Fotostrecke Route 66

Liebeserklärung an einen Highway

 |  © Scott Olson/Getty Images

Brüchiger Asphalt. Staubige Verkehrsschilder. Verlassene Häuser. Bilder von der Route 66. Die Straße, die sich von Chicago über acht Bundesstaaten bis nach Los Angeles erstreckt, ist die vielleicht schäbigste Ikone der USA.

Begründet wurde der Mythos des Highway 66 im Jahr 1926, als das Bureau of Public Roads, die Behörde für öffentliche Straßen, begann, sämtliche Highways durchzunummerieren. Zu diesem Zeitpunkt war die 66 noch Flickwerk aus Asphaltpiste und Feldweg. Wer nicht reisen musste, blieb, wo er war. Bis die Große Depression 1929 die Menschen auf die Straße trieb.

Während des Zweiten Weltkriegs waren vor allem Lkw unterwegs, um die Versorgung der Truppen zu sichern. Der Aufschwung nach dem Krieg brachte dem Highway 66 die Krise. Die Menschen reisten jetzt in so großer Zahl, dass 1956 neue Interstate-Highways die alten Straßen ersetzten. Um ein Zimmer in einem Motel an der 66 zu mieten, brauchte es jetzt keine Voranmeldung mehr. Staub und Kojoten zogen in die Häuser ehemals florierender Kleinstädte.

In den vergangenen Jahren war die Strecke ein Museum ohne Kurator, eine Ausstellung, die jedem offen stand und die trotzdem nur wenige besuchten. Erst jetzt beginnen junge Amerikaner, die Schönheit der Route 66 wieder zu entdecken.

Leser-Kommentare
  1. .. man bekommt gleich Lust, selbst dorthin zu reisen, wenn man diese Bilder sieht. Die Mischung aus ehemaliger Groesse, tragischem Verfall und provinzieller USA ist hervorragend eingefangen.

  2. und den kitschig-rosa himmel ist sehr klassisch :) eigentlich alle bilder - dieses amerika ist alt geworden, verlassen und glanzlos. aber irgendwie zugleich stilvoll und anrührend. macht lust, die strecke zu bereisen und in den asphaltwunden zu wühlen.

  3. nach einem langen, heissen Tag und ähnlicher Bilder eingefangen.

    Die Mischung aus ehemaliger Groesse, tragischem Verfall und provinzieller USA ist hervorragend eingefangen.

    Ja - aber genau das hat mich andererseits auch gestört (schon in den achtziger Jahren), das alles stehen und liegen bleibt, wie es verlassen wurde - was auch typisch amerikanisch ist - nicht nur an der Route 66.

    Nur leider ist es auch ein Abbild des aktuellen Amerika, wo fast nichts mehr geht.

    Der alte Highway 1 hat mir allerdings deutlich besser gefallen als die Route 66.

    Schade aber, das sämtliche Infrastrukuren der USA seit vielen Jahrzehnten einfach zerbröseln und viele, zu viele Landstriche der USA kaum besser, eher schlechter dastehen als die Uckermark und zwar in allen Belangen.

  4. Bei einer so vielversprechenden Überschrift hatte ich mehr erwartet und mit insgesamt 26 Bildern hätte man auch sehr viel mehr bieten können. Immerhin liegen zwischen Chicago und Los Angeles etwa 2500 Meilen (ca 4000 km) und zwischen Illinois und Kalifornien durchläuft “Route 66” sechs weitere Staaten. Da nur einige Bilder aus Illinois und Kalifornien, in bequemer Entfernung von Großstädten zu zeigen, ist enttäuschend. Der Eindruck ist, der Photograph legte die Strecke per Flugzeug zurück und machte lediglich einige Stippvisiten von den jeweiligen Metropolen, damit konnte die Atmosphäre der “Route 66” nicht eingefangen werden.

    Wenn man nicht die Gelegenheit hat, diese Strecke selbst abzufahren und zu erleben, gibt eine kurze Suche im Internet einen besseren Überblick über die möglichen Eindrücke einer solchen Reise. Route 66 ist doch wirklich mehr als bröckelnder Asphalt, rostende Fahrzeuge und verlassene Orte/Gebäude. Als da sind endlose Landschaft (Steppe, Wälder, Gebirge, Wüste), endloser Himmel, ja manchmal kitschig-rosa, mitunter blitze-blau und blank, dann wieder dunkel drohend bis schwarz vor einem Gewitter, das große Himmelgewölbe in sternklaren Nächten, nur selten von Neon-Licht beeinträchtigt, das alles neben und über dem alternden Highway, der ein großes wildes Land durchquert.Da der Verkehr auf weiten Strecken sehr gering ist, kann man diese Wildnis mit ihrer Vogel- und Tierwelt noch erleben und gleichzeitig über die Vergänglichkeit unserer Bauten reflektieren.

