Pedro Burmester zieht mit seinen Pianistenhänden kräftig an der meterhohen Glastür. Es knirscht auf dem Metallboden, die untere Kante hat schon Spuren gefräst. Der große Saal ist das Herz des Konzerthauses Casa da Música, Pedro Burmester der Kopf dahinter.

Die Bühne des Saals liegt zwischen zwei Tribünen, hinter diesen erheben sich Glasfronten – keine glatten, abweisenden, sondern gewellte, der Akustik wegen. Auch die Glastür, die Burmester aufschiebt, ist gewellt. Von außen wirkt das Haus wie aus einem fernen Raum der Zukunft in die portugiesische Stadt Porto gefallen: grau, in eckig-kristalliner Struktur, mit Fenstereinlassungen wie Sehschlitze in der Kommandozentrale eines Raumschiffes. So ganz anders sind die zweifensterbreiten Häuser gegenüber in Grün und Rot, mit schnörkeligen Balkonen und Wäsche an den Fassaden.

Die Casa da Música, erbaut von Rem Koolhaas, ist ein Magnet für Einheimische und Touristen. Es ist quasi aus Versehen entstanden, aus Burmesters Willen zur Freiheit. Pedro Burmester, dessen Vorfahren vor 200 Jahren aus Deutschland nach Portugal kamen, wurde 1963 in Porto geboren. Seine Mutter arbeitete als Hausfrau, sein Vater in der Textilindustrie. Er besuchte das deutsche Gymnasium, dann das Konservatorium – die Musik gehört zu ihm, seit er sechs Jahre alt ist.

Pedro Burmester tourte, spielte in Spanien, Belgien, Deutschland, er machte Karriere und gilt als einer der besten Pianisten Portugals. Er trägt braune Freizeitschuhe, olivfarbene Hose, olivfarbenes Hemd, im linken Ohr einen goldenen Schmuck, den er ab und zu dreht. Schlank, fast zierlich ist er, sein Blick intensiv.

Die Geschichte der Casa da Música beginnt 1998, Pedro Burmester kommt von einer Konzert-Tournee aus Südafrika zurück; ein Freund wartet in seinem Haus in Porto auf ihn. Er sagt, Burmester solle bei der Vorbereitung der Bewerbung für Porto als Europäische Kulturhauptstadt 2001 dabei sein. "Ich wollte das nicht", erzählt Burmester. "Mein Leben ist die Musik, Klavier spielen, Klavier unterrichten." Er dachte, je ambitionierter ein Projektvorschlag, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass er abgelehnt würde.

Burmester dachte an ein Haus für alle Arten der Musik, multifunktional für Proben, Auftritte, Publikum und Unterricht, ein neues Gebäude, kein renoviertes altes, und entworfen von einem international bekannten Architekten. Es waren Ideen, die "für eine Stadt wie Porto eigentlich zu viel waren", und die Burmester das Leben in Freiheit, in der Musik hätten garantieren sollen. Als das Okay für diese Vorschläge kam, wollte er sich zurückziehen, doch seine Mitstreiter insistierten: "Ich legte meine künstlerische Karriere auf Eis, unterrichtete nicht mehr und gab mich hin von 1998 bis 2003."

Der Architekt sollte anders sein, innovativ und intelligent, und so fiel die Wahl auf Rem Koolhaas. Sein Plan für die Casa da Música gefiel, doch hatte die Jury, in der auch Burmester saß, mehr als 90 Änderungswünsche; manchmal fehlte die Verbindung von einer Etage zur anderen im Plan, manchmal war nicht klar, wie ein Piano es um diese enge Ecke schaffen sollte. "Wir dachten, Koolhaas müsse die Form ändern, um die Probleme zu lösen – aber das tat er nicht, er fand auf alle Fragen eine Antwort."

Porto ist eine der wichtigsten Hafenstädte Portugals, bekannt für den Portwein, für die Fischerei, für die Sturheit der Einwohner. Burmester liebt diese "Stadt des Nordens, überzeugt von sich selbst, nicht freundlich, eine Stadt, die es einem schwer macht, anzukommen." Auch neue Projekte hätten es mitunter schwer, akzeptiert zu werden, meint Burmester: "In Lissabon hätten wir mit einem Projekt wie der Casa da Música nur die Hälfte der Probleme gehabt: "Der neue Bürgermeister Rui Rio installierte zwei Parteifreunde im Komitee für Porto 2001 und die Casa da Música. Aus Burmesters Sicht stand mit ihnen das gesamte Projekt des neuen Konzerthauses auf der Kippe; er protestierte und fand sich kurze Zeit später "kaltgestellt", so beschreibt er die Jahre 2002 und 2003 heute.