SchwarzwaldAuf Tour mit dem Feldberg-Ranger

Rechtzeitig zum 110. Deutschen Wandertag gibt es im Schwarzwald zwei Neuigkeiten: den wild-romantischen Wasserfallsteig und den "Hosentaschen-Ranger". von 

Blick vom Feldberg auf den Feldsee

Blick vom Feldberg auf den Feldsee  |  © Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg

Feldberg-Steig:Wandern mit Videobegleitung

Beim Naturschutzzentrum wird unsere Gruppe mit einem echten Schwarzwald-Original bekannt gemacht: Achim Laber, Feldberg-Ranger, kennt den Schwarzwald wie den Inhalt seiner tannengrünen Umhängetasche.

Seit über 20 Jahren arbeitet Laber auf Deutschlands höchstem Mittelgebirge. Er sieht ein wenig aus wie Lex Barker alias Old Shatterhand, Blutsbruder des edlen Häuptling Winnetous. Deswegen hat man ihm auch die Hauptrolle in einem Naturfilm gegeben: Achim Laber ist der Hosentaschen-Ranger, der Hauptdarsteller einer Reihe mehrminütiger Videoclips über das Naturschutzgebiet Feldberg. Die Filme, ursprünglich für Wanderer gedreht, haben mittlerweile auf YouTube einen gewissen Kultstatus erreicht. 

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Als Ranger ist Achim Laber ein viel beschäftigter Beamter, der überwiegend Schulklassen über den Feldberg führt. Deswegen gibt es ihn inzwischen auch als Ranger to go, zum Mitnehmen. Ausgestattet mit einem kleinen digitalen GPS-Abspielgerät kann sich der Feldberg-Wanderer unterwegs die Videoclips mit Laber ansehen. Wer rein wissenschaftliche Beiträge erwartet, wird enttäuscht. Die Kurzfilme vermitteln viel Wissenswertes zu Flora, Fauna und Geschichte des Naturschutzgebietes am Feldberg. Vor allem aber sind sie lustig: Seit es den Hosentaschen-Ranger gibt, leiden vermutlich mehr Wanderer an Lach–, denn an Wadenkrämpfen.

Wer gar nicht gut zu Fuß ist, kann sich den 12 Kilometer langen Feldberg-Steig auch im Haus der Natur als 3-D-Show ansehen. Eine DVD mit den Feldberg-Clips für zu Hause gibt es im Souvenirladen zu erstehen.

Achim Laber hat Humor und jede Menge Sachkenntnis

Achim Laber hat Humor und jede Menge Sachkenntnis  |  © Haus der Natur

Doch wir haben ja das Original, nicht in der Tasche, sondern vor uns. Laber hat die Gabe, einfache Dinge spannend zu erklären. Wer mit ihm unterwegs ist, lernt viel – zum Beispiel, dass auf dem Feldberg ein Wesen beheimatet ist, das es sonst nirgendwo auf der Welt gibt: der Lumbricus badensis. Ein Wurm. Nicht so spektakulär wie ein Wolf oder Bär. Aber immerhin bringt es der badische Riesenregenwurm auf stattliche 60 Zentimeter Länge und einen zeigefingerdicken Umfang. Sozusagen der Saurier der Schwarzwald-Würmer. "Das gibt es eben nur bei uns", sagt Achim Laber mit seinem unverkennbaren Schwarzwälder Dialekt.

Dann erklärt er uns seltene Pflanzen. Den Schweizer Löwenzahn, der sonst nur in den Alpen vorkommt. Oder Bärwurz, Blutwurz und Gelber Enzian, aus denen Schnaps gebrannt wird. Und, auch das erfahren wir, dass sich einst am Feldberg die Urdonauquelle befunden hat.

Fast vergessen wir bei all den Anekdoten, die herrliche Landschaft und Fernsicht zu genießen. Steile Pfade und schroffe Felsen, eine Kuhherde, die mit schwingenden Glocken auf der Almwiese weidet. Nach Rast und Einkehr in der Baldenweger Hütte geht es weiter auf dem Feldberg-Steig. Am Abend, beim Ausklang im Raimartihof beim Feldsee, fallen uns die Worte von Achim Laber wieder ein: "So schön kann’s nur im Schwarzwald sein."