  5. Eine “Lust zum Reisen” wird angedeutet, die angeblichen Gründe dafür: “ehemalige Größe, tragischer Verfall, Amerika alt geworden, verlassen, glanzlos, wühlen in Asphaltwunden, wo fast nichts mehr geht, zerbröselte Infrastruktur”, usw. Aus dieser Beschreibung spricht eine gewisse Hähme und Schadenfreude, sich an dem Niedergang zu laben.

    Einerseits sieht die Wirklichkeit nicht ganz so düster aus, andererseits ist der Verfall nicht nur neuen Datums. Seit der Besiedlung des Kontinents durch Europäer wurden Siedlungen gegründet und häufig bald wieder verlassen. Gründe waren mitunter reine Gewinnsucht (gold rush, industrielle Entwicklung), manchmal blanke Not und Überlebenswille (Landflucht von den Farmen während der Depression in den dreißiger und dann wieder in den achtziger Jahren). Es geschah viel Raub an Natur und Landschaft, was man bedauern und kritisieren kann aber wohl kein Grund für Reiselust ist. Diese Entwicklung ist nicht auf die USA begrenzt, denn in Kanada und Mexiko sieht es nicht viel anders aus. Verlassene Farmen und “ghost towns” stimmen mich eher traurig, ist aber ein Prozess der bereits seit mehr als 100 Jahren andauert. Route 66 ist ein Abbild dieses Vorgangs, demonstriert aber gleichzeitig wie schnell die Natur verlassene menschliche Bauten zurückerobert. Ähnliches kann auf allen Kontinenten dieser Erde beobachtet werden, nur die geringe Bevölkerungsdichte in Nordamerika sorgt für längere Zeitspannen bevor verlassene Ortschaften wieder besiedelt werden.

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    keine häme, keine schadenfreude...das ist eine unterstellung ihrerseits, die nicht auf mich zutrifft! zziemlich frech von ihnen, muss ich sagen. ich mag es persönlich stilvoll heruntergekommen...die "andere" seite, die nicht so perfekt ist (gibt's ja auch in europa). amerika hat ja noch seine schöne, erfolgreiche seite. aber diese verlassenen highways, die finde ich irgendwo melancholisch schön, angenehm unspektakulär - und ich finde sie nirgendwo anders auf der welt - darum würde ich ja gerne mal dahinschauen. ich mag dieses "lonely-rider"klischee :) es ist meine kindlich-naive, romantische sicht auf zerfall und verlassenheit - die lass ich mir auch nicht nehmen. ghost-town - gänsehaut.

    mit der amerikanischen geschichte kennen wir uns hier alle auch aus...da müssen sie uns nicht aufklären ;) vom goldrush und depression hat jeder schon gehört...und natürlich besteht der der zerfall schon länger, darum hat's ja auch was, weil es geradezu geschichte atmet. das ghosttowns sie traurig stimmt, da sind sie nicht allein - verlassenheit berührt immer, aber es bleibt auch dieser einsamer wind, der seltsam kalt berührt und die schönheit im schrecklichen.

    keine häme, keine schadenfreude...das ist eine unterstellung ihrerseits, die nicht auf mich zutrifft! zziemlich frech von ihnen, muss ich sagen. ich mag es persönlich stilvoll heruntergekommen...die "andere" seite, die nicht so perfekt ist (gibt's ja auch in europa). amerika hat ja noch seine schöne, erfolgreiche seite. aber diese verlassenen highways, die finde ich irgendwo melancholisch schön, angenehm unspektakulär - und ich finde sie nirgendwo anders auf der welt - darum würde ich ja gerne mal dahinschauen. ich mag dieses "lonely-rider"klischee :) es ist meine kindlich-naive, romantische sicht auf zerfall und verlassenheit - die lass ich mir auch nicht nehmen. ghost-town - gänsehaut.

    mit der amerikanischen geschichte kennen wir uns hier alle auch aus...da müssen sie uns nicht aufklären ;) vom goldrush und depression hat jeder schon gehört...und natürlich besteht der der zerfall schon länger, darum hat's ja auch was, weil es geradezu geschichte atmet. das ghosttowns sie traurig stimmt, da sind sie nicht allein - verlassenheit berührt immer, aber es bleibt auch dieser einsamer wind, der seltsam kalt berührt und die schönheit im schrecklichen.

  6. keine häme, keine schadenfreude...das ist eine unterstellung ihrerseits, die nicht auf mich zutrifft! zziemlich frech von ihnen, muss ich sagen. ich mag es persönlich stilvoll heruntergekommen...die "andere" seite, die nicht so perfekt ist (gibt's ja auch in europa). amerika hat ja noch seine schöne, erfolgreiche seite. aber diese verlassenen highways, die finde ich irgendwo melancholisch schön, angenehm unspektakulär - und ich finde sie nirgendwo anders auf der welt - darum würde ich ja gerne mal dahinschauen. ich mag dieses "lonely-rider"klischee :) es ist meine kindlich-naive, romantische sicht auf zerfall und verlassenheit - die lass ich mir auch nicht nehmen. ghost-town - gänsehaut.

