Reisen mit Kind Wie bewegt man Kinder zum Wandern?

Bestechen oder Erpressen? Funktioniert beides nicht gut, meint Kolumnistin Inka Schmeling. Sie verrät ihren Trick, wie Wandern zum Kinderspiel wird.

Was tun, wenn Kinder nicht wandern wollen?

Was tun, wenn Kinder nicht wandern wollen?

In den Algonquin-Nationalpark im Osten Kanadas reist man, um genau drei Dinge zu tun: Kanu fahren. Abends am Lagerfeuer sitzen. Wandern.

Das Lagerfeuer war ein Selbstgänger; immerhin habe ich einen Sohn, der ganze fünf Feuerwehrautos zu seinem Fuhrpark zählt. Kanu fahren ging auch prima. Zumindest solange Nepomuk mit seinem Kinderpaddel auf Seerosen eindreschen, Enten aufscheuchen oder ein bisschen mitrudern konnte – also so ein, zwei Stunden. Wandern jedoch war ein Desaster.

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Die erste Wanderung brachen wir nach 15 Schritten ab. Nepomuk bäumte sich in seiner Kraxe auf und hielt überhaupt nichts von unserer Idee, seinen Mittagsschlaf dort statt im Bett zu verbringen. Bei der zweiten Wanderung lief er immerhin 25 Schritte selbst. Die restliche Stunde Laufzeit thronte unser 16-Kilo-Kerl auf den Schultern meines Mannes. Vor der dritten Wanderung aßen wir als Stärkung zum Frühstück einen hohen Stapel dicker, kanadischer Pfannkuchen mit einer Extra-Portion Ahornsirup. Dann schnürten wir unsere Wanderschuhe und brachen auf.

Inka Schmeling
Inka Schmeling

Inka Schmeling schreibt als freie Journalistin in Hamburg. Ihr Buch Abenteuer Elternzeit. Ein Ratgeber über das Reisen mit Baby und Kleinkind ist bei Beltz erschienen. Auf ihrer Website Nepomuks Reisen (www.nepomuksreisen.de) können Eltern sich über ihre Reise-Erfahrungen austauschen und finden Tipps für den Urlaub.

Wir hatten an alles gedacht: Genug Essen und Trinken für unterwegs. Regenhose und Regenjacke für den Überraschungsschauer. Sonnenmütze, Pflaster, gute Schnürstiefel für Nepomuk. Die Strecke war gerade mal zwei Kilometer lang, völlig eben; sie lag fast durchgängig im Schatten des Waldes. Nepomuk war satt, ausgeschlafen, gut angezogen – Lust zu Wandern hatte er trotzdem keine.

"Ein ungünstiges Wanderalter", redete ich meinem Mann und mir selbst Geduld ein, "er ist ja erst zwei. Das gibt sich noch." "Ja", antwortete er, "so mit 25." Wir beobachteten die vorgeschobene Unterlippe unseres Sohnes. Keinen Millimeter bewegte die sich vom Fleck; seine Füße ebenso wenig. Mein Mann versuchte es mit einer Prise Strenge, ich mit der Mutter aller Bestechungen: einem Vanilleeis. "Nein", rief ich Nepomuk hinterher, der prompt kehrt machte und zurück Richtung Parkplatz lief, "erst nach dem Wandern."

Erst die Wölfe retteten unsere Wanderung. "Vielleicht treffen wir ja einen Elch im Wald", versuchte ich Nepomuks Laufrichtung zu ändern. "Oder einen Biber. Oder einen Schwarzbären. Oder ein Eichhörnchen. Oder Wölfe." Nepomuk drehte sich um. Wölfe, stand in seinen Augen, das ist jetzt endlich mal ein echtes Argument. Er fragte: "Wollen wir mal gucken?" "In Ordnung", sagte ich. Wir wanderten los.

Leser-Kommentare
    • dingo1
    • 15.11.2010 um 7:54 Uhr

    Toll, wenn eine Mutter stolz erzählt, dass ihr kleiner Sohn mit dem Kinderpaddel auf Seerosen eindrischt und Enten aufscheucht. Würde sie das im selben Ton auch von einer Tochter so erzählen?
    Mütter sind eben doch die Macho-Macher.

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    Ich habe das gleiche gedacht beim lesen dieser Zeilen :)

    "Würde sie das im selben Ton auch von einer Tochter so erzählen?"

