Ponytour in Lesotho Sie reiten schneller als SMS

Im Hochland Lesothos gibt es nur wenige Autos und kein Handynetz. Auf Ponytouren lernt man Land und Leute kennen – und wird zum Teil der Nachrichtenkette.

Einheimische reiten auf Pferden durch das Hochland.

Einheimische reiten auf Pferden durch das Hochland.

Rock rührt sich nicht. Keinen Zentimeter weiter will sich das Basotho-Pony der Schlucht nähern, die der Makhaleng-Fluss Hunderte Meter tief in den Fels des umliegenden Gebirgsplateaus geschliffen hat. Der Abstieg auf den Serpentinenpfaden ist halsbrecherisch, das Zögern des Ponys verständlich. Seit Stunden schon staksen Rock und die anderen Ponys gehorsam über zum Teil spiegelglatte Felsvorsprünge des Maloti-Gebirges. Der Ritt ist nichts für schwache Nerven und die Tatsache, dass jeder Reiter seine Krankenversicherungsnummer im Büro der Pony-Führer-Vereinigung hinterlegen muss, macht angesichts der Route nur nervöser.

Scheinbar hat auch Rock keine Lust mehr. Doch als Mahau Mahau, der Tourguide, drei Mal mit der Zunge schnalzt, setzt sich das Pony plötzlich wieder in Bewegung. "Die Schnalzlaute klingen für die Ponys wie das Klackern von Hufen auf steinigem Boden", sagt Mahau. Der Herdentrieb macht dem Tier Beine. 

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Mahau reitet nicht zum ersten Mal auf dieser Strecke durch das Hochland. Seit zehn Jahren arbeitet der 28-Jährige als Tourguide. In die Schlucht sei noch keiner gefallen, muntert er die Reitanfänger auf. Die Pferde wüssten schon, was sie tun.

Tourguide Mahau Mahau (2.v.l.) führt seine Gruppe von Dorf zu Dorf.

Tourguide Mahau Mahau (2.v.l.) führt seine Gruppe von Dorf zu Dorf.

Die Ponytouren durch Lesothos Berge sind eine ungewöhnliche Art, das kleine, von Südafrika umgebene Land kennenzulernen. Bei Touristen werden sie immer beliebter. Ganze 65 Pony-Führer sind inzwischen in der Malealea Pony Trek Association zusammengeschlossen, der auch Mahau angehört.

Sie wurde 1986 zur Eröffnung der Malealea-Lodge gegründet, der einzigen Herberge im gleichnamigen Dorf. Die Pony Trek Association ist jedoch ein unabhängiger Betrieb. Das Buchungssystem läuft zwar über die Lodge, doch der Profit aus den Touristenführungen gehört den Guides. Für die meisten ist es die einzige Einnahmequelle.

Lesotho galt einst als das ärmste Land der Welt. In den letzten Jahren ist die Armut ein wenig zurückgegangen. Das liegt an den reichen Diamantenminen, vor allem aber am Trinkwasservorkommen, mit dem Lesotho Südafrika gegen Bezahlung versorgt. Doch die Mehrzahl der Einwohner lebt immer noch von Ackerbau und Viehzucht. Die Erträge decken dabei gerade ihren Eigenbedarf. Davon können sich die Urlauber selbst ein Bild machen: Vom Ponyrücken aus bekommt man einen authentischen Einblick in das Leben im ländlichen Lesotho.

Anreise

Flug mit South African Airways über Johannesburg nach Maseru. Am Flughafen gibt es mehrere Autovermietungen, unter anderem Avis (www.avis.co.za) und Argus (www.argusrentals.com). Für die rund anderthalbstündige Fahrt nach Malealea ist ein Allrad-Fahrzeug nicht nötig, für weitere Rundreisen durch das Land empfiehlt es sich aber.
 

Unterkunft

Doppelzimmer kosten 550 Loti (57 Euro) in Rundhütten mit eigenem Bad und 310 Loti (32 Euro) mit Gemeinschaftsbad. Farmhausdoppelzimmer (mit Bad) sind für 440 Loti (45 Euro) zu haben. Die Preise gelten für jeweils zwei Personen ohne Frühstück.

Das Restaurant der Lodge bietet drei Mahlzeiten pro Tag an, für Selbstversorger stehen zwei relativ spartanisch eingerichtete Gemeinschaftsküchen zur Verfügung. Informationen und Buchungen unter www.malealea.co.ls, info@malealealodge.com oder +27 (0)82 552 4215.

Ponytouren

Die Touren können spontan vor Ort gebucht werden, an Ostern, Weihnachten und langen Wochenenden empfiehlt sich jedoch eine frühe Reservierung über die Lodge. Tagestouren kosten zwischen 240 und 280 Loti (23 bis 29 Euro) pro Person bei mindestens zwei Teilnehmern. Mehrtägige Ausritte kosten 380 Loti (39 Euro) pro Person und Tag plus 75 Loti (8 Euro) pro Person und Nacht für Übernachtungen. Alle Touren sind geführt.

Reisezeit

Beste Reisezeit für Ponytouren in Lesotho sind die Sommermonate von November bis März. Im Süd-Winter schneit es häufig, statt Reitern kommen dann im Osten des Landes Skifahrer auf ihre Kosten.

Die Guides nehmen die Touristen mit in die Bergdörfer der zerklüfteten Maloti-Gebirgskette. Mindestens eine Übernachtung ist immer Teil der Tour. Mahau war mit manchen Gruppen aber auch schon mehr als zwei Wochen unterwegs. Das Geschäft läuft für ihn gut genug, um zu expandieren: "Rock war mein Startkapital. Mein erstes Pony", sagt Mahau über den Hengst. Später kam noch Rasta dazu, ebenfalls ein Hengst. 

Die Piste ist inzwischen zwar breiter, ähnelt mit all dem Geröll allerdings mehr einem trockenen Flussbett als einer Straße. Ein Dutzend Ziegen sucht im kargen Gebüsch nach ein paar saftigen Blättern. Das Bimmeln der Glocken um den Hals des Viehs ist in der Mittagshitze weit und breit das einzige Geräusch. "Wir müssen hier kurz anhalten." Ein paar Rundhütten stehen weiter unten am Hang. "Ich muss eine Nachricht überbringen", entschuldigt sich Mahau. Er verschwindet in einem der Lehmhäuser. Worum es geht, sagt er nicht. Briefgeheimnis.

Kein Briefträger kommt in dieses Dorf. Wer Post bekommt, holt sie bei der nächsten Schule ab, die einige Reitstunden talwärts liegt. Die Nachricht, die Mahau heute überbringt, wurde jedoch dringend erwartet. So dringend, dass sie nicht einmal per SMS geschickt werden konnte. Die Netzabdeckung ist in Lesotho so schlecht, dass Nachrichten und Anrufe nur ankommen, wenn sich der Handybesitzer dorthin begibt, wo er Empfang hat. Das heißt in den meisten Fällen: auf die Spitze des nächsten Berges. Der Ponybote ist da die zuverlässigere Lösung.

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