Wenn Murphy mit an Bord ist, kann nichts schief gehen. Seinen Augen und seiner Nase entgeht nichts. Vor Aufregung zitternd steht er an der Reling des Katamarans Into the Blue , sein zerzaustes, bräunlich-weißes Haar flattert im Wind. Wenn irgendwo dort draußen Delfine sind, wird Murphy sie entdecken. Der drei Jahre alte Terriermischling hat eine Leidenschaft für Meerestiere.

Und davon gibt es in Murphys Heimat reichlich. Rund um die Banks-Halbinsel im Süden Neuseelands tummeln sich Seelöwen, Pinguine – und die kleinsten Delfine der Welt, die Hector-Delfine. Die Meeressäuger aus der Gattung der Schwarz-Weiß-Delfine sind die kleinsten Vertreter der Wale und ausschließlich in Neuseeland zu finden. Ein beachtlicher Teil des nur noch circa 7000 Tiere umfassenden Gesamtbestands lebt rund um die Banks Peninsula, die sich wie eine Beule südöstlich von Christchurch in den Pazifischen Ozean wölbt.

Vor Millionen von Jahren durch die gewaltigen Eruptionen dreier Vulkane entstanden, ist die Banks Peninsula heute eine Oase der Idylle und Beschaulichkeit. Auf den von Wind und Wetter geschliffenen Berghängen – gute 900 Meter über dem Meeresspiegel liegt der höchste Punkt der Halbinsel heute – grasen Kühe und Schafe, in den Senken und Tälern ducken sich Grüppchen von Bäumen und Büschen.

Ein Wiederaufforstungsprogramm versucht den Kahlschlag der letzten Jahrzehnte wieder gut zu machen. Allerdings wachsen die einheimischen Hölzer so langsam, dass auch mit schnell wachsenden Nadelbäumen nachgeholfen wird.

Auf und ab geht die Straße durch die hügelige Landschaft, Kurven und Kehren führen durch kleine Weiler mit Namen wie Lyttelton, Little River, Hilltop und Barrys Bay bis nach Akaroa, dem Hauptort und touristischen Zentrum der eiförmigen, knapp 40 Kilometer langen Halbinsel mit zerfransten Rändern. Nur 550 Einwohner hat das Örtchen, das in der Maori-Sprache so viel wie langer Hafen heißt. Nicht ohne Grund: Akaroa liegt zwar im Innern der Banks Peninsula, am Krater des ehemaligen Vulkans, ist aber durch einen Meeresarm mit der offenen See verbunden.

Ein Hauch von Frankreich weht durch die Straßen, die sich am Ufer entlang und die Hänge hinaufwinden. Die Rue Lavaud, die Rue Balguerie, die Rue Jolie oder die Rue Benoit weisen noch heute darauf hin, dass der Ort einst von Franzosen gegründet wurde.

Die Holzveranden der weiß und rot gestrichenen Häuschen aus der Zeit der Siedlungsgründung sind umrankt von roten, rosafarbenen und weißen Kletterrosen. In den Vorgärten blühen Fingerhüte, Lavendel, Bauernrosen und Rhododendren in üppiger Pracht. Die Blätter riesiger Palmen rauschen im Wind, Linden und Walnussbäume, gepflanzt von den frühen Siedlern zur Erinnerung an das weit entfernte Zuhause, spenden Schatten.

Als das Walfangschiff Cachalot 1838 hier ankam, war Kapitän Jean Langlois angetan von der geschützten Lage des Naturhafens und handelte den ansässigen Maori das Land ab. Um das Gebiet vorschriftsmäßig in Besitz zu nehmen, wurden eine Flagge und mehr Menschen benötigt. Also segelte Langlois zurück nach Frankreich, um beide zu holen. Als er mit zwei Schiffen samt Siedlern im August 1840 wieder auf der anderen Seite der Welt ankam, war es bereits zu spät – nur wenige Tage zuvor hatten die Briten die Region zu ihrem Territorium erklärt. Die 57 französischen Immigranten blieben trotzdem.

Cafés und Restaurants reihen sich heute neben Boutiquen und Galerien – Akaroa ist ein beliebtes Ausflugsziel für Neuseeländer. Nur gut 80 Kilometer sind es von der 390.000-Einwohner-Stadt Christchurch, der größten Stadt der neuseeländischen Südinsel, bis hier her.