Schneeräumung Flughafen Stockholm bietet Frankfurt Praktikum an

In acht Minuten ist die Rollbahn frei. Am Flughafen von Stockholm ist Schneeräumen Alltag. Hinfliegen und gucken, wie's funktioniert, rät man den europäischen Kollegen.

Schneeschieben auf der Rollbahn in Stockholm

Schneeschieben auf der Rollbahn in Stockholm

Der Stockholmer Flughafen Arlanda rühmt sich, eines der professionellsten und schnellsten Schneebekämpfungsteams der Welt zu haben.

Schließlich schneit es von November bis in den März oft. Der Flughafen mit rund 18 Millionen Fluggästen im Jahr ist zwar kaum halb so groß wie Frankfurt am Main, nennt aber ein Heer von 130 festangestellten Schneebekämpfern und 85 zusätzlich Beschäftigten auf den Landebahnen im Winter sein Eigen. Eben wegen der extremen, skandinavischen Wetterlage.

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Diese Schneearmee rückt derzeit ständig aus, um die drei Landebahnen frei zu halten. "Es ist klar, dass wir besser auf Schneestürme vorbereitet sind, als andere Flughäfen", sagt Flughafensprecher Jan Lindqvist stolz. "Für uns ist es ein permanentes Problem."

Wenn die Kollegen in Frankfurt oder anderswo Interesse hätten, könnten sie gern jemanden nach Stockholm zum Praktikum schicken. "Sie können sich angucken, wie wir das hier im Norden machen." Grundsätzlich verwende Stockholm aber einfach nur mehr Ressourcen für die Schneebekämpfung.

Vor allem Schnee mit viel Wind schafft Probleme. Denn wenn der Konvoi aus Räumfahrzeugen ausrückt, ist die Landebahn kurz nach der Freilegung wieder zugeschneit. "Es muss deshalb vor allem sehr schnell gehen. Wir rücken mit einer Karawane von bis zu acht Räumfahrzeugen aus, die gemeinsam eine Landebahn freischaufeln", sagt Lindqvist.

Nach dem Wetterbericht wird ein Schneerat abgehalten; hier wird entschieden, was zu tun ist. Landebahn eins ist selbst unter schlimmsten Wetterbedingungen innerhalb von acht Minuten frei. Landebahn zwei in sechs Minuten und Landebahn drei in zehn Minuten. Im schlimmsten Fall werden nur die Landebahnen eins und zwei frei gehalten, weil sie näher beieinander liegen. Alle Räumfahrzeuge legen gleichzeitig los, um den Schnee so großräumig wie möglich verschwinden zu lassen. Dann kommt das Flugzeug.

Anschließend folgt, falls die Landebahn wieder zugeschneit ist, gleich dasselbe Spiel. "Es ist letztlich immer die Entscheidung der Piloten, aber die meisten haben Vertrauen, wenn wir die Bahn für anfliegbar halten", sagt Lindqvist.

Allerdings geht auch auf Stockholm-Arlanda nicht immer alles nach Plan. Vor ein paar Tagen war nur eine von drei Landebahnen zugänglich. Aber immerhin waren Flüge, die in andere nordische Länder gingen, relativ pünktlich. Denn auch die Zielflughäfen im norwegischen Oslo und im finnischen Helsinki kennen solche extremen Tage und sind darauf vorbereitet. 

Nicht ganz so gut läuft es mit den Zügen des Nah- und Fernverkehrs. Auch der Betrieb der Stockholmer U- und S-Bahn, die zum Teil im Freien fährt, bricht jedes Jahr aufs Neue wegen zu viel Schnee zusammen.

Die Räumung der Stadt hingegen läuft sehr professionell. Wer Schneeräumer werden will, muss zunächst eine kleine Ausbildung machen: Im Rollstuhl oder mit Krücken werden die Jung-Schneeräumer durch die Stadt geschickt, um zu verstehen, wie wichtig ihre Arbeit gerade für alte und gehbehinderte Menschen ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Stellt sich lediglich das Problem, dass die "Praktikanten" bei derzeitiger Wetterlage nicht nach Stockholm fliegen können...

    13 Leser-Empfehlungen
  2. was erzählen Sie dann den 130 festangestellten Schneebekämpfern und 85 zusätzlich Beschäftigten am Flughafen Frankfurt, wenn es 2011/2012 zwischen November und März aufgrund eines für unsere Breiten gelegentlich mild ausfallenden Winters kaum schneit?
    Ich gebe zu, die Rechnung möchte ich als Verantwortlicher nicht aufstellen müssen. Bei so großem Wettbewerbsdruck kommt schnell der Punkt: wie man's macht, macht man's falsch.

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    ...sondern ihr Gehalt zu zahlen. Wenn man das nicht will muß man halt den Feldbetten erzählen, warum sie im Flughafen stehen.

    ...könnte man diesen ja auch andere Aufgaben zuweisen...

    ...sondern ihr Gehalt zu zahlen. Wenn man das nicht will muß man halt den Feldbetten erzählen, warum sie im Flughafen stehen.

    ...könnte man diesen ja auch andere Aufgaben zuweisen...

  3. ...wo die Saisonbauarbeiter heimgeschickt werden?

    Da könnte die Fraport doch einen Rahmenvertrag mit einer großen Baufirma machen und 100 Bauarbeitern auf diese Weise einen Ganzjahresjob zimmern. Im Gegenzug winken für die Arbeiter unbefristete Verträge und eine anständige Entlohnung.

