Portugal Die Hauptstadt der Pferde
Kaum Autos, aber jede Menge PS: In der portugiesischen Stadt Golegã trifft man Pferdezüchter, Amazonen und Stierkämpfer. Und ihre Pferde, die berühmten Lusitanos.
Carlos Relvas war ein Mann vieler Talente: Einer der bedeutendsten Fotografen seiner Zeit, ein origineller Erfinder, aber auch ein famoser Stierkämpfer. Als Familienvater bewies er ebenfalls Begabung: Sein Sohn José rief vor genau hundert Jahren in Lissabon die Republik aus. Außerdem war Relvas, wie es sich für einen guten Bürger Golegãs gehört, Pferdezüchter, Pferdetrainer und Pferdenarr.
Seine Villa dürfte eines der ungewöhnlichsten Häuser Portugals sein – eine Kreuzung aus Tempel, Treibhaus und Theater. Ein Haus wie aus einem Roman von Jules Verne, im nostalgischen Futurismus der Belle Epoque, ein Traum aus Eisen, Glas und Tropenholz. Der eigenwillige Baustil verdankt sich dem Umstand, dass er es konsequent als Ateliergebäude anlegte, als eine Heimstatt der Fotografie. So dass über dem Erdgeschoss ein gotisch hohes, vollverglastes Studio thront. Mit Paravents und Sonnensegeln konnte Relvas dort jede gewünschte Atmosphäre für Porträtaufnahmen zaubern.
Die Menschen stiegen über eine Wendeltreppe empor in dieses Reich des Lichts, für seine liebsten Studiogäste aber, die Pferde nämlich, ließ er eigens eine Rampe anlegen. Er starb, wie er gelebt hatte, stilecht und authentisch – an den Folgen eines Reitunfalls.
- Anreise
Von den meisten größeren deutschen Flughäfen bestehen Verbindungen nach Lissabon. Vom Flughafen sind es knapp anderthalb Stunden Autofahrt bis Golegã. Nächstgelegene Bahnstationen: Santarém und Entroncamento.
- Unterkunft
Hotel Lusitano: Charmantes kleines Hotel im Zentrum, DZ 150 – 220 Euro. Rua Gil Vincente 4, 2150-193 Golegã, Tel. 00351 249 979 170, www.hotellusitano.com
- Pferdemesse
Die Messe findet jedes Jahr im November statt. Programm unter www.horsefairlusitano.org
- Pferderundreise
Der Reisedienst Henker-Debuisson bietet für rund 1100 Euro eine sechstägige Portugalreise für Pferdefreunde an, bei der neben der Feira Nacional auch etliche Gestüte besucht werden. Am Vorderflöß 48, 33175 Bad Lippspringe, Tel. 05252/98480, www.henker-debuisson.de
- Auskunft
Weitere Auskünfte gibt das Portugiesische Fremdenverkehrsamt, Zimmerstr. 56, 10117 Berlin, Tel. 030 254 10 60 / 0180 500 49 30, www.visitportugal.com
Eingebettet in einen romantischen Garten, zählt das schmucke Museum heute zu den Attraktionen von Golegã. Das beschauliche, mit Storchennestern garnierte Landstädtchen liegt im Tal des Tejo, etwa achtzig Kilometer nordöstlich der Hauptstadt. Wobei es selbst einen nicht minder kapitalen Titel beansprucht: den der Pferdehauptstadt Portugals.
Etliche wichtige Züchter residieren in der näheren Umgebung, dazu einige größere Gestüte. Mit dem Informationszentrum Equuspolis wurde kürzlich eine weitere attraktive Anlaufstelle geschaffen. Vor allem aber ist Golegã alljährlich im November Schauplatz der Feira Nacional do Cavalo. Zu dieser Pferdemesse rund um den Martinstag – halb Jahrmarkt und halb Zuchtschau – strömen Lusitano-Liebhaber aus ganz Portugal, aus Spanien, Deutschland, England und Brasilien herbei. Was Fatima für die Katholiken, ist Golegã für die Pferdeleute: die Pilgerstätte mit dem höchsten Prestige. Ein Pferd, das sich dort bewährt hat, steigt automatisch im Preis. Denn wenn es diese Rosskur überstanden hat, so die landläufige Argumentation, lässt es sich von nichts mehr aus der Ruhe bringen.
© Stefan Schomann

Schilder in Golegã
Tatsächlich ist die Unerschütterlichkeit und Toleranz der Lusitanos legendär. Und tatsächlich können sie die in Golegã nur allzu gut gebrauchen.
Rund 3000 Pferde rücken jedes Mal an – fast so viele, wie das Städtchen Einwohner zählt. Die Straßen hallen wider vom Klacken der Hufe auf dem Kopfsteinpflaster, die Transporter rangieren in chaotischer Choreographie durch die Gassen und auf jeder verfügbaren Fläche im weiten Umkreis grasen Lusitanos.
- Datum 17.12.2010 - 11:06 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... für den wunderschönen Bericht! Ich hab mir erlaubt, darauf uch in unserem Forum hinzuweisen:
http://www.portugallierfo...
Der Bericht ist was für mein Reiterherz (reite seit 30 Jahren klassisch=englisch), doch man kann einem "normalo" leider die Reiterszene nicht begreiflich machen, warum man Entbehrungen und viele Anfeindungen in Kauf nimmt, um beim Pferd zu sein bzw. wenn das Pferd krank ist, ist man es selbst.
Ohne das Pferd wäre die Menschheit nicht so weit gekommen (m.M.)., die Vielfalt der Rassen und ihre "Verwendung" ist einzigartig und gerade die Altrassen wie sie auf vielen Kunstwerken/Bildern der Meister zu finden sind (Turner und co) zeigt doch ohne Pferde sähe die Weltgeschichte ein bischen anders aus, oder könnt ihr euch z.B. Napoleon zu Fuss vorstellen beim Feldzug durch Europa ??
(PS: reite immer noch mit Begeisterung und werde dies wohl bis ins hohe Alter machen, jetzt bin ich 44!!)
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