ZEIT ONLINE: Herr Villarino, Sie haben sich für das Reisen als Lebensform entschieden – und zwar per Autostopp, mit einem Tagesbudget von nur fünf Dollar. Warum?

Juan Villarino: Wenn man per Autostopp unterwegs ist, hängt vieles vom Zufall ab: Man findet sich an ungeplanten Haltepunkten wieder und unterhält sich mit Menschen, die man sonst nicht treffen würde. Und es ist ein guter Weg, um als Autor Stoff für Geschichten zu finden.

ZEIT ONLINE: Andere Autostopper würden nie im Traum auf die Idee kommen, für ihre Reisen das sesshafte Leben aufzugeben.

Bewohner des Dorfs Kirmun in der afghanischen Region Hazarajat © Juan Villarino

Villarino: Reisen ist viel zu schön, um es nur ab und zu zu tun. Wenn ich unterwegs bin, fühle ich mich frei, und vor allem lerne ich ständig etwas Neues. Ich will die ganze Welt bereisen und dafür mindestens zehn Jahre lang unterwegs sein, immer per Autostopp. Mein Ziel ist es, Regionen kennenzulernen, in die sonst kein Tourist vordringt.

ZEIT ONLINE: Und dafür ist ein kleines Budget so wichtig?

Villarino: Wenn ich mit einem Lastwagen oder zu Fuß in einem Dorf ankomme und kaum Geld bei mir habe, hören die Leute bald auf, nur auf mein Portemonnaie zu schielen. Ich werde als Person interessant. Weil ich weder Herbergen noch öffentliche Busse nutze, sehen sie mich nicht als einen Kunden, sondern begegnen mir als Mensch.

ZEIT ONLINE:  Ihre erste große Reise führte Sie unter anderem nach Iran, Irak, Afghanistan und Pakistan. Warum ausgerechnet dorthin?

Villarino: Die Idee entstand während der Invasion Afghanistans und Iraks. Beide Länder wurden damals in den Medien als eine Art verbotene Zone gezeichnet, bewohnt von gewalttätigen Menschen. Bush sprach von der "Achse des Bösen". Ich wollte zeigen, dass es dort mehr Gastfreundlichkeit gibt, als die großen Fernsehsender uns zeigen. Mich interessiert der Alltag der Menschen, der Schuster, Bazarhändler, Lehrer oder Ingenieure.