    Vielleicht ja?

    "Mütter sind eben doch die Macho-Macher."

    Kein Problem, da wir es nicht wissen unterstellen wir es einfach und würzen das Ganze noch mit einem platten Vorurteil.

    Ich habe das gleiche gedacht beim lesen dieser Zeilen :)

    "Würde sie das im selben Ton auch von einer Tochter so erzählen?"

    Vielleicht ja?

    "Mütter sind eben doch die Macho-Macher."

    Kein Problem, da wir es nicht wissen unterstellen wir es einfach und würzen das Ganze noch mit einem platten Vorurteil.

    • Nandus
    • 15.11.2010 um 8:09 Uhr

    Darauf bitte bleiben!
    Man kann auch aus jeder Szene des Lebens heraus eine Feminismusdiskussion anstoßen, zumindest als Basis dafür, wenn nicht gar als Intention, sehe ich Ihre Worte. Sie mögen ja was die Verantwortung der Mutter bezüglich der Kindesentwicklung angeht prinzipiell recht haben - aber es an SOWAS fest zu machen, halte ich doch für leicht paranoid.

    Zum Artikel: da meine Tochter langsam ins (wirklich) wanderfähige Alter kommt, ich sie bisher aber nur für Parksapziergänge begeistern konnte, hatte ich mir etwas mehr Hilfestellung aus dem Artikel erhofft. Letztlich ist es aber nur eine Tatsachenbeschreibung, in der gezeigt wird, wie ein Kind nun mal die Welt erlebt. Von Wandern kann dabei keine Rede sein (2 Km in 2 Stunden sind eben mehr ein Spaziergang), und JA die Wölfe ziehen wirklich ;-)

    Eine Leser-Empfehlung
    • dingo1
    • 15.11.2010 um 9:08 Uhr

    Was einem nicht in den Kram passt, als paranoid zu bezeichnen ist typisch für gewisse Charaktere.
    Es ist nun einmal so, dass der Grundstein zu einem rücksichtsvollen Umgang mit der Umwelt im Kindesalter gelegt wird. Wenn Sie da gleich eine Feminismusdiskussion vermuten?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... richtig gelesen habe, hast du die Mutter als Macho-Macherin bezeichnet, oder nicht?

    Und das obwohl der Vater stets mit dabei war?
    Wer ist hier eigentlich "Macho"?

    Das Verständnis von Zweijährigen ist ohnehin noch nicht sehr ausgeprägt, was den sorgsamen Umgang mit der Umgegend angeht und Enten aufschrecken sowie die Vegetation mit Stöcken tracktieren ist (zumindest für kleine Jungs, bei Mädchen fehlt mir die Erfahrung) ganz normal. Was nicht heißt, dass man dem nicht entgegenwirken kann und soll, aber total unterbinden kann (und sollte) man es in diesem Alter nicht. Es gehört einfach dazu.

    ... richtig gelesen habe, hast du die Mutter als Macho-Macherin bezeichnet, oder nicht?

    Und das obwohl der Vater stets mit dabei war?
    Wer ist hier eigentlich "Macho"?

    Das Verständnis von Zweijährigen ist ohnehin noch nicht sehr ausgeprägt, was den sorgsamen Umgang mit der Umgegend angeht und Enten aufschrecken sowie die Vegetation mit Stöcken tracktieren ist (zumindest für kleine Jungs, bei Mädchen fehlt mir die Erfahrung) ganz normal. Was nicht heißt, dass man dem nicht entgegenwirken kann und soll, aber total unterbinden kann (und sollte) man es in diesem Alter nicht. Es gehört einfach dazu.

    • Matths
    • 15.11.2010 um 9:37 Uhr

    Ja, ich frage mich auch immer, warum ich als Kind nicht wandern mochte. Wahrscheinlich wusste ich den Input der Natur noch nicht zu schätzen und brauchte er andere schreiende Kinder um mich und klar übersichtliches Gelände, in dem ich mich beweisen konnte.

    Fröhliches Wandern!

  1. Meine Schwester haben wir als sie klein war nur auf Klettersteigen dazu bringen können, sich vorwärts zu bewegen. Auf allem was eben war und kein Klettern verlangte, hat sie sich keinen Millimeter vorwärts bewegt, aber das Rumkraxeln hat ihr Spaß gemacht.

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