Die Klimaanlagen in Fernzügen der Deutschen Bahn funktionieren ohne Probleme nur bis zu einer Außentemperatur von 32 Grad. Dies gehe aus Äußerungen hervor, die die Bahn "in einer ersten Anhörung" gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) gemacht habe, sagte ein Sprecher der Bonner Behörde. Es sei aber noch nicht klar, was die Temperaturgrenze genau bedeute

Der EBA-Sprecher bestätigte, dass Behördenchef Gerald Hörster einen Brief an den Vorstand der Bahn geschickt hatte. Darin habe er "noch einmal auf die Betreiberpflichten hingewiesen". Die Hannoversche Allgemeinen Zeitung hatte zuerst aus dem Brief zitiert. Bei höheren Temperaturen sei "ein Abkühlen grundsätzlich nicht mehr gewährleistet", hieß es. EBA-Präsident Hörster habe in dem Schreiben vom 14. Juli den Bahn-Vorstand vor einer Verletzung seiner gesetzlichen "Sicherheitsverpflichtung" gewarnt.

Die Zahl der hitzebedingten Pannen erhöhte sich weiter: Wie ein Bahn-Sprecher sagte, wurde ein IC auf der Strecke Berlin-Amsterdam wegen einer defekten Klimaanlage gestoppt. Die Reisenden mussten in andere Züge umsteigen. Zudem sei ein ICE zwischen München und Lübeck wegen Hitzeproblemen geräumt worden. Seit Samstag fielen dem Bahn -Sprecher zufolge in insgesamt 41 Fernzügen die Klimaanlagen aus.

Am Wochenende war in drei ICEs die Klimaanlage komplett ausgefallen, weshalb die Fahrgäste in Hannover und Bielefeld aus den Zügen raus mussten. Mehrere Schüler kamen dehydriert ins Krankenhaus . Auch in weiteren Zügen fielen in den vergangenen Tagen in einzelnen Waggons die Klimaanlagen aus.

Dem Westfalen-Blatt zufolge ging inzwischen eine erste Strafanzeige von hitzegeschädigten Reisenden bei der Bundespolizei Münster ein. Insgesamt habe die Bundespolizei in Münster nach dem Vorfall in Bielefeld schon 66 Beschwerden von Reisenden über unhaltbare Zustände in Fernzügen erhalten.

SPD-Fraktionsvize Florian Pronold verlangte wegen des Hitzechaos bei der Deutschen Bahn einen Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Totalausfälle von Klimaanlagen in ICE-Zügen brauchten eine umfassende parlamentarische Untersuchung, bei der auch die Rolle des Bundes als Eigentümer geklärt werden müsse, sagte Pronold der Bild -Zeitung. "Wir wollen wissen, ob die Bahn zulasten der Sicherheit gespart hat, welchen Zusammenhang es zu den Hitzeproblemen gibt und wer dafür die Verantwortung trägt", sagte Pronold.

Kontaktdaten für betroffene Fahrgäste: hitzewelle@deutschebahn.com; DB Fernverkehr AG, Kundendialog, Stichwort "Hitzewelle", Postfach 10 06 13, 96058 Bamberg; Kundentelefon der Bahn 01805 99 66 33