Kavango-Sambesi-NaturparkOhne wilde Tiere keine Touristen

Chobe-Nationalpark, Victoria-Fälle, Okavango-Delta – ein Fünf-Staaten-Naturpark soll Afrikas Reiseziel Nummer eins werden. Dagny Lüdemann hat das Entwicklungsprojekt am Caprivi-Streifen besucht. von 

Verglichen mit deutschen Autobahnen ist es ein kleiner Stau. Doch die Letzten in der Warteschlange harren schon seit vier Tagen am Fähranleger in Kazungula aus. Der Sambesi-Fluss, über den die Fähre führt, bildet die Grenze zwischen Botswana und Sambia. Gerade einmal 400 Meter entfernt ist das andere Ufer. Und doch so weit. 

Vielleicht einen halben Kilometer lang ist die Kolonne aus Lastern und Kleintransportern, die beladen sind mit Stückgut und verschnürten Waren unter blauen Planen. Dazwischen bewegen sich Fußgänger, die wie Ameisen große Kisten und Säcke schleppen. Eine Frau verkauft den Wartenden Proviant.

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Was ist das Kaza-Projekt?

Kaza TFCA steht für Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area.

Die Idee ist, ein grenzübergreifendes Naturschutzgebiet zu schaffen, das sich über große Territorien der afrikanischen Staaten Angola, Botsuana, Namibia, Sambia und Simbabwe erstreckt. Im Jahr 2006 unterzeichneten die Staaten ein Memorandum zur Zusammenarbeit.

Das seit den neunziger Jahren geplante Kaza-Naturschutzgebiet liegt am Zusammenfluss der Flüsse Kavango und Sambesi und soll im Frühjahr 2011 offiziell eingeweiht werden. Es erstreckt sich über rund 350.000 Quadratkilometer im Gebiet zwischen den Flüssen Okavango und Sambesi. Die Fläche entspricht etwa der Deutschlands.

Schon Anfang der neunziger Jahre hatte Anton Rupert, Präsident der Southern African Nature Foundation – heute WWF Südafrika – die Idee, grenzübergreifende Parks zu gründen, um die Staaten Mosambik, Südafrika, Swasiland und Simbabwe wirtschaftlich und politisch zusammenwachsen zu lassen.

Mit Unterstützung der Vereinten Nationen, Prinz Bernhard der Niederlande und dem 1994 zum Präsidenten Südafrikas gewählten Nelson Mandela kam die Idee voran. 1997 wurde eigens dafür die Peace Park Foundation gegründet. Heute gibt es 24 dieser Peace-Parks auf dem afrikanischen Kontinent, unterstützt von der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC).

Was ist das Ziel des Internationalparks?

Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) verfolgt mit dem Parkprojekt in erster Linie wirtschaftliche Ziele: Der grenzüberschreitende Nationalpark soll den Tourismus fördern, Arbeitsplätze schaffen und so einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten, die Handelsbeziehungen zwischen den beteiligten Staaten verbessern.

Die beteiligten Staaten müssen sich auch politisch einigen – etwa darüber, wie Naturschutz, Wirtschaft und Tourismus in dem Kaza-Park nebeneinander bestehen können. Das Kaza-Projekt soll auch den Frieden in der Region stärken. Angola und Sambia leiden noch immer unter den Folgen zahlreicher Bürgerkriege – in Simbabwe herrschen Gewalt und Korruption.

Nichtregierungsorganisationen wie der World Wide Fund for Nature (WWF) sind an dem Projekt beteiligt. Sie entwickeln mit der Bevölkerung in und um den Park Einkommensalternativen, die mit dem Naturschutz im Einklang stehen.

Der Fähranleger am Grenzübergang liegt mitten im Kaza-Gebiet, einem Zusammenschluss aus Nationalparks, Schutzgebieten und Gemeinden der Staaten Angola, Sambia, Namibia, Botswana und Simbabwe. Irgendwann soll diese Region am Caprivi-Streifen die größte Touristenattraktion Afrikas werden. Das jedenfalls hoffen die Initiatoren des Kaza-Projektes , das gerade auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin vorgestellt wird. "Hauptziel ist die nachhaltige Entwicklung des Tourismus in den fünf beteiligten Ländern", sagt Sedia Modise, Leiter des Kaza-Büros in Botsuana.

Die Abkürzung Kaza TFCA steht für Kavango Zambezi Transfrontier Conservation Area . Auf einer Fläche so groß wie Deutschland sollen in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten neue Hotels und Safari-Lodges gebaut werden. Arbeitsplätze für die Einheimischen sollen so entstehen. Nicht nur ausländische Investoren werden daran verdienen, sondern auch die Menschen in den Gemeinden. So jedenfalls erhoffen es sich die Unterstützer des Projektes, zu denen zahlreiche Nichtregierungsorganisationen zählen, darunter der WWF Deutschland . Auch die Bundesregierung fördert das Projekt. 20 Millionen Euro hat die KfW-Entwicklungsbank zur Anstoßfinanzierung bereitgestellt. 

Tatsächlich hat die Region viel für Reisende zu bieten. Die Victoria-Fälle sind bereits heute eine gut besuchte Attraktion. Das demokratische Namibia gilt als sicheres Reiseland, viele Veranstalter bieten Rundreisen und Safaris an. Auch wenn die Infrastruktur in Botsuana noch nicht ganz so weit ist und die Landbevölkerung in Armut lebt, sind die Voraussetzungen für den Ausbau des Tourismus dort ebenfalls gut. Das Land lockt mit seinem elefantenreichen Chobe-Nationalpark und anderen Wildparks und wirbt mit dem einzigartigen und artenreichen Okavango-Delta als Reiseziel.

© ZEIT ONLINE

Leserkommentare
  1. Es wäre der Region sehr zu wünschen, daß man sich einigt und diese riesige Chance nutzt. Denn wer schon mal eine Safarie mitgemacht hat, der ist fast süchtig danach, weil, wo kann man diese herrlichen Tiere sonst in der freien Wildbahn beobachten??? Was Nr. 1 beschrieben hat ist dabei sehr, sehr wichtig, die natürlichen Recurcen zu erhalten und zu pflegen. Denn wenn das angesprochene Gebiet vernünftig und naturverträglich bewirtschaftet wird, können auch die Unterkünfte preiswerter werden. Wobei man trotzdem nicht in Massentourismus verfallen sollte. Denn ich kann mir kaum vorstellen, daß diejenigen die die Touristenhochburgen bevölkern auch einen 14-tägigen Safarieurlaub buchen würden. Man muß ihnen nur klar machen, daß dies mit einiger Anstrengung verbunden ist. Dann erledigt sich dies fast von selbst.

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  • Schlagworte Bundesregierung | Tourismus | Botsuana | Holz | Namibia | Safari
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