Euro sind es im Juli und August. 35 Euro kostet jedes weitere Gepäckstück, 40 Euro in den Sommermonaten. Am Schalter verlangt Ryanair 35 Euro für den ersten Koffer. Germanwings verlangt im Internet acht Euro in der günstigsten Flugkategorie, am Schalter 20 Euro. Bei Easyjet sind die Kosten von der Strecke abhängig. Air Berlin, Condor und TUIfly nehmen je nach Flugziel noch ein Gepäckstück kostenlos mit. Kostenfrei ist das Handgepäck, häufig gilt eine Gewichtsgrenze.

Auch herkömmliche Fluggesellschaften verlangen Extragebühren für Gepäck – allerdings nur, wenn dieses die Freigrenze überschreite. Der Verein rät Verbrauchern deswegen, ihr Gepäck bereits zu Hause zu wiegen und nötigenfalls zu reduzieren. Speziell bei den Billigfliegern könnten die "Gepäckkosten locker den Ticketpreis" übersteigen.

Fluggesellschaften in der EU sind seit dem 1. November 2008 irreführende Lockangebote untersagt. Seitdem müssen die Airlines bei ihren Ticketpreisen alle Steuern und Gebühren auflisten. Für Extragebühren wie etwa beim Gepäck gilt diese Vorschrift allerdings nicht. Diese dürfen weiterhin extra berechnet werden.