Die Deutsche Bahn hält die Pünktlichkeit ihrer Züge für gut, will die Zuverlässigkeit aber noch verbessern. "Insgesamt liegt die Pünktlichkeit der Personenverkehrszüge kontinuierlich bei mehr als 90 Prozent", sagte ein Bahnsprecher. Anschlusszüge würden nach Angaben der Bahn im Durchschnitt zu mehr als 93 Prozent erreicht. Diese Werte seien "für eines der weltweit komplexesten Bahnsysteme gut".

Die Bahn reagierte damit auf eine Studie der Stiftung Warentest. Danach waren in dem achtmonatigen Untersuchungszeitraum 33 Prozent der Fernzüge und 15 Prozent der Regionalzüge unpünktlich. Ein Zug gilt als unpünktlich, wenn er mehr als fünf Minuten verspätet ist.

Der Anteil der Verspätungen von Fernzügen war laut der Untersuchung in Erfurt mit 43 Prozent am höchsten, gefolgt von Leipzig mit 39 Prozent, Hamburg mit 38 Prozent und Berlin und Köln mit jeweils 37 Prozent. In München und in Kassel-Wilhelmshöhe lag der Anteil der Fernzüge mit Verspätungen ab sechs Minuten bei jeweils 34 Prozent.

Für ihre Untersuchung wertete die Zeitschrift test (Mai-Ausgabe) von Anfang Juli 2010 bis Ende Februar mehr als 1,3 Millionen Ankunftszeiten von Fern- und Regionalzügen in bundesweit 20 Bahnhöfen aus. Während dieser Zeit hatten unter anderem Kälte und Schnee den Bahnverkehr massiv behindert. Viele ICE-Züge hatten sich wegen des Wintereinbruchs im Dezember verspätet oder fielen ganz aus.

Je weiter die Züge fahren, desto höher ist laut Stiftung Warentest das Verspätungsrisiko. Am wenigsten Verlass ist demnach auf Nachtzüge, ICE und Eurocity. Verspätete ICE werden durch langsamere Güter- oder Regiozüge oft zusätzlich ausgebremst. Da die Regionalzüge häufig nicht mehr auf Anschlussreisende warteten, verpassten viele Kunden zudem ihre Anschlusszüge.

Insgesamt ist auf Regionalzüge mehr Verlass als auf die Fernzüge. Während bei Fernzügen sieben Prozent mehr als eine halbe Stunde Verspätung hatten, betraf dies bei den Regiozügen nur rund ein Prozent. Insgesamt ist die Bahn aber pünktlicher als andere Verkehrsmittel, so das Fazit der Verbraucherexperten.

Die Bahn nannte bei ihrer Reaktion auf die Kritik der Studie keine nach Zugarten oder Zeiträumen gegliederten Zahlen zu den Verspätungen. Die Studie der Stiftung Warentest verkenne, dass "an den meisten Tagen die Pünktlichkeit wesentlich besser als ermittelt liegt", sagte der Sprecher.

Als Gründe für die Unpünktlichkeit nannte das Unternehmen die hohe Anzahl von Baustellen. Im vergangenen und in diesem Jahr werde an den Strecken so viel gebaut wie noch nie.

"Um dauerhaft besser zu werden, müssen mehr Investitionen in den Ausbau von Hauptstrecken