Ein Lkw bahnt sich seinen Weg über das Gelände – drei Achsen, hoch wie ein Haus, quietschgelb lackiert und mit dröhnendem Motor. Doch die Camper, die ringsum mit ihren Kaffeetassen in der Spätsommersonne sitzen, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Manch einer winkt, weil er den Fahrer kennt. Andere nehmen sich vor, später mal vorbeizuschauen, weil sie ein ähnliches Projekt in der Mache haben. Der gelbe Riese befindet sich hier in bester Gesellschaft zwischen futuristisch anmutenden Allrad-Trucks, verspielten Oldtimern und farbenfrohen Reisemobilen.

Manchmal hat Fernweh eben mit starken Motoren und Dieselgeruch zu tun. So wie in Mendig in der Eifel. Jedes Jahr Anfang September findet hier das alljährliche Willy-Janssen-Treffen statt – seit über 30 Jahren Mekka für Globetrotter und ihre Fahrzeuge.

Es sind Reisende von einem besonderen Schlag. Sie durchqueren mit ihren Lkw Afrika oder lenken ihre Busse durch den indischen Dschungel. Sie verzichten liebend gern auf Zimmerservice und Büffet, wenn sie dafür eine Shisha am Lagerfeuer von Beduinen rauchen können oder ihr Abendessen mit einer mexikanischen Großfamilie teilen dürfen. Und weil ihnen zwei Wochen Pauschalurlaub nicht genügen, kündigen sie ihre Jobs und verkaufen Haus und Hof, um für mehrere Jahre auf Tour zu gehen – oder gleich ihr restliches Leben als moderne Nomaden mit mobiler Einzimmerwohnung zu verbringen.

Wer langsam reist, sieht mehr © Stefanie Reinberger

So wie Sabine und Burkhard Koch, die im Frühjahr von einer Afrikaumrundung zurückgekehrt sind. Vor sechseinhalb Jahren erfüllten sie sich einen Lebenstraum und bezogen ihr Expeditionsmobil, einen Magirus Deutz 170 D 12 A, Baujahr 1983, wegen seiner auffälligen Farbe liebevoll "Lila Pistenkuh" genannt. Seither haben die beiden ihr Zuhause irgendwo zwischen Indien und Südafrika, eben da, wo die Route sie hinführt.

"Die Initialzündung gab eine Türkeireise vor vielen Jahren", sagt Sabine Koch. Damals, mit Anfang 20 und noch im Ford Transit unterwegs, war das Paar in einem abgelegenen Dorf nahe der iranischen Grenze beim Bürgermeister zu Gast, der sie auch zur Hochzeit seines Sohnes einlud. Die Feier war drei Tage später und sollte ebenso lange dauern. Doch die Kochs mussten zurück nach Deutschland und lehnten daher ab. Der Abschied am folgenden Tag war mehr als kühl. "Da wurde uns klar: Wenn wir Begegnungen mit Menschen in fernen Ländern suchen, müssen wir zeitlich ungebunden reisen."

Zurück in der Heimat wurde gerechnet und überlegt: Wie viel Geld muss man zur Seite legen, um finanziell unabhängig zu sein und ausschließlich von den Kapitalerträgen leben zu können? Lässt sich eine solche Summe erwirtschaften? Die Kochs haben es geschafft. Viel schneller als erwartet. Bereits mit Mitte Dreißig war das Sparziel erreicht, und Burkhard Koch begann sich intensiv um das Reisefahrzeug zu kümmern – die Basis für ein Leben unterwegs.

Nach mehr als sechs Jahren auf Achse wirken die beiden 45-Jährigen extrem entspannt. Sie sind braun gebrannt. Strahlen eine Selbstsicherheit aus, die man so nur von Weltreisenden kennt, die schon viele Grenzen hinter sich gelassen haben. 

Momentan machen sie ein wenig Urlaub vom Reisen, wie sie es nennen. Ab und zu brauchen auch Weltenbummler eine Auszeit, um Eindrücke zu verarbeiten und das zu essen, was ihnen unterwegs fehlt: Wurst, Käse, Sahnetorte. "Und wir verbringen natürlich Zeit mit der Familie", sagt Sabine. "Wir sind vor wenigen Wochen Großeltern geworden, da war es uns wichtig, hier zu sein."