Grönland Gefrorene Fußstapfen

Das schmelzende Eis Grönlands ist zum Symbol des Klimawandels geworden – und zu einem Reiseziel, das immer mehr Menschen anzieht. Kann das Land das verkraften?

Die Stadt Ilulissat, auf Dänisch Jakobshavn, ist mit 4500 Einwohnern die drittgrößte Ortschaft Grönlands

Die Stadt Ilulissat, auf Dänisch Jakobshavn, ist mit 4500 Einwohnern die drittgrößte Ortschaft Grönlands

Die Wege führen vom Eqi-Gletscher bis zum Inlandeis. Es sind Spuren eines Menschen, gut sichtbar in Flechten und Kraut konserviert. Sie stammen von Paul-Emile Victor, der seine jahrelangen Untersuchungen am grönländischen Inlandeis 1953 beendete und in seine Heimat zurückkehrte. Der Name des Polarforschers ist den meisten Menschen heute kein Begriff mehr, aber die arktische Landschaft hat den Franzosen nicht vergessen. Seine Trampelpfade sind heute noch zu sehen. Die geringe chemische Verwitterung nördlich des 66. Breitengrads ist daran schuld.

Eismassen brechen vom Gletscher ab und schwimmen in den Fjord

Eismassen brechen vom Gletscher ab und schwimmen in den Fjord

Das Ökosystem Arktis ist empfindlich. Seit Berichte über den Klimawandel den Blick der Öffentlichkeit nach Grönland gelenkt haben, steigt die Zahl der Touristen  kontinuierlich: Im Jahr 2008 kamen 36.000 Besucher über den Luftweg hierher. Ganze 42 Kreuzfahrtschiffe brachten 29.000 Gäste, 2004 waren es erst 16.000. Es ist eine Art Katastrophentourismus: Einmal noch das Inlandeis sehen, bevor es sich verflüssigt. Vielleicht ist es auch die Sehnsucht nach einer der letzten unberührten Landschaften der Erde, die die Menschen in witterungsbeständige Anoraks verpackt ins Eis treibt. Oder von beidem etwas. Und während das Inlandeis schmilzt, beginnen die Bewohner, das globale Interesse für sich zu nutzen. Sie arbeiten als Händler, als Hotelangestellte, als Restaurantbesitzer.

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Anreise

Aus Deutschland führt die Reise nach Grönland über Kopenhagen, Direktflüge gibt es nicht. Ab Kopenhagen mit der nationalen Fluggesellschaft Air Greenland nach Kangerlussuaq. Von hier geht’s mit kleinen viermotorigen Dash-Maschinen nach Ilulissat. Air Greenland ist Monopolist und fliegt Grönland nur einmal am Tag an (außer Sonntag). Deshalb sollte man früh buchen. Wer einem Abstecher nach Island nicht abgeneigt ist: In den Hauptreisemonaten gehen ab Rejkjavik Direktflüge mit Iceland Air nach Ilulisaat.

Unterkunft

Hotel Arctic, oberhalb des Hafens von Ilulisaat Richtung Flughafen, Tel. +299 944153, DZ ab 1550 DKK ÜF, Übernachtung im Iglu für einen Aufschlag von 150 DKK/Tag. Das Hotel in Ilulisaat, tolle Lage an der Disko-Bucht, leckere Gerichte im Restaurant Ulo, samstags grönländisches Buffet.

Hotel Icefiord, Tel. +299 944095, DZ ab 1425 DKK ÜF (Hochsaison). Am anderen Ende des Ortes, ebenfalls direkt an der Disko-Bucht gelegen. Beherbergt die nördlichste Bierbrauerei der Welt. www.hotelarctic.com

Ausflüge

Die sogenannten Outfitter organisieren geführte Exkursionen per Boot, Hubschrauber oder Hundeschlitten – das natürlich nur im Winter – und verleihen Satelliten-Telefone und GPS-Geräte.

