Eine der vier Lounges am Frankfurter Flughafen © Fraport

Wenn die weiß getünchte Stahltür zufällt, wird es still, ganz wunderbar still. Das ist der Passagier nicht gewohnt vom Flughafen Frankfurt, diesem akustischen Wahnsinnsort, wo ständig Füße trappeln, Handys klingeln, Gongs tönen, und immer jemand gerade streitet. Aber in diesem Raum, nur ein paar Meter Luftlinie vom Shoppingparadies im Terminal 1 entfernt, plätschert leise eine Klimaanlage wie der Wasserfall in einem Zen-Garten, ab und zu springt das Kühlfach mit dem köstlichen Cavalcina-Weißwein an, und manchmal hört man ein dumpfes Geräusch, als würde es weit weg im Taunus gerade donnern. Dann ist eine Boeing 747 gelandet, akustisch abgefedert durch schalldichte Fenster.

Wir sitzen in einer der vier VIP-Lounges, das ist so etwas wie der Sanatoriumsbereich des Rhein-Main-Airports – wegen der entspannenden Geräuschkulisse, des besorgten Services und den braun-cremefarbenen Beruhigungstönen auf Wand, Teppich und Sesseln. VIP, das klingt nach High Society, Luxus und Dekadenz wie im alten Rom. Dekadent ist in der Lounge höchstens der seltsame Leuchter, den ein Angestellter Dornenkrone nennt, weil er wie ein übergroßer Kranz den Wartenden des Hauptraumes die Sicht verstellt und extravagant wirkt im recht diskret eingerichteten Ambiente.

Die Fraport AG, Betreiber der Lounge, bedient nach wie vor die Reichen und Satten dieser Welt, die First-Class-Bereiche von Fluggesellschaften als Passagier-Massenhaltung empfinden. Aber was kaum jemand weiß: seit 35 Jahren schlüpfen auch Economy-Reisende in die Komfortzone hinein. Vorausgesetzt, sie sind willens, für das Privileg womöglich mehr als für ihr Ticket zu bezahlen, nämlich 298 Euro pro Person und Tag.

In dem Preis enthalten sind die Abholung vom oder zum Flugzeug, die Organisation des Check-In bei Reiseantritt, die Aufgabe oder Abholung des Gepäcks und der Aufenthalt in einer der vier Lounges mitsamt Service-Annehmlichkeiten. Es gibt Getränke, Internet, Snacks wie Sandwiches oder Salate, viel Ruhe und die Aufmerksamkeit von einem der 24 persönlichen Betreuer.

Von jemandem wie Frau Lösner zum Beispiel, einer aparten blonden Frau mittleren Alters, die mit ihrem freundlichen Auftreten sicher auch Weltkonflikte beilegen könnte. Sie steht um 15 Uhr im Finger bereit, der Terminal und Maschine verbindet, empfängt den Reisenden aus Berlin und führt ihn rechts eine Treppe hinunter, noch bevor er das Terminal betritt. Dafür hat man schließlich bezahlt, sich nicht unter das Volk mischen zu müssen.

Mit einem schwarzen Jaguar XS, einer der 13 Limousinen, fährt sie die internen Flughafenwege entlang, der Gast hat einen Blick auf die Eingeweide des ungeliebten Kraken FRA. Zu unübersichtlich, zu lange Wege, zu viele Terminals, stöhnen Passagiere oft. Mit Frau Lösner hat man einen kurzen Weg, es sind gerade einmal fünf Minuten Fahrtzeit in nachgebenden Ledersitzen.

Es handelt sich um einen Transitaufenthalt mit eingebauter Erschwernis. Der Weiterflug erfolgt nämlich mit einer anderen Gesellschaft. Kein Problem. Die Betreuerin redet mit der Fluglinie, den Gepäckarbeitern, dem Zoll- und Sicherheitspersonal, natürlich alles über Telefon und Walkie-Talkie. Davon bemerkt der Gast nichts, er sitzt abgeschirmt in der Uhren-Lounge – einer Art Hotelzimmer mit Kirschholzregalen, von einer Uhrenmarke gesponsert.