New YorkDie Stadt träumt von den "Mad Men"

Flirten, trinken rauchen: New York ist verrückt nach dem Lifestyle aus "Mad Men". Doch wo ist die Stadt, die man aus der Serie kennt? Ulf Lippitz hat sie gesucht. von Ulf Lippitz

So sexy sah New York lange nicht aus: Hauptfigur Don Draper mit Frau Betty im Restaurant

So sexy sah New York lange nicht aus: Hauptfigur Don Draper mit Frau Betty im Restaurant  |  © DVD "Mad Men - Season 1" (Universal Pictures)

Wenn der smarte Werber Don Draper ins Büro kommt, legt er zuerst Hut und Mantel ab, zündet sich dann eine Zigarette an, trinkt ein Begrüßungsglas Scotch mit seinem Chef – und diktiert einem Haufen Faltenrock-Sekretärinnen Anweisungen in den Stenoblock. Draper ist lässig, charismatisch, politisch unkorrekt – und eine Kunstfigur. Er ist der Protagonist der Fernsehserie Mad Men . Der Serie, über die New York nicht aufhören kann zu reden.

Gerade begann in den USA die vierte Staffel um die Wirrungen der Werbeagentur Sterling & Cooper in den frühen 1960er Jahren. Auf Bussen und Taxen fährt das Serien-Logo durch die ganze Stadt, eine bekannte Modekette wirbt großflächig mit fünf Hauptdarstellern der Serie und einem Rabatt von 30 Prozent auf nachempfundene Mad Men -Kleidung, die New York Times schwärmt von einer Serie auf ihrem Zenith – und als Sahnehäubchen obendrauf verkünden die Verleiher des Fernsehpreises Emmy, dass Mad Men sage und schreibe 17-mal für die Verleihung am 29. August nominiert wurde, unter anderem in der Königsdisziplin für die beste Drama-Fernsehserie.

Aber nicht nur in den medialen und tatsächlichen Schaufenstern ist die Serie präsent. Auf den Bürgersteigen, in den Restaurants und Hotels von Midtown East lebt Mad Men fort, denn hier befinden sich die Schauplätze der Serie. Und Fans, Magazine und Webseiten begeben sich auf die Suche nach ihnen. Die Stadtzeitschrift Time Out hat einen Mad Men Walk veröffentlicht, die Internetpräsenz ny.eater.com listet Restaurants aus der Serie auf – und bei gridskipper.com finden sich diverse Handlungsorte mit Kurzbeschreibungen.

Das ist der Chic, der gerade New York bewegt: die Originalkostüme von "Mad Men"

Das ist der Chic, der gerade New York bewegt: die Originalkostüme von "Mad Men"  |  © Frederik M. Brown / Getty Images

Es scheint so, dass kaum eine Sendung der vergangenen Jahre die Sehnsucht nach New York so anheizt wie die Geschichte um den smarten Creative Director Don Draper, in der Serie gespielt von Jon Hamm. Es ist dieses Fest der Nostalgie aus Walnuss-Dekor, Martini-Lunches, Zigarettenqualm und Büroflirts – fast alles verboten oder verpönt im heute durchgeregelten Manhattan.

Ausgangspunkt jeder Spurensuche ist die Madison Avenue. Zwischen der 35. und 55. Straße residierten in den 1950er und 1960er Jahren die wichtigen Agenturen, die verrückten Werber hießen damals Mad Men – eine Wort-Synthese aus Orts- und Zustandsbeschreibung. Die fiktive Agentur von Sterling & Cooper hatte ihre Büros in der 23. Straße eines Hochhauses. Vermutlich ist die aktuelle Adresse 405 Madison Avenue, zwischen 47. und 48. Straße, ganz sicher findet sich in diesen Tagen kein Stück Glamour an dieser Adresse. Die Chase Bank sitzt dort in einem Glas-Wolkenkratzer, unten lockt eine Filiale Geschäftskunden an, auf einem Schild prahlt sie mit ihrer Sprachkompetenz: Hablamos Espanol . Darauf wäre in den 1960er Jahren wirklich niemand gekommen.   

Geht man knapp 50 Jahre nach der Serienhandlung die Madison Avenue hinunter, ahnt man, warum die Gegend in den vergangenen Jahren höchstens Durchgangsreisende aus der Grand Central Station und Geschäftsleute in Brooks-Brothers-Hemden anzog: Das ist kein Ort zum Verweilen. Die Arbeitsbienen aus den zahllosen Wolkenkratzern flitzen über den Bordstein, niemand schaut hier nach oben, jeder guckt auf sein Smartphone und hetzt dem nächsten Termin hinterher.

Der Bienenkorb ist die Grand Central Station, der 1913 eröffnete Kopfbahnhof an der 42. Straße, den täglich 500.000 Menschen passieren, viele davon Pendler aus den Vororten wie Hauptfigur Don Draper – er lebt in Ossining, an der Ostmündung des Hudson Rivers.

Leserkommentare
  1. Diese Serie wäre beinahe an mit vorbeigezogen, ohne von ihr etwas mitzubekommen. Danke für den Tipp. Werde mit mal die erste Staffel besorgen.
    Das wird hoffentlich eine schöne Zeitreise in eine Welt, die noch einfacher gestrickt war und in der man noch weniger komplexe Bedürfnisse hatte. Motto: Ein Mann braucht nur seinen Martini und einen Anzug von Brooks Brothers. Auf die Dauer wäre das zwar etwas öde, aber für die Dauer von 1-2 Serien mal eine tolle Abwechslung.

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    und wenn man damit kein Problem hat, empfehle ich die Originalfassung, da die deutsche Fassung einiges vom Charme nimmt.

    Wundervolle Kleider und ein Blick zurück zu einer Lässigkeit und Coolness, die bezaubert.

  2. und wenn man damit kein Problem hat, empfehle ich die Originalfassung, da die deutsche Fassung einiges vom Charme nimmt.

    Wundervolle Kleider und ein Blick zurück zu einer Lässigkeit und Coolness, die bezaubert.

  3. Bitte verzichten Sie auf beleidigende Aussagen und formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/vv

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    ich habe den Artikel damals zum Anlass genommen, mir die DVDs mitbringen zu lassen und mich durch manche sauertöpfischen Kommentare von verschiedener Seite nicht davon abbringen lassen. Mittlerweile kenne ich drei Staffeln und kann sie nur empfehlen.

  4. ich habe den Artikel damals zum Anlass genommen, mir die DVDs mitbringen zu lassen und mich durch manche sauertöpfischen Kommentare von verschiedener Seite nicht davon abbringen lassen. Mittlerweile kenne ich drei Staffeln und kann sie nur empfehlen.

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  • Schlagworte New York | Stadt | Manhattan | USA | Restaurant | Los Angeles
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