Ein Kursteilnehmer zeigt seine selbstgebauten Ski © PR

Das "verrückte Eck" liegt am Rand des oberbayrischen Dorfes Bad Bayersoien. Es ist eine Ansammlung von Höfen, die nicht ganz so ordentlich aussehen wie der Rest des Dorfs. Auf einem zerschlissenen Sofa in einem der Vorgärten räkelt sich eine gefleckte Katze. Jemand hat ein Schild mit Ölfarbe bepinselt: "Skibuilding" steht darauf. Vom Dachbalken baumelt ein betagter Skiliftsessel. An der Tür hängt ein Zettel. "Normalerweise", heißt es dort, "öffnen wir zwischen neun und elf Uhr. Manchmal kann es auch später werden. An einigen Tagen sind wir überhaupt nicht hier, aber es kann sein, dass wir dann doch noch kommen."

In der Werkstatt, die im Sommer als Fahrradgeschäft dient, haben sich zwölf Männer um Andreas Fehlau versammelt. Fehlau ist Softwareprojektleiter. Nebenbei arbeitet er als Skibaumeister. Er sei schon immer ein Fan von Selbstgebautem gewesen, sagt er. Mit seinen Kumpels habe er schon Autos umgebaut oder Fahrräder mit Elektromotor versehen. Als ihm vor einigen Jahren seine Skier gestohlen wurden, kam Fehlau auf die Idee, sich selbst welche zu bauen: "Das erste Paar, das ich gekauft habe, war Mist. Das nächste hingegen lief richtig gut. Ich wollte wissen, woran das liegt."

Fehlau packte der Forscherehrgeiz. Er zersägte schnelle und langsame Skier, verglich, tüftelte und begann selbst mit Glas-, Kohlefasern, verschiedenen Holzkernen und anderen Skimaterialien zu experimentieren. "Irgendwann begriff ich, worauf es ankommt. Und jetzt möchte ich mein Wissen weitergeben." In den nächsten zwei Tagen werden er und seine drei Kollegen den Teilnehmern, die aus Salzburg, Augsburg und aus der Schweiz angereist sind, beibringen, wie man seine "Brettl" selbst zimmert.

Buddha oder Pin-up – das Design bestimmt jeder selbst © PR

Der Skibaukurs ist gefragt: "Wir sind oft ausgebucht, obwohl wir keine Werbung machen", sagt Fehlau. "Als wir im vergangenen Jahr mit den Kursen anfingen, blieben uns nur zwei Tage, um auf Skitour zu gehen." Trotz ihres Erfolges wollen Fehlau und seine Kumpel ihr Skibauseminar nicht zu ihrer Haupteinnahmequelle machen. "Wir möchten unseren Kunden die Erkenntnis vermitteln, dass Skifahren noch mehr Spaß macht, wenn man den Weg dorthin selbst zurückgelegt hat." Fehlau schnappt sich einen Ski, auf dem das Logo eines deutschen Herstellers zu sehen ist und zersägt ihn in zwei Hälften. Weiße Masse quillt hervor. Fehlau kratzt sie mit seinem Taschenmesser ab. "Bauschaum, mit einer übergestülpten Plastikkappe." Es ist ihm wichtig, die Teilnehmer auf solche Qualitätsdefizite aufmerksam zu machen. So lernen sie die Skier Marke Eigenbau erst richtig zu schätzen.

Jeder Teilnehmer muss vor Beginn des Kurses ein zwanzigseitiges Formular ausfüllen. So soll geklärt werden, wie die Teilnehmer sich ihren idealen Ski vorstellen. Eine ganze Reihe von Entscheidungen muss getroffen werden: positive oder negative Vorspannung, kleiner oder großer Radius, harter oder eher weicher Ski, breite oder schmale Schaufel. Auch das persönliche skifahrerische Können sowie eventuelle Vorlieben für Powderfahren, Piste oder Funpark werden in Betracht gezogen. Und natürlich Größe und Körpergewicht. Fehlau und seine Kollegen werten diesen Informationen aus und bestellen das passende Material. Zum Kursbeginn liegt dann alles an den Arbeitsplätzen bereit.