Rentenreform Streik stört Reiseverkehr in Frankreich

Verspätet, storniert, gestrichen – der Protest gegen die Rentenreform legt Frankreichs Bahnhöfe und Flughäfen lahm. Der Nahverkehr dagegen fließt nahezu störungsfrei.

Pendler im Gare Saint-Lazare in Paris

Pendler im Gare Saint-Lazare in Paris

Die französische Luftfahrtaufsichtsbehörde DGAC erwartet, dass wegen des Streiks gegen die Rentenreform der Regierung im Tagesverlauf etwa 40 Prozent der Flüge am Pariser Großflughafen Roissy-Charles de Gaulle ausfallen. Am kleineren Hauptstadt-Flughafen Orly könnte demnach sogar die Hälfte der Flüge gestrichen werden, hieß es.

Auch Bahnreisende müssen wegen des Protestes Zugausfälle und Verspätungen rechnen. Auf der Strecke nach Deutschland soll am Donnerstag nur jeder zweite Hochgeschwindigkeitszug TGV fahren, teilte die Bahngesellschaft SNCF mit . Innerhalb Frankreichs soll jeder zweite Zug ausfallen, wobei den Planungen der SNCF zufolge nationale Verbindungen stärker betroffen sind als internationale.

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Die Streiks bei der Bahngesellschaft hatten bereits am Mittwochabend begonnen. Schon vor Wochen hatten an Protesttagen Millionen Menschen gestreikt und demonstriert.

Die französischen Gewerkschaften wollen Änderungen an den Reformplänen der Regierung erzwingen . Wer mindestens 40,5 Jahre Beiträge gezahlt hat, kann derzeit in Frankreich bereits mit 60 Jahren die volle Rente kassieren. Diese Altersgrenze will der Staat nun bis 2018 auf 62 Jahre erhöhen. Wer nicht lange genug arbeitet hat, soll zudem künftig erst mit 67 eine volle Rente bekommen können. Bislang war dies bereits mit 65 Jahren möglich.

Der öffentliche Nahverkehr in Paris lief am Donnerstag ohne größere Einschränkungen an. Nach Angaben eines Sprechers funktionierte der Betrieb der Metro zunächst "besser als erwartet", auch der Verkehr der Vorstadtbahn RER laufe "beinahe normal". Landesweit waren Streikwarnungen für 77 öffentliche Nahverkehrsnetze herausgegeben worden.

Die Gewerkschaften hoffen bei ihren Aktionen auf eine ähnlich hohe Teilnehmerzahl wie am 7. September, als zwischen einer und drei Millionen Menschen auf die Straße gegangen waren. Landesweit sind etwa 230 Veranstaltungen geplant. Die größte Demonstration sollte es am Nachmittag in Paris geben. Nach am Donnerstag veröffentlichten Umfrageergebnissen unterstützen 63 Prozent der Franzosen die Streikenden.

Die Nationalversammlung hatte das zentrale Reformprojekt von Präsident Nicolas Sarkozy vergangene Woche von der Nationalversammlung gebilligt. Der Senat muss noch darüber abstimmen. Er berät ab dem 5. Oktober über die Reform.
 

 
Leser-Kommentare
  1. streikt wegen der Rente mit 62.
    Das Deutsche Stimmvieh nimmt aber die Rente mit 67 ohne murren hin.
    Verkehrte Welt!

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    Was leider in der deutschsprachigen Berichterstattung nahezu nie vorkommt, habe ich auch nur aus einem Radiointerview mit einem Experten gelernt: Die französische "Rente mit 62" gibt nicht das allgemeine Renteneintrittsalter an, sondern nur das Alter, mit dem man frühestens in Rente gehen kann. In der Praxis bedeutet das, dass insbesondere in den unteren Einkommensschichten schon heute (Rente mit 60) ein Eintrittsalter von 65 Jahren üblich ist. Wie bei uns entspricht die Erhöhung einer (aus meiner Sicht in beiden Ländern notwendigen) Anpassung auf ein reales Eintrittsalter von ca. 67 Jahren. Also: Die Franzosen werden nicht frühverrentet.

    Was leider in der deutschsprachigen Berichterstattung nahezu nie vorkommt, habe ich auch nur aus einem Radiointerview mit einem Experten gelernt: Die französische "Rente mit 62" gibt nicht das allgemeine Renteneintrittsalter an, sondern nur das Alter, mit dem man frühestens in Rente gehen kann. In der Praxis bedeutet das, dass insbesondere in den unteren Einkommensschichten schon heute (Rente mit 60) ein Eintrittsalter von 65 Jahren üblich ist. Wie bei uns entspricht die Erhöhung einer (aus meiner Sicht in beiden Ländern notwendigen) Anpassung auf ein reales Eintrittsalter von ca. 67 Jahren. Also: Die Franzosen werden nicht frühverrentet.

  2. Was leider in der deutschsprachigen Berichterstattung nahezu nie vorkommt, habe ich auch nur aus einem Radiointerview mit einem Experten gelernt: Die französische "Rente mit 62" gibt nicht das allgemeine Renteneintrittsalter an, sondern nur das Alter, mit dem man frühestens in Rente gehen kann. In der Praxis bedeutet das, dass insbesondere in den unteren Einkommensschichten schon heute (Rente mit 60) ein Eintrittsalter von 65 Jahren üblich ist. Wie bei uns entspricht die Erhöhung einer (aus meiner Sicht in beiden Ländern notwendigen) Anpassung auf ein reales Eintrittsalter von ca. 67 Jahren. Also: Die Franzosen werden nicht frühverrentet.

    Antwort auf "Le grand Nation"
  3. Dann gäbe es wohl schon lange den neuen Sturm auf Paris.

    Die Operation Sarkozy

    Sehr interessante Informationen zur französischen Republik und insbesondere zu ihrem derzeitigen Präsidenten und dessen Werdegang, der wohl weniger das Wohl seiner Landsleute im Auge hat als sein eigenes und das seiner wahren Herren.

    Zumindest in Italien ist es ähnlich und wie schaut es in den anderen EU-Staaten aus? Ist Deutschland frei und selbstbestimmt oder unfrei und fremdbestimmt?

    Merkwürdige (weltfremde) Entscheidungen lassen eher das letztere vermuten - wie in Frankreich.

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