Hausboot Eine Veranda auf dem See
Über Brandenburgs Wasserwege schippern kleine, hölzerne Ferienhäuser: moderne Hausboote, die man ohne Führerschein mieten kann. Karen Amme hat das ausprobiert.
© Michael Amme

Angeln vor der Haustür: Das Bungalowboot hat angelegt
Die Sonne wirft grelle Strahlen über den Plauer See, als sich der blaue, hölzerne Bungalow langsam aus dem Schilf schiebt. Ein Graureiher schwingt sich in die Luft. Die schwimmende Holzhütte dreht langsam, man hört das Wasser gurgeln und Enten schimpfen. "Ja", sagt Günter Großmann, "es sieht wirklich ein bisschen komisch aus". Das muss er zugeben. Er schmunzelt. "Aber die Idee kommt gut an. Vor allem, weil man keinen Bootsführerschein braucht."
Großmanns Erfindungen liegen seit diesem Frühjahr an einem Steg in Plaue an der Havel: kleine Blockhäuser, blau, gelb, rot und lindgrün gestrichen, mit zwei Rümpfen darunter. Gartenlauben, die Schiffe sein sollen. "Bungalowboote", verbessert Großmann. Kann man mit denen wirklich in See stechen? Der Mittfünfziger aus Aschaffenburg nickt und lässt seinen Blick über das Schilf und den Plauer See wandern, als läge das große weite Meer vor ihm. "Natürlich", sagt er, "was für eine Frage."
Vor dem ersten Ablegemanöver allerdings muss man elf Seiten Theorie studieren und eine kleine praktische Einführung in die Technik an Bord und die wichtigsten Regeln der Binnenschifffahrt bekommen haben. Grüne Tonnen lässt man links liegen, rote rechts. Die Bungalowboote müssen Segelyachten, Ruderbooten und Kanus ausweichen. Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt. "Und fahren Sie nicht ins Schilf", bläut Großmanns Kompagnon Thomas Brauckmann seinen Kunden gern noch als letztes ein. Schließlich nisten da allerlei Vögel.
Inzwischen ist es Mittag geworden in Plaue, Günter Großmann und Thomas Brauckmann schieben Kanus und Fahrräder auf die Steganlage, eine Familie aus Hamburg will gleich die Leinen lösen. Wo ist der Kompass? Darf man durch das Naturschutzgebiet fahren? Ist es hier überhaupt tief genug? Diese und andere Fragen stellen sich dem, der zum ersten Mal unterwegs ist mit so einem eigentümlichen Gefährt.
Doch die Bungalowboote, so stellt sich schnell heraus, sind tatsächlich simpel zu handhaben. Gelotet wird mit einem Bindfaden mit Gewicht dran. Kompass? Fehlanzeige. "Orientieren kann man sich mit Hilfe der Gewässerkarten", sagt Großmann. Und zum Festmachen? Gibt es sogenannte Ankerpfähle, die man in flachen Buchten einfach in den Boden rammen kann. Warmwasser, eine Dusche und eine Toilette sind auch an Bord, ebenso Gasherd und Kühlschrank. Und je nach Schiffsgröße ein oder zwei Zimmerchen mit Betten drin und eine Schlafcouch, "alles von Ikea", sagt Großmann, "und gerade groß genug, dass man es gut aushalten kann."
Am Nachmittag verlässt das letzte Bungalowboot den Steg, der Plauer See kräuselt sich, Pappeln krallen ihre Wurzeln in moosige Ufer. Die Insel Kiehnwerder schwimmt rechts vorbei, man hört das Schilf rascheln und die Wasserhühner schimpfen. Sieht Fischreiher nach Beute abtauchen, hier und da mal ein Motorboot. Und ganz im Süden dieses kleinen, von Dauercampern besiedelten Eilands, eine Landspitze, die wie geschaffen zu sein scheint für Bungalowboote. Darf man hier parken? Die Wasserschutzpolizei patrouilliert vorüber, sie stoppt nicht, also scheint man hier liegen zu dürfen. Die zwei Ankerpfähle, dick wie Masten, ächzen und knacken, als sie sich in den weichen Boden bohren.
- Datum 08.10.2010 - 07:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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