Cornwall Der längste Weg der InselSeite 2/2

Die königlichen Kanonen zeigen gegen Plymouth im englischen Devon

Die königlichen Kanonen zeigen gegen Plymouth im englischen Devon

In diesem Sommer haben wir dort weitergemacht, wo wir vor drei Jahren aufgehört haben, an der Westküste in Cornwall. Wo ein Strand, eine Bucht besonders schön ist, werfen wir den Rucksack ab und springen ins Wasser. Wenn man schwitzt, sind selbst 15 Grad Wassertemperatur für kurze Zeit auszuhalten. Abends kommen wir müde in einem B & B an, duschen, setzen uns zum Sonnenuntergang an den Hafen, trinken Bier oder Cider im Pub, essen Fish ’n’ Chips, Curry oder Lauchsuppe – und sinken glücklich ins Bett.

Unsere Entscheidung, den Coast Path einfach stur weiterzugehen, wird reichlich belohnt. Denn jeder Tag ist anders. An der nördlichen Westküste in Devon war es rauer, steiler und einsamer, in Cornwall ist es in großen Teilen lieblicher, auch touristischer, Dörfer bestehen manchmal vor allem aus Ferienbungalows. Kaum ist man um Land’s End herum, wachsen Palmen, Farn- und riesige Fuchsienbüsche säumen den Weg, das Meer schwappt träge an den Strand. Geblieben sind die häufigen Wetterwechsel.
An diesem Mittwochmorgen wandern wir bei 23 Grad und blauem Himmel los, eine halbe Stunde später wird es so neblig, dass wir keine zwanzig Meter weit sehen können. Ab und zu tauchen abgebrochene Türme und Ruinen verlassener Zinnminen aus dem Dunst auf, aber auch über Kobolde und Feen hätten wir uns nicht gewundert.

So unterschiedlich wie Landschaft und Wetter ist auch die Qualität der Unterkünfte. So kann man für 35 Pfund (etwa 42 Euro) pro Person in muffige, umfunktionierte Kinderzimmer geraten oder auch in großzügige, mit Geschmack eingerichtete Suiten mit eigenem Bad, Terrasse und Meerblick. Aber selbst wenn sich die Wahl als Fehlgriff erweist – im Juli, August und September ist eine Reservierung empfehlenswert – es ist doch nur für eine Nacht, am nächsten Tag kann man weitergehen. Außerdem gibt es immer ein "Full English Breakfast“, oft vom Hausherrn persönlich zubereitet, mit Eiern und Speck, gedünsteten Tomaten, Pilzen und Bohnen, Toast und Cornflakes. Empfehlenswert sind auch die Jugendherbergen. Sie sind billiger und liegen oft oben auf den Klippen mit dem schönsten Blick.

Während wir beim ersten Mal noch Brot, Würste und Äpfel von zu Hause mitschleppten, überwiegt diesmal die Sehnsucht nach einem leichten Rucksack. Acht Kilo inklusive einem Liter Wasser ist das Maximum. Zwei Hosen, ein paar T-Shirts, Pulli, Regenhose und Regenjacke – reduziert zu sein auf das Nötigste, auch das gehört zum befreienden Urlaubsgefühl. Manchmal treffen wir andere Wanderer, Engländer, Australier, ein Pärchen aus Dänemark plagt sich mit einem schweren Zelt. Man spricht über Höhenmeter und Wetterprognosen und erfährt, wie weit es ist bis zum nächsten Café. Wir erfahren, dass der South West Coast Path früher weniger der Freizeit diente, hier hetzten Schmuggler entlang, die Küstenwache fahndete nach Schnaps, während des Zweiten Weltkriegs trainierten englische und amerikanische Soldaten hier für den D-Day, die Invasion in der Normandie.

Nachdem wir in Cornwall immer wieder an Turmruinen vorbeigekommen sind, ist die Neugier so gewachsen, dass wir einen halben Tag in einem Bergwerksmuseum verbringen, obwohl wir uns zuvor nie für den Abbau von Zinn interessiert hatten. An einem anderen Tag begeistern wir uns für die Geschichte der Telegrafie, da hier in einem Dorf in Cornwall die ersten Kabel ins Meer verlegt wurden. Nur Gespenster sind uns noch nicht begegnet. Aber wer weiß. 500 Kilometer liegen noch vor uns.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. ...und immer wieder schön. Ich wohne in Devon und bin an vielen Wochenenden mit dem Rucksack unterwegs. Neben den beiden grossen Nationalparks Dartmoor und Exmoor ist auch der Coast Path immer wieder eine Wanderung wert. Verlaufen kann man sich nicht (Wasser links, Land rechts), daher kann man sich voll auf die atemberaubende Natur konzentrieren. Es freut mich, im Reiseressort auch mal über Orte zu lesen, die "direkt vor der Haustür" liegen, und auch für Kontinentaleuropäer mit dem Auto zu erreichen sind.
    Ich kann diese Gegend nur wärmstens für einen Urlaub empfehlen!
    See you there...

  2. Wer es bequemen haben will kauft sich die DVD "The South West Coast Path" und schaut es sich aus der Vogelperspektive an.
    http://www.beckmanndirect...

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