Passagiere am Flughafen Newark Liberty in New Jersey (Archivbild) © EPA/JUSTIN LANE/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Hasbrouck, Sie sind Reisejournalist und Autor von Reiseführern. Vor Kurzem haben Sie das amerikanische Department of Homeland Security verklagt, weil Sie keinen Einblick in die über Sie gesammelten Daten erhalten haben. Nun haben Sie außerdem eine Beschwerde gegen die Lufthansa wegen Verletzung des Datenschutzes eingereicht. Wozu all der Aufwand?

Edward Hasbrouck: Um herauszufinden, welche Daten über mich erhoben worden sind und was mit ihnen passiert ist. Als Reisejournalist beschäftige ich mich schon eine ganze Weile mit dem Umgang mit Passagierdaten. Bis zum 11. September 2001 war das eigentlich eine Frage des Umgangs mit Kundeninformationen. Weil es in den USA kein Datenschutzrecht gibt, haben Fluglinien schon damals die Angaben und Daten ihrer Kunden verkauft. Nach dem 11. September aber haben viele Regierungen, und vor allem die US-Regierung, angefangen, sich für diese Daten zu interessieren. Und dafür, wie man diese Daten zur vollkommenen Überwachung von Reisenden nutzen kann. Also habe ich meine eigenen Daten beantragt, um herauszufinden, welche Informationen über mich gesammelt wurden. Aber was ich erhielt, war offensichtlich unvollständig und manche Teile hatte man sogar geschwärzt.

ZEIT ONLINE: Welche Daten wurden über Sie denn erhoben, soweit Sie das trotz der Auslassungen und Schwärzungen erkennen konnten?

Hasbrouck: Der Datensatz enthielt die Reservierungsdaten der Fluglinien. Aber es waren auch sehr private Informationen darunter. Beispielsweise Angaben darüber, mit wem ich gereist bin, ob das ein Mann oder eine Frau war, ob wir bei einer Übernachtung zwischen zwei Langstreckenflügen ein Zimmer mit getrennten Betten oder Doppelbett gebucht haben. In der Datenbank steht also letztlich auch, wer mit wem schläft. Außerdem werden natürlich IP-Adresse, Kreditkartennummern und Handynummern gespeichert, aber auch die Telefonnummer von einem Freund, von dessen Apparat aus ich einmal einen Flug bestätigt hatte. Der kurze Dialog bei der Einreise wird festgehalten. Und mir ist der Fall eines Reisenden bekannt, bei dessen Einreise auch notiert wurde, welches Buch er bei sich trug.

ZEIT ONLINE: Wofür werden diese Daten verwendet?

Hasbrouck: Die Daten werden genutzt, um Verbindungen zwischen Menschen herzustellen. Es gibt einen individuell ermittelten Risikoindikator, anhand dessen entschieden wird, ob man fliegen darf oder nicht. Anders gesagt: Es handelt sich um eine Verdachtgenerierungsmaschine, eine Art Sippenhaftsystem. Wenn ich zum Beispiel in einem Hotel absteige und von der dortigen Telefonnummer aus eine Fluglinie anrufe und Jahre später ein Terrorverdächtiger in diesem Hotel nächtigt und diesen Telefonanschluss nutzt, gibt es in der Datenbank einen direkten Link zwischen mir und dem Terrorverdächtigen. Auf diese Weise wird jeder wie ein Verdächtiger behandelt.

ZEIT ONLINE: Wer wird von dieser Datenbank erfasst?

Hasbrouck: Alle, die in die USA reisen, aus den USA ausreisen, in den USA einen Transitstop haben oder auch nur über die USA hinwegfliegen. Sie müssen nicht einmal in den USA landen, damit das Department for Homeland Security ihre Daten erhebt. Wenn Sie von Kanada nach Kuba fliegen, bekommen die amerikanischen Behörden ihre Passagierdaten.

ZEIT ONLINE : Woran merkt ein Tourist denn, dass das Department for Homeland Security der Meinung ist, man sei ein Sicherheitsrisiko?

Hasbrouck: Die US-Regierung macht dazu keine Angaben. Man merkt es daran, dass die Fluglinie nicht in der Lage ist, einen einzuchecken. Wenn Sie kein Flugticket kaufen können, aber Ihnen auch keiner erklären kann, warum nicht, dann hat Sie wahrscheinlich das Department for Homeland Security im Blick. Die Mitarbeiter der Fluglinie wissen den Grund auch gar nicht. Generell sind die Fluglinien angewiesen, keine Angaben über die Anordnungen zu machen, die sie von der US-Regierung erhalten.

ZEIT ONLINE: Sind Fälle bekannt, bei denen Reisenden wegen der Angaben in der Datenbank Flüge verwehrt worden sind?