ZEIT ONLINE:  Herr Kirchthaler, was ist die größte Herausforderung, wenn man alleine mit seinem Kind in Urlaub fährt?

Gerold Kirchthaler: Alleinreisende müssen sich den ganzen Tag um ihre Kinder kümmern – genau wie zu Hause. Sie brauchen aber selbst auch mal Zeit, um sich zu erholen.

ZEIT ONLINE: Wie helfen Sie Ihren Kunden dabei?

Kirchthaler: Der Urlaub der Eltern beginnt, wenn ihre Kinder am Urlaubsort Spielkameraden kennengelernt haben. Dann können sich ihre Eltern mit anderen Erwachsenen unterhalten, für zehn Minuten alleine in die Sauna gehen oder sich einfach einen Kaffee gönnen. Das klingt banal für Eltern, die in einer Beziehung sind. Aber für Alleinerziehende sind diese kleinen Pausen ein echter Segen. Auf einer Hütte in Tirol ist mir einmal ein Vater um den Hals gefallen – weil er im Urlaub endlich mal in Ruhe sein Bierchen trinken konnte, während seine drei Kinder mit anderen im Bach planschten. Der Mann ist mittlerweile Stammkunde bei uns.

ZEIT ONLINE: Spielkameraden und Ablenkung finden Kinder aber doch in jeder beliebigen Hotelanlage.

Kirchthaler: Das schon. Aber für Alleinerziehende ist es manchmal schwierig, dort auf all die intakten Familien zu stoßen. Auch wenn sich die Kinder noch so gut verstehen und man mit den anderen Eltern abends im Restaurant an einem Tisch sitzt: Da schielt dann womöglich der verheiratete Vater einen Moment zu lange auf die Single-Mama und schon ist die schöne Stimmung verschwunden. Mit Gleichgesinnten zu verreisen ist oft leichter. Nicht, weil die Alleinerziehenden die ganze Zeit beisammen sitzen und über ihre Probleme reden würden. Im Gegenteil, bei uns wird viel gelacht. In dieser Konstellation können die meisten Mütter und Väter einfach lockerer ihren Urlaub verbringen. Das Verständnis füreinander ist einfach größer.

ZEIT ONLINE: Unterscheidet sich dieser Urlaub denn sehr von dem Urlaub, den beide Eltern gemeinsam mit ihrem Kind verbringen?

Kirchthaler: Nein. Zu Anfang habe ich den Fehler gemacht, als Reiseleiter bei den Gruppenreisen ein viel zu volles Programm anzubieten. Dabei genießen Alleinerziehende im Urlaub im Prinzip das gleiche wie andere Eltern auch; wir unterstützen sie nur ein bisschen. Wenn wir etwa in Tirol mit den Lamas wandern gehen, dürfen die Eltern nach der ersten Etappe noch eine Hütte weiter laufen. Wir wandern unterdessen mit den Kindern zurück, essen ein Eis und gehen auf den Spielplatz. Wir lassen uns jeden Tag ein freiwilliges Angebot einfallen: eine Wanderung, einen Besuch im Museum, einen Grillabend oder eine Fackelwanderung.

ZEIT ONLINE: … während die Eltern gemütlich an der Bar sitzen?

Kirchthaler: Wir sind kein Animationsclub für Kinder. Am Anfang der Reise sage ich immer ausdrücklich: Wir möchten, dass beide miteinander Urlaub machen – die Kinder, aber auch die Eltern. Bei uns können Kinder nicht für einige Stunden einfach abgegeben werden. Eltern wollen das aber in der Regel auch nicht: Wie alle anderen Mütter und Väter wollen auch Alleinerziehende schließlich im Urlaub Zeit mit ihren Kindern verbringen.

ZEIT ONLINE: Brauchen alleinreisende Eltern eine spezielle Infrastruktur?

Kirchthaler: Nein, sie schätzen die gleiche Infrastruktur wie die meisten Familien: ein schönes Hotel, Natur, einen tollen Spielplatz oder Tiere, andere Kinder und Eltern, ein Buffet und kein kompliziertes Menü im Restaurant. Die meisten wünschen sich den Klassiker: einen ganz normalen, finanzierbaren Urlaub mit viel Spaß.

 

ZEIT ONLINE: Warum bieten sie dann neben Gruppenreisen auch die Organisation von Individualreisen an?

Kirchthaler: Weil Alleinerziehende oft von anderen Reiseunternehmen auf den Arm genommen werden. Meist wird zum Beispiel ihr Kind wie ein zweiter Erwachsener im Doppelzimmer berechnet. Das ist unverschämt! Wir verhandeln mit den Hotels faire Preise für Singles mit Kind. Außerdem bieten wir seit diesem Jahr auch in bestimmten Hotels an ausgewählten Terminen Reisen ohne Reiseleiter und Programm an. Durch den vorgegebenen Reisetermin sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch andere Alleinreisende mit Kindern dort. Wir vereinbaren einen Treffpunkt und reservieren fürs Abendessen einen gemeinsamen Tisch. Der Rest ergibt sich von alleine.

ZEIT ONLINE:  Sind auf Ihren Reisen denn auch schon neue Lieben entstanden?

Kirchthaler: Ich weiß alleine von vier Paaren, vielleicht sind es auch mehr. Aber darum geht es den meisten nicht. Und die Männerquote ist auch leider auf den meisten Reisen nicht die höchste: Zwei Drittel der Erwachsenen sind Frauen, oft auch mehr.

ZEIT ONLINE: An Auslandsreisen haben Sie vor allem Korsika und Mallorca im Programm. Warum bieten Sie keine Reisen in entlegenere Länder an – sind lange Flüge für alleinreisende Eltern doch zu anstrengend?

Kirchthaler: Nicht unbedingt. Ich bin mit meinem Sohn auch schon oft und weit gereist. Unsere aufregendste Reise hatten wir vor einigen Jahren nach Florida . Davon redet mein Sohn heute noch. Ich arbeite bereits an etwas größeren Reisen: Dubai etwa. Oder eine Kreuzfahrt. Gerade Eltern, die auch vor der Geburt ihrer Kinder viel unterwegs waren, reizt die weite Welt auch jetzt noch. Das kennen Sie ja, nicht wahr?

Informationen auf der Webseite www.smk-reisen.de