Musikfestival Mimo Neues Leben im Barock Brasiliens
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 Alle wollen Mario Canonge aus Martinique sehen, der zum ersten Mal in Brasilien auftritt

Am Eingang des Franziskanerklosters sitzt Frei Roberto. Der Mönch trägt weiße Zivilkleidung und hat einen offenen Blick. Er hatte Lu Araújo als erster der örtlichen Ordensbrüder seine Türen geöffnet. Jetzt erklärt er: "Wir haben hier im Kloster 6000 Quadratmeter bebaute Fläche und sind nur noch fünf Mönche – wie soll da Leben hinein kommen? Etwas Besseres als das Festival mit anspruchsvoller Musik hätten wir uns nicht wünschen können!" Hinter ihm klingen Blechbläser, Streicher und andere Saiteninstrumente aus der Bibliothek, dem Lesesaal und anderen Räumen. Meister aus ganz Brasilien üben mit örtlichen Nachwuchsmusikern für ein großes Abschlusskonzert: Diese Nachwuchsförderung gehört ebenso wie Workshops mit allen Musikern zum Konzept. "Damit etwas bleibt, wenn die Show vorbei ist", wie Lu sagt. Nach Probenende schließt Frei Roberto das Kloster ab und geht zu den Konzerten. So begeistert ist er davon, dass er plant, auch dann noch zum Festival nach Olinda zu kommen, wenn er demnächst – wie bei den Franziskanern üblich – einmal versetzt werden sollte.

In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal beinahe so viele Filme wie Konzerte. Auf der Leinwand vor der Igreja da Sé läuft ein Stummfilm über das Leben eines Fischers in Recife, begleitet vom letzten Kinopianisten Brasiliens. Daneben drängen sich schon frisch frisierte ältere Damen neben Teenies mit Tätowierungen an allen sichtbaren Körperteilen in der Schlange für das Konzert in der Kirche. Anzugträger warten neben Jungs mit Rastazöpfen. Sie wollen den Jazzpianisten Mario Canonge aus Martinique sehen, dessen Trio zum ersten Mal in Brasilien auftritt.

Wenig später leuchten grüne Scheinwerfer auf Schlagzeug, Piano, Bass und den Christus am Kreuz, und der kleine Mario schwenkt die Hüften auf dem Klavierhocker, während er einen mitreißenden Zouk-Rhythmus anstimmt. Bald animiert er die Zuschauer, im Chor einen Refrain zu singen, über den er atemberaubende Soli legt. Alle lassen sich anstecken, auch Frederico Almeida, Superintendent der Denkmalschutzbehörde Iphan in Pernambuco. "Durch die Konzerte wird den Leuten viel mehr bewusst, welchen Wert die historischen Gebäude besitzen", sagt er. Seine Nachbarin ergänzt: "Ach, wäre doch jeden Monat eine MIMO." Stunden später wird es wieder still in der Kirche. Und voll wie selten in der Rua do Amparo, vor der Bodega do Veio. Bierflaschen wirft aber hier heute niemand.

Anreise:Nach Recife fliegt von Deutschland aus z.B. TAP über Lissabon. Der Flug dauert etwa 9 Stunden, die Taxifahrt vom Flughafen nach Olinda etwa eine halbe Stunde.

Unterkunft:In einem mehrere Hektar großen tropischen Garten liegt das Hotel 7 Colinas, Tel. 0055.81.3493-7754, nur ein paar Meter von der Kirche Igreja da Sé entfernt. DZ inkl. Frühstück um 135 Euro. Gegenüber der Bodega do Veio in einem stilvoll renovierten Kolonialhaus bietet die Pousada do Amparo, Tel. 0055. 81 3439-1749, Zimmer mit Blick auf den schmalen Garten mit Pool und ein hauseigenes Restaurant. DZ inkl. Frühstück um 90 Euro.

Ausgehen:Das Restaurant des gebürtigen Franzosen Jeff Colas heißt Maison do Bonfim, und ist mit reichlich Gemälden Olindenser Künstler gestaltet. Rua do Bonfim, 115, Telefon 0055.81.3429-1674. Holzofenpizzen sowie Fusion aus französischer und brasilianischer Küche, Hauptgerichte um 18 Euro. Das Restaurant Patua sieht mit seinen ziselierten Metallstühlen und den Lichterketten an der Decke ein wenig kitschig aus, aber die Fischgerichte und Meeresfrüchte sind großartig! Rua Bernardo Vieira de Melo, 79, Tel. 0055.81.3055 0833, Hauptgerichte um 15 Euro.

Museen/Sehenswürdigkeiten:Während der Mimo haben alle Kirchen geöffnet, besonders lohnenswert sind z.B. das Convento de Sao Francisco, Ladeira de Sao Francisco, 280, mit den Azulejos in der Sakristei und Schnitzereien am Altar, sowie das Seminário de Olinda, Rua Bispo Coutinho, s/n, ein weiteres Barockensemble, das am höchsten Punkt der Stadt liegt und einen guten Überblick bietet.

Cafés/Kneipen:Der Klassiker, die Bodega do Veio, findet sich in der Rua do Amparo 212, Bier und Softdrinks sowie winzige Snacks in Kramladenatmosphäre. Wenn alle schon geschlossen haben, geht es im Xinxin da Baiana, Rua Sigismundo, 742, immer noch rund: brasilianische Bands und viel Reggae vom Band, dazu eine wilde Mischung aus Nachtschwärmern.

 
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