Infos zum Hosentaschen-Ranger: Die Geräte können täglich von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr im Haus der Natur geliehen werden. Leihgebühr: 7 Euro pro Tag. Es müssen 30 Euro Pfand pro Gerät hinterlegt werden, zusammen mit einer Kopie des Personalausweises. Rückgabe nach 17:00 Uhr im Hotel Feldberger Hof. Telefonische Reservierung unter Tel: 07676/93 36 30. Haus der Natur, Dr.-Pilet-Spur 4, 79868 Feldberg. www.naz-feldberg.de Infos zum Feldberg-Steig unter www.feldberg-steig.de
 


Der vollständige naturbelassene Todtnauer Wasserfall steht seit Juni 1987 unter Denkmalschutz

Der vollständige naturbelassene Todtnauer Wasserfall steht seit Juni 1987 unter Denkmalschutz   |  © pobre.ch/flickr.com

Der Wasserfallsteig: Alles ist in Bewegung

Geradezu prädestiniert für heiße Sommertage ist der neue Wasserfallsteig, den wir am nächsten Tag erkunden. Auf Anhieb schaffte der knapp elf Kilometer lange Steig die Auszeichnung als "Premiumwanderweg" des Deutschen Wanderinstituts. Der Wasserfallsteig folgt zunächst dem Verlauf der Wiese, die am Einsstieg beim Feldbergpass auf 1200 Metern Höhe liegt. Der schmale Pfad führt durch eine wild-romantische, mit Felsen durchsetzte, kühle und schattige Klamm abwärts.

Beim Dorf Fahl stürzt das Wasser des Rotenbachs als "Fahler Wasserfall" 50 Meter zu Tal. Die "Fallenden Wasser", so wird vermutet, waren einst Namensgeber des kleinen Ortes. Das Wasser schäumt und gurgelt und bietet müden Wanderfüßen eine Erfrischung, bevor der Weg über Weiden hinab nach Todtnau führt.

Um zum Todtnauer Wasserfall, seit 1987 unter Denkmalschutz stehend, zu gelangen, muss zunächst die verlorene Höhe zurückerobert werden. Nach einem anstrengenden Anstieg auf steilen Waldwegen bieten sich eindrucksvolle Ausblicke auf Deutschlands höchsten, naturbelassenen Wasserfall: Kaskadenförmig stürzt er zwischen Todtnauberg und Aftersteg fast 100 Meter in die Tiefe.

Als Relikt der letzten Eiszeit entstand durch die gewaltige Erosionskraft des Eises eine Bruchstelle. Das Eis aus dem Todtnauer Hochtal floss in den Hauptgletscher des Wiesentals. Der Stübenbach-Gletscher, von dessen Quelle der Wasserfall gespeist wird, drang nicht so tief in das Tal ein, sodass nach Abschmelzen der Gletscher zwischen Todtnau und Todtnauberg ein Hängetal zurückblieb, über dessen Mündung heute noch der Stübenbach kraftvoll ins Tal fällt.

Zum Abschluss des Wasserfallsteigs ist noch einmal Kondition gefordert. Vom Fuße des Wasserfalls geht es über Treppen stetig aufwärts. Der Weg lohnt allemal, denn die Aussicht auf den Wasserfall, der sich mit archaischer Kraft über die Felsen stürzt, ist grandios. Welche Energie das Wasser auf seinem Weg entfaltet, wird uns aber erst bewusst, als wir in Todtnauberg die Mündung des Stübenbachs erreichen: Er plätschert gemächlich wie ein stiller Bergbach. Sei's drum. Wir sind ja auch müde.

Infos zum Wasserfallsteig: Tourismus GmbH zwischen Feldberg und Belchen, Meinrad-Thoma-Str. 21, 79674 Todtnau, Tel. 07671/9 69 69-5 oder www.wasserfall-steig.de

 

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