Barrierefrei Reisen "Wir wollen spektakuläre Ausblicke auch für Rollstuhlfahrer"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Kann ein Naturpark wirklich barrierefrei sein?

Matt:  Der Schwarzwald ist nicht die Ostsee. Durch die topografischen Gegebenheiten ist das Gelände natürlich nicht überall gleichermaßen zugänglich. Man kann aber Möglichkeiten schaffen: beispielsweise Wege soweit ausbauen, dass ein Mensch mit Behinderung mit dem Auto bis zu einem Plateau fahren und sich dort fortbewegen kann. Oder kenntlich machen, wo jemand mit einer elektrischen Zughilfe oder einem Handbike – einem Fahrrad, das mit den Armen betrieben wird – problemlos vorwärts kommt. Und man muss die Tour mit einer Gruppe mit eingeschränkter Mobilität anders vorbereiten. Wenn es unterwegs eine barrierefreie Toilette gibt, muss man darauf hinweisen, damit jeder Teilnehmer diese auch benutzt. Das sind sensible Themen, die ein Naturführer, der selbst Rollstuhlfahrer ist, vielleicht ein wenig einfacher ansprechen kann.

ZEIT ONLINE: Was schätzen Sie: Wie viel Prozent mehr Gäste könnten Naturparks haben, wenn sie Barrieren abbauen würden?

Matt: Zehn Prozent der Bevölkerung leben mit Mobilitätseinschränkungen. Dreißig Prozent sind davon vorübergehend betroffen. Wenn man jetzt noch den demografischen Wandel bedenkt, ist das eine Zielgruppe, die nicht nur groß ist, sondern voraussichtlich auch wachsen wird.

ZEIT ONLINE: Was bereitet Ihnen persönlich die größten Schwierigkeiten, wenn Sie Reisen?

Matt: Ich selbst bin kein gutes Beispiel: Ich habe immer eine Begleitperson dabei und bin deshalb wenig eingeschränkt. Weil ich einen mobilen Toilettenstuhl habe, der nur 60 Zentimeter breit ist, komme ich selbst durch schmale Türen. Mein letzter Urlaub begann mit einer Fahrt zum Flughafen im Morgengrauen. Am Schalter habe ich gefragt, wohin der erste Flug geht. Zwei Stunden später war ich auf Mallorca. Mir ist bewusst, dass unterwegs Schwierigkeiten warten können, und das stört mich nicht. Aber es macht mich wütend, wenn eine Reise als barrierefrei beworben wird und sie es dann nicht ist.

ZEIT ONLINE:  Oder wenn Fluggesellschaften Tickets verkaufen und dann die Gäste wegen ihres Rollstuhls nicht mitnehmen , wie Easyjet?

Matt : Das ist ein Skandal. Solche Firmen müssen boykottiert werden.

ZEIT ONLINE:  Wo haben Sie denn auf Ihren Reisen die besten Erfahrungen gemacht?

Matt: Spanien ist sehr gut auf Menschen mit Mobilitätseinschränkungen vorbereitet: In Barcelona kann man sich nahezu problemlos bewegen. Die beste Einstellung haben aber die Skandinavier. Da gibt es keine Berührungsängste.

ZEIT ONLINE:  Was muss sich ändern, damit das Reisen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einfacher wird?

Matt:  Ich wünsche mir, dass die Stigmatisierung ein Ende hat. Wenn ein Hotel ein Zimmer hat, das barrierefrei ist, bin ich darauf angewiesen, das zu buchen. Wenn dagegen alle Zimmer eines Hotels barrierefrei sind, dann kann ich mir eines aussuchen. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, dorthin zu fahren, wo er hinreisen möchte. Ohne ständig an seine Einschränkung erinnert zu werden.

 
Leser-Kommentare
  1. ...und ich wünsche Herrn Matt ausgebuchte, interessante Touren.

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