Seidenstraße Bis zum Bahnhof Samarkand
Granatapfelfarbe und Fayencenmosaiken: Eine Zugreise zu den exotischen Handelsorten entlang der Seidenstraße von Usbekistan nach Turkmenistan.
© Dagmar Krappe

Der Registan-Platz in der usbekischen Stadt Samarkand
Nasiras größte Stärke ist Geduld. Die zweite ist Fingerfertigkeit. Beides braucht sie, denn der Erfolg ihrer Arbeit wächst nur um wenige Zentimeter pro Tag. Bis zu einem Jahr arbeite sie am selben Teppich, sagt die Zwanzigjährige, während sie aus acht Farben den richtigen Faden auswählt und um zwei Kettfäden knotet. Eine Vorlage benötigt sie nicht mehr: "Nach einigen Wochen hat man das Muster im Kopf."
Nasira arbeitet als Teppichknüpferin in der Seidenfabrik von Abdullahad Badghisi in Samarkand in Usbekistan. Er ist einer der Hauptorte, durch den einst die Straße führte, der die Seide den Namen gab. Die Seidenstraße wurde nicht geplant, sie wuchs ganz allmählich aus einem Geflecht alter Handelswege, die das Mittelmeer mit Ostasien verbanden, zusammen. Erst Jahrhunderte nach ihrem Niedergang prägte der deutsche Geograph und Geologe Ferdinand Freiherr von Richthofen während seiner Chinareisen Mitte des 19. Jahrhunderts das Wort Seidenstraße. Statt auf schaukelnden Kamelen bereist man sie heute bequem mit dem Bus oder Zug. "450 Mitarbeiter hat das 200 Jahre alte Familienunternehmen", erzählt Abdullahad und demonstriert wie reißfest Seide ist: "Stärker als Stahl. Wir verwenden nur usbekische Seide aus dem Umland von Taschkent für unsere Teppiche und färben sie mit Naturfarben, die wir aus Granatapfel- und Wallnussschalen, Krappwurzel oder der Indigopflanze gewinnen."
Ashgabat in Turkmenistan ist Ausgangpunkt der zweiwöchigen Zugreise. An geschmeidige Seide erinnert hier nichts. In der Hauptstadt baute sich der ab 1991 regierende Präsident Saparmurat Nijasow, der sich den Namen Turkmenbashi – Führer der Turkmenen – gab, ein Personenkultimperium aus weißem Marmor, das in Teilen an Washington D.C. und Disneyland erinnert. Goldene oder bronzene Abbilder des verstorbenen Präsidenten auf Lebenszeit stehen an jeder Ecke. Seit 2006 ist Vizeministerpräsident Gurbanguly Berdymuchammedow an der Macht. Er versprach dem armen Land Reformen, doch diese kommen nur zögerlich.
Vom 1952 erbauten Bahnhof verlässt der Zug ein touristisch unterentwickeltes Land, in dem jeder Schritt von Polizisten beobachtet wird. Putzbrigaden halten die menschenleere Stadt fast klinisch rein. Durch braune Steppe und entlang roter Mohnfelder rattert der Zug Usbekistan entgegen.
- Datum 16.02.2011 - 16:34 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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