Griechenland Chios auf grünen WegenSeite 3/3

Ein Pistazienbaum. Der Mastix auf Chios ist eine besondere Art, die der Insel wegen ihres Harzes im Mittelalter zu Reichtum verhalf

Ein Pistazienbaum. Der Mastix auf Chios ist eine besondere Art, die der Insel wegen ihres Harzes im Mittelalter zu Reichtum verhalf

Beim Reeder-Ort Vrondados zeigt Giorgos seinen Wandergruppen einen 3000 Jahre alten historischen Trail. Beim kleinen Ort Lithi im Westen der Insel beginnt ein alter gepflasterter Weg, der mit vielen verschiedenen Ausblicken bis ans Meer hinunter führt, Sonnenuntergang inklusive. Er stammt aus der Zeit der osmanischen Herrschaft.

Im Frühjahr können Besucher bei speziellen Wanderungen die über 70 verschiedenen Orchideenarten der Insel bestaunen. Und wer fit und schwindelfrei ist, kann mit Giorgos in den wilden Berglandschaften im Norden der Insel den fast 1300 Meter hohen Pellineo besteigen, sich auf Wunsch hinterher massieren lassen oder an einer der vielen unverbauten Buchten der Insel entspannen.

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Auch Schüler bringt Giorgos zum Wandern. Ausflüge, bei denen die Kinder nur im Bus sitzen – das war früher auf Chios üblich und dem ehemaligen Lehrer ein Dorn im Auge. Vor vier Jahren bot er den Schulen der Insel Wanderungen an, über 5500 Schüler hat er inzwischen schon zu Fuß durch die Natur geführt. Es sollen noch mehr werden, gerne auch ausländische Kinder und Jugendliche.

Auch Vassilis und Roula wollen ihr Angebot ausdehnen. Sie überlegen, in den Wintermonaten Canyoning und Klettertouren mit örtlichen Führern wie Giorgos anzubieten. Und sie wollen ihre Ökotourismus-Pakete auf die Nachbar-Inseln und nach Nordgriechenland exportieren. Auch wenn dann sicherlich erst einmal wieder das griechische "Bürokratie-Monster" zuschlage, sagt Vassilis. Aber das sieht er als Herausforderung.

 
Leser-Kommentare
  1. Es gäbe noch so viel mehr zu sagen über die Insel, auf der ich seit mehr als sieben Jahren lebe, und auch meine Augen leuchten immer, wenn ich über Chios berichte. Oder über die Menschen hier. Oder über die harte, aber befriedigende Arbeit in den Mastixfeldern. Oder von den langen Wanderungen auf der Suche nach Orchideen, wilden Kräutern oder alten Steinen. Oder von der genügsamen Lebensweise, die so gar nicht passen will zur globalisierten, hektischen Lebensart anderswo.

    Aber dazu müsste man vielleicht in der Abenddämmerung mit parea am Strand von Gridia oder unter den Pinien auf dem Berg des Klosters von Agios Trifonas sitzen, einen Ouzo trinken oder zwei, dem Mond zuschauen, der über der Türkei aufgeht, den Duft der Mastixbäume in der Abendfeuchte riechen und so einfach das Leben Leben sein lassen, damit man begreift, was an dieser Insel so wunderbar ist.

  2. Es ist nicht nur die Bürokratie, die den Öko-Tourismus hemmt; die Chioten selbst wollen auch nur bedingt den Tourismus - und Recht haben sie. Es wäre ja schön, wenn nur Touristen kämen, die Interesse an der Kultur, der Natur, dem Leben, den Menschen, den Gebräuchen usw. zeigten. Da wären die Chioten immer bereit, sich und ihre Häuser zu öffnen und all ihre Gastfreundschaft zu zeigen. Leider gibt es allerdings viele, deren Interesse über Sonne, See, Strand und Moussaka nicht hinausreicht - und zum Glück ist den meisten dafür Anreise und Verbleib auf dieser Insel einfach zu teuer. Trotzdem: Ich kenne Vassili und hoffe, dass er mit seinem Konzept viele neue, interessierte Touristen ansprechen kann. Erst wenn man sich der Insel öffnet, lernt man ihre Magie wirklich kennen.

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