  7. mit der amerikanischen geschichte kennen wir uns hier alle auch aus...da müssen sie uns nicht aufklären ;) vom goldrush und depression hat jeder schon gehört...und natürlich besteht der der zerfall schon länger, darum hat's ja auch was, weil es geradezu geschichte atmet. das ghosttowns sie traurig stimmt, da sind sie nicht allein - verlassenheit berührt immer, aber es bleibt auch dieser einsamer wind, der seltsam kalt berührt und die schönheit im schrecklichen.

  8. Ich gab meinen Eindruck beim Lesen der Kommentare wieder und beschrieb meine Reaktion darauf. Das dürfte in einem freien Forum möglich sein, ohne der Frechheit bezichtigt zu werden. Ihre “romantische Sicht von Zerfall und Verlassenheit” kann ich nicht teilen und meinem Befremden über “melancholisch schöne Gefühle beim Anblick verlassener Highways” oder dem angenehmen Grusel durch “ghost town - Gänsehaut” werde ich wohl Ausdruck verleihen dürfen. Auch ich kann dem “lonely-rider Syndrom” einiges abgewinnen, erfahre dieses aber offensichtlich völlig anders als Sie.

    Es war nicht meine Absicht, Nachhilfeunterricht in amerikanischer Geschichte zu geben, die Kürze meiner Angaben weisen darauf hin, daß ich ein Wissen dieser Fakten voraussetzte. Ich beschrieb lediglich den geschichtlichen Zusammenhang, in dem ich die Entwicklung der Route 66 sehe und wie ich die Begegnung mit dem alten Highway persönlich erfahren habe und versuchte dies in Gegensatz zu setzen zu der in den Kommentaren erwähnten erst kürzlich “verlorenen Größe”.

    In den 40 Jahren, seitdem ich in Amerikas “Mid-West” lebe, konnte ich Landflucht und Zerfall zurückgelassener Farmen beobachten und kenne etliche der Familien, die mit einer Mischung aus Wehmut und Gleichschnurzigkeit das verlorene “Zuhause” aus ihrer Gegenwart radieren.

    Aus meiner Heimat in der nord-westlichsten Ecke Deutschlands kannte ich die Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte aber die Ansicht von Zerfall und Verlassenheit war mir unbekannt.

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    habe ich die Freiheit, mich aufgrund falscher Unterstellungen zu verteidigen. Und die finde ich glatt frech: Häme und Schadenfreude? Hallo? Sie unterstellen mir Antiamerikanismus,und der trifft bei mir nicht zu (auch wenn's viele an den USA zu kritisieren gibt - man muss sich nur mal die "Daily Show" ansehen), und bei dem Kommentator Markus DK über mir kann ich den ebenso nicht feststellen. Den Kommentar von Freigeist kann ich weniger zustimmen, da der Zerfall der Route 66 für mich keinen aktuellen Bezug hat, sondern schon länger bestand, weit vor der aktuellen Krise. Und ich glaube, das "lonely rider"-Syndrom hat auf jeden Fall romantische Aspekte! Es ist eine auch eine Verklärung, ob sie es nun so sehen möchten, oder nicht. Falls sie aber nur mit einem sehr realistischen Blick auf den Zerfall schauen, und seine morbide "Schönheit" nicht erkennen, verstehe ich nicht, warum sie die Fotos kommentieren - Fotos stehen immer für Ästhetik.

    habe ich die Freiheit, mich aufgrund falscher Unterstellungen zu verteidigen. Und die finde ich glatt frech: Häme und Schadenfreude? Hallo? Sie unterstellen mir Antiamerikanismus,und der trifft bei mir nicht zu (auch wenn's viele an den USA zu kritisieren gibt - man muss sich nur mal die "Daily Show" ansehen), und bei dem Kommentator Markus DK über mir kann ich den ebenso nicht feststellen. Den Kommentar von Freigeist kann ich weniger zustimmen, da der Zerfall der Route 66 für mich keinen aktuellen Bezug hat, sondern schon länger bestand, weit vor der aktuellen Krise. Und ich glaube, das "lonely rider"-Syndrom hat auf jeden Fall romantische Aspekte! Es ist eine auch eine Verklärung, ob sie es nun so sehen möchten, oder nicht. Falls sie aber nur mit einem sehr realistischen Blick auf den Zerfall schauen, und seine morbide "Schönheit" nicht erkennen, verstehe ich nicht, warum sie die Fotos kommentieren - Fotos stehen immer für Ästhetik.

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