Verglichen mit deutschen Autobahnen ist es ein kleiner Stau. Doch die Letzten in der Warteschlange harren schon seit vier Tagen am Fähranleger in Kazungula aus. Der Sambesi-Fluss, über den die Fähre führt, bildet die Grenze zwischen Botswana und Sambia. Gerade einmal 400 Meter entfernt ist das andere Ufer. Und doch so weit. 

Vielleicht einen halben Kilometer lang ist die Kolonne aus Lastern und Kleintransportern, die beladen sind mit Stückgut und verschnürten Waren unter blauen Planen. Dazwischen bewegen sich Fußgänger, die wie Ameisen große Kisten und Säcke schleppen. Eine Frau verkauft den Wartenden Proviant.

Der Fähranleger am Grenzübergang liegt mitten im Kaza-Gebiet, einem Zusammenschluss aus Nationalparks, Schutzgebieten und Gemeinden der Staaten Angola, Sambia, Namibia, Botswana und Simbabwe. Irgendwann soll diese Region am Caprivi-Streifen die größte Touristenattraktion Afrikas werden. Das jedenfalls hoffen die Initiatoren des Kaza-Projektes , das gerade auf der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin vorgestellt wird. "Hauptziel ist die nachhaltige Entwicklung des Tourismus in den fünf beteiligten Ländern", sagt Sedia Modise, Leiter des Kaza-Büros in Botsuana.

Die Abkürzung Kaza TFCA steht für Kavango Zambezi Transfrontier Conservation Area . Auf einer Fläche so groß wie Deutschland sollen in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten neue Hotels und Safari-Lodges gebaut werden. Arbeitsplätze für die Einheimischen sollen so entstehen. Nicht nur ausländische Investoren werden daran verdienen, sondern auch die Menschen in den Gemeinden. So jedenfalls erhoffen es sich die Unterstützer des Projektes, zu denen zahlreiche Nichtregierungsorganisationen zählen, darunter der WWF Deutschland . Auch die Bundesregierung fördert das Projekt. 20 Millionen Euro hat die KfW-Entwicklungsbank zur Anstoßfinanzierung bereitgestellt. 

Tatsächlich hat die Region viel für Reisende zu bieten. Die Victoria-Fälle sind bereits heute eine gut besuchte Attraktion. Das demokratische Namibia gilt als sicheres Reiseland, viele Veranstalter bieten Rundreisen und Safaris an. Auch wenn die Infrastruktur in Botsuana noch nicht ganz so weit ist und die Landbevölkerung in Armut lebt, sind die Voraussetzungen für den Ausbau des Tourismus dort ebenfalls gut. Das Land lockt mit seinem elefantenreichen Chobe-Nationalpark und anderen Wildparks und wirbt mit dem einzigartigen und artenreichen Okavango-Delta als Reiseziel.

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