    Im Oktober zum Techniktraining an den Flughafen und ab November bis Ende Februar am Flughafen, bevor es im März wieder auf die regulären Baustellen geht. Nach ein paar Jahren hat man da auch genug Leute die den Job schon mehrmals gemacht haben und Erfahrung haben.

    Jetzt wo der gute RoKo bei B&B ist, wird sich da doch ein Kontakt finden lassen :-)

    10 Leser-Empfehlungen
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    Ich denke mal das Problem liegt nicht an dem wollen als mehr an der Gewinnsteigerung und Maximierung. Dafür wird eben alles getan. Der Fluggast muß es eben erdulden. Service gibt es nur noch in der Busseinsklasse die Masse muß eben mit dem zufrieden sein was geboten wird.

    Ich denke mal das Problem liegt nicht an dem wollen als mehr an der Gewinnsteigerung und Maximierung. Dafür wird eben alles getan. Der Fluggast muß es eben erdulden. Service gibt es nur noch in der Busseinsklasse die Masse muß eben mit dem zufrieden sein was geboten wird.

  4. ...zu dem *Schneechaos*:

    http://www.spiegelfechter...

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  5. Angekommen in Göteborg, Schweden, kurz nach Weinachten. Glatteis vom Flieger bis zur Abfertigungsbude, Knochenbruchgefahr. Von Wegen wir können Glatteis. Nichts als dummes Angebertum.

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    • dp80
    • 21.12.2010 um 14:41 Uhr

    "Glatteis vom Flieger bis zur Abfertigungsbude, Knochenbruchgefahr."

    Der Artikel vergaß zu erwähnen, dass Skandinavier auch zu Fuß den Schnee gewohnt sind und gar nicht erst solche lächerlichen Gesetze wie bei uns kennen, dass man seinen Gehsteig räumen muss und verantwortlich für die Dummheit und Unvorsicht der Passanten ist.

    • dp80
    • 21.12.2010 um 14:41 Uhr

    "Glatteis vom Flieger bis zur Abfertigungsbude, Knochenbruchgefahr."

    Der Artikel vergaß zu erwähnen, dass Skandinavier auch zu Fuß den Schnee gewohnt sind und gar nicht erst solche lächerlichen Gesetze wie bei uns kennen, dass man seinen Gehsteig räumen muss und verantwortlich für die Dummheit und Unvorsicht der Passanten ist.

  6. ...dass gerade in Deutschland die Arroganz und Überheblichkeit der Manager zu groß ist als dass sie dieses Angebot annehmen.

    Was mich eher interessieren würde: Ist der Flughafen in privater oder staatlicher Hand?

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    ... ist heute nicht mehr die Frage.

    Dass Private mit einigen Eventualitäten schlechter zurecht kommen, entschuldigen sie mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen. Dass städtische oder staatliche Behörden nicht mit den Schneemassen zurecht kommen, wird mit Finanz- und demzufolge Gerätschafts- und Personalknappheit begründet.

    Heute wird zu viel gefragt was es kostet, statt was gut wäre. Obwohl das leicht möglich wäre.

    Das BIP steigt immer weiter. Leider kommt es immer weniger Menschen zu gute. Zunehmende Funktionsstörungen inbegriffen.

    ... ist heute nicht mehr die Frage.

    Dass Private mit einigen Eventualitäten schlechter zurecht kommen, entschuldigen sie mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen. Dass städtische oder staatliche Behörden nicht mit den Schneemassen zurecht kommen, wird mit Finanz- und demzufolge Gerätschafts- und Personalknappheit begründet.

    Heute wird zu viel gefragt was es kostet, statt was gut wäre. Obwohl das leicht möglich wäre.

    Das BIP steigt immer weiter. Leider kommt es immer weniger Menschen zu gute. Zunehmende Funktionsstörungen inbegriffen.

    • andkos
    • 21.12.2010 um 12:38 Uhr

    Wir wollen alle billig fliegen, die Fluglinien den Flughäfen möglichst wenig abgeben mit dem Ziel das die Flughäfen schon lange alles wegrationalisieren, was nicht absolut effektiv eingesetzt werden kann. Schneeräumung ist aufs ganze Jahr gesehen nichts effizientes, also muss man wohl mit den Problemen leben! (oder einen vernünftigen Preis für einen vernünftigen Service zahlen)

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    • dp80
    • 21.12.2010 um 14:43 Uhr

    Das ließe sich lösen: Flubbuchungen zwischen November und Februar könnten ja mit einer "Schneegebühr" belegt werden. Wer im Winter fliegt, muss ein wenig Aufschlag zahlen.

    • dp80
    • 21.12.2010 um 14:43 Uhr

    Das ließe sich lösen: Flubbuchungen zwischen November und Februar könnten ja mit einer "Schneegebühr" belegt werden. Wer im Winter fliegt, muss ein wenig Aufschlag zahlen.

    • CM
    • 21.12.2010 um 12:40 Uhr

    Liebe Schweden,

    tut doch mal was für die Umwelt:

    Wenn täglich zahlreiche Flüge vom Frankfurter Flughafen ausfallen ist das eine willkommene Pause vom Lärm und den Abgasen, mit denen er das Rhein-Main-Gebiet ständig belastet.

    Und was den Schnee angeht, da sind wir allesamt total lernfähig:

    http://community.zeit.de/...

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