World of Greenland, zentral an der Hauptstraße gelegen, Tel. +299 944302. Hier kann man auch Touren vorab per Internet buchen. Deutscher Ansprechpartner ist Ulf Klüppel (uk@wog.gl). www.worldofgreenland.com

Greenland Tours Elke Meissner, bei World of Greenland direkt die Straße hoch, Tel. +299 944411. Outfitter und deutsches Honorarkonsulat in einem. Bei Touristen sehr beliebt: Besuch des kleinen Ortes Rodebay. Hier gibt es u.a. das von einem deutschen Ehepaar betriebene Restaurant H8.www.greenlandtours.gl

Tipp: Individualisten ist der deutsche Grönland-Guide Claus Rink zu empfehlen. Der promovierte Glaziologe konzipiert und organisiert (auch längere) Trekking-Touren für kleine Gruppen – inklusive Ausrüstungsberatung und Wissensvermittlung in Sachen Geomorphologie (Tel. 177-5964752, E-Mail: rink.uds.enviroreport@t-online.de, www.knowledgecompany.org)

Wissenswertes

Durchschnittstemperaturen in Ilulissat sind im Januar -16,4 Grad, im Juli 9,6 Grad, höchste gemessene Temperatur liegt bei 18 Grad. Die Hauptreisemonate sind im Sommer Juli/August, im Winter März/April.

Polarnacht von Ende November bis zum 13. Januar, Mitternachtssonne vom 20. Mai bis zum 20. Juli. Polarlichter sind von Anfang September bis Ende April zu sehen.

Auf Grönland leben 56.000 Menschen, davon sind 88% Inuit. Landessprache ist Grönländisch. Zweite Amtssprache ist Dänisch, mit Englisch kommt man in den Hauptorten gut durch.

Grönland ist seit 2009 ein eigener Staat innerhalb des dänischen Königreichs. Es ist seit 1985 nicht mehr Teil der EU, d.h. man sollte am besten mit Reisepass reisen. Website des grönländischen Fremdenverkehramts: www.visitgreenland.de

Klimawandel

Hauptindikator des Klimawandels ist auf Grönland neben dem Rückgang des Meereises das Schrumpfen des Inlandeises. Dessen Ausdehnungen belaufen sich auf rd. 1,8 Mio. km2, das entspricht der 14fachen Größe von England. Die Eiskappe ist bis zu 3 km dick und bedeckt 80% der Insel. Das Inlandeis verliert im Jahr 257 km3 an Masse; der Verlust wird im Jahr 2080 nach Schätzungen fast doppelt so groß sein wie heute. Das Schmelzwasser beeinflusst die Meeresströmungen, die wiederum das Klima beeinflussen – in welchem Ausmaß, darüber wird noch spekuliert.

Der Eisschild bindet 10% des weltweiten Süßwasservorrats. Würde das Eis komplett abschmelzen, hätte das einen Anstieg des Meerwasserspiegels von 6 bis 7 Metern zur Folge. Der Rückzug des Eises zeigt sich auch an den Gletscherzungen: Die Abbruchkante des Sermeq Kullajeq z.B. ist in den letzten 40 Jahren um 11 km zurückgegangen. Insgesamt, meldet www.climategreenland.gl, kalben die Gletscher heftiger und schneller als früher. www.climategreenland.gl

Ilulissat, Grönlands drittgrößte Siedlung, liegt 250 km nördlich des Polarkreises am Fjord Kangia. Der Sermeq Kujalleq, produktivster Gletscher der nördlichen Hemisphäre, entlässt durch diesen Fjord ungezählte Eisberge in die arktische See. Die Unesco nahm ihn wegen seiner beeindruckenden Größe in ihre Welterbeliste auf. Im Jahr 1996 drehte der dänische Regisseur Bille August dort den Film

Fräulein Smillas Gespür für Schnee.

Auch das hat dazu beigetragen, dass sich der Ort zu einer Art touristischem Zentrum des Landes entwickelte. Ilulissat will mit anderen Reisezielen mithalten. Nächstes Jahr wird das Hotel Arctic seinen Fitness- und Wellnessbereich eröffnen. Dass der Kaffee in der Brasserie aus Italien und die Schnäpse an der Bar aus aller Welt stammen, wird von vielen der Gäste vorausgesetzt.

Der Souvenirhandel floriert. Die Gäste kaufen von den Inuit gefertigte Tupilaks: kleine Figuren, die mythische Wesen darstellen. Es gibt Felle von Polarfüchsen und Rentieren oder Robbenwesten. Auch Eisbärkrallen, obwohl deren Ausfuhr verboten ist. Gekauft werden sie dennoch.

Leser-Kommentare
    • ztc77
    • 01.10.2010 um 16:11 Uhr

    ..nimmt man Holzstege in einem Land ohne Bäume?

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    Die werden mit dem Schiff nach Grönland gebracht. Das war schon zu Zeiten des roten Erik so.

    Die werden mit dem Schiff nach Grönland gebracht. Das war schon zu Zeiten des roten Erik so.

  1. Die werden mit dem Schiff nach Grönland gebracht. Das war schon zu Zeiten des roten Erik so.

    Antwort auf "Woher.."
    • Elite7
    • 01.10.2010 um 22:28 Uhr

    Sorry, ich glaub den Quatsch echt nicht. Klimawandel gab es immer, haben Menschen keinen Einfluss drauf. Zerstören wir das natürliche Gleichgewicht der Erde, durch systematische Vernichtung der Regenwälder natürlich weiter, dann könnte es natürlich passieren... Ja was eigentlich? Weis keiner.
    Wir wissen aber wohl, dass zum Großteil aus dem Holz Papier gemacht wird, was man auch wunderbarst aus anderen Fasern machen könnte (Laut Experten sogar höherwertiges). Aber das gute Pflänzchen namens Hanf ist ja hierzulande aus ungeklärten Gründen verboten.

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    > Klimawandel gab es immer, haben Menschen keinen Einfluss
    > drauf.

    Zumindest vor der Industriellen Revolution nicht. Aber seitdem blasen wir Öl und Kohle in die Luft, die sich im Laufe von zig MILLIONEN Jahren duch langsame biologische Prozesse in der Erde angesammelt haben - und all der angesammelte Kohlenstoff kommt nun innerhalb von nur Jahrzehnten zurück in die Atmosphäre.

    Warum also sollte der Mensch jetzt auf das Klima keinen Einfluss haben sollen?

    > Klimawandel gab es immer, haben Menschen keinen Einfluss
    > drauf.

    Zumindest vor der Industriellen Revolution nicht. Aber seitdem blasen wir Öl und Kohle in die Luft, die sich im Laufe von zig MILLIONEN Jahren duch langsame biologische Prozesse in der Erde angesammelt haben - und all der angesammelte Kohlenstoff kommt nun innerhalb von nur Jahrzehnten zurück in die Atmosphäre.

    Warum also sollte der Mensch jetzt auf das Klima keinen Einfluss haben sollen?

  2. 4. @3

    > Klimawandel gab es immer, haben Menschen keinen Einfluss
    > drauf.

    Zumindest vor der Industriellen Revolution nicht. Aber seitdem blasen wir Öl und Kohle in die Luft, die sich im Laufe von zig MILLIONEN Jahren duch langsame biologische Prozesse in der Erde angesammelt haben - und all der angesammelte Kohlenstoff kommt nun innerhalb von nur Jahrzehnten zurück in die Atmosphäre.

    Warum also sollte der Mensch jetzt auf das Klima keinen Einfluss haben sollen?

    Antwort auf "Alles gelogen"
  3. Ich habe neulich eine Dokumentation ( ich glaube im ZDF? ) zum Thema Reisen und Urlaub in Grönland gelesen, wonach Grönland inzwischen nicht nur als Urlaubziel immer beliebter wird ( siehe z.B. http://www.groenland-urla... ), sondern auch als Auswanderungsland zunehmend interessanter wird. Ich denke, in einigen Jahrzehnten könnte Grönland auch für die Industrie interessant werden. Traurig aber wahr: Unter dem schmelzenden Eis werden sich garantiert noch ungeahnte Schätze wie Öl, Erdgas, etc. und auch fruchtbarer Boden befinden. Die größte Insel der Welt dürfte in Zukunft also zunehmend interessanter werden.

  4. Hallo zusammen! Kürzlich lief eine sehr spannende Dokumentation zum Thema Grönland im ARD. Hier ging es unter anderem um das Thema Urlaub auf Grönland. Ich persönlich war 2009 auf Grönland und muss sagen... es ist wirklich noch Natur pur. Zwar findet auch hier (sehr) langsam die Industrialisierung - vorangetrieben durch Dänemark ( http://de.wikipedia.org/wiki/Dänemark ) - aber das Land hat noch sehr viel Potenzial, besonders in Richtung Tourismus. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen einmal nach Grönland zu Reisen ( http://www.grönland.biz ). Besonders Kreuzfahrten bieten sich hier an. Wer nicht so gerne mit dem Schiff fährt, für den biete sich ein Flug ab Dänemark bzw. Island an. Die eigene Fluglinie Air Greenland ( http://www.airgreenland.com/ ) bietet regelmäßige Flüge nach Grönland an. Es lohnt sich! Viele Grüße, Marcell

  5. Für alle die noch nie auf Grönland waren, aber durchaus interesse an einer Reise ( mache sagen auch Expiedition ;) ), für die habe ich hier noch einen Tipp mit mehr Informationen: http://www.xn--grnland-b1... - dort findet man nützliche Informationen rund um das Thema Urlaub auf Grönland.

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