Leben im Wohnmobil Fernweh riecht nach DieselSeite 2/2

Angela und Uwe Sell wollen auf dem Landweg nach Indien

Angela und Uwe Sell wollen auf dem Landweg nach Indien

Nach Mendig, zum "Willy-Treffen", kommen die Kochs vor allem, um Bekannte zu sehen, die ebenfalls unterwegs sind und denen sie sonst nur selten begegnen – in Deutschland, oder irgendwo in fernen Ländern, falls sich die Reiserouten kreuzen. Nebenbei verkaufen sie Bücher und DVDs mit Berichten von unterwegs.

Das Gelände hat sich im Laufe des Wochenendes in einen Campingplatz mit vielen PS und wenig Zelten verwandelt. Vor den farbenfrohen Mobilen werden Grills aufgebaut oder Tajines gegart, marokkanische Schmorgerichte im gleichnamigen Tontopf. Hier wird geschraubt, dort wechseln ein paar Ersatzteile den Besitzer. Man fachsimpelt über die ideale Solaranlage, den praktischsten Innenausbau und die sicherste Route durch Pakistan. Ein buntes Durcheinander. Und über all dem hängt der Geruch von Diesel und Motoröl vermischt mit dem Duft von orientalischen Speisen, Nackensteaks und Bratwurst.

"Wir wollten einen Ort der Begegnung schaffen, an dem Reisende sich austauschen können", sagt Marianne Janssen, die das Treffen im Jahr 1979 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Willy initiierte. Gerade mal fünf oder sechs Autos seien es gewesen, die damals in Janssens Garten Platz fanden. Dieses Jahr haben die Veranstalter mehr als 650 Fahrzeuge gezählt – meist aus Deutschland oder den Niederlanden. Ein Teilnehmer kam sogar aus Norwegen angereist.

Auch Angela und Uwe Sell ließen sich von der langen Anfahrt aus Berlin nicht abschrecken. Das Ehepaar ist weit vom Nomadenleben der Kochs entfernt. Sie können sich auch gar nicht vorstellen, hier in Deutschland alles aufzugeben. Aber sie haben einen Traum. Auf der Seitentür ihres Mercedes 609D steht mit Kreide geschrieben: Berlin – Kerala 2012.

Der Benz ist innen noch fast roh. Mit 53 und 55 Jahren sind sie zum ersten Mal beim Treffen und lassen sich von erfahrenen Auto-Nomaden für den Innenausbau inspirieren. "Wir lernen unglaublich viel, man glaubt ja gar nicht, woran man alles denken muss, wenn man unabhängig reisen will", sagt Uwe Sell. Das beste sei aber die Offenheit, mit der ihm die erfahrenen Globetrotter begegneten.

"Am besten in kleinen Schritten anfangen, es muss nicht gleich die Weltreise sein", rät der Langzeitreisende Koch den Neulingen in der Szene. "Wichtig ist, dass man seine Träume verwirklicht und für Abwechslung im Leben sorgt!" Auch wenn unterwegs manchmal soziale Kontakte fehlen, der Austausch in der Muttersprache. Oder wenn es wirklich brenzlig wird, wie damals, als die Pistenkuh in Mauretanien in einem Salzsee einsank. Dort kamen die Kochs nur mithilfe von drei Beduinen wieder heraus, die zwei Tage lang Sand herbeischafften, um den Untergrund zu stabilisieren. Oder als sie im Kongo in die Hände von Rebellen gerieten. "Das hat uns noch lange beschäftigt", sagt seine Frau.

Das sind Geschichten, die man abends am Lagerfeuer erzählt. Dann, wenn die Dieselmotoren längst verstummt sind und sich die Weltenbummler zwischen ihren bulligen Trucks in kleinen Runden zusammenfinden, um mit einem Glas Rotwein in der Hand von vergangenen Abenteuern zu berichten. Von Erlebnissen, die einem Angst und Bange machen können, von Schmiergeldern, vertrackten Einreisebestimmungen und Pannen, wo man sie am wenigsten gebrauchen kann. Aber eben immer wieder auch von atemberaubenden Naturspektakeln, unbeschreiblicher Gastfreundschaft und herzlichen Begegnungen mit Menschen, denen unser Leben so fremd ist wie uns das ihre.

Das ist der Stoff aus dem Reiseträume gewoben werden. Und jeder in der Runde weiß, dass er wieder losfahren wird – sobald wie irgend möglich.

Infos unter www.willy-janssen.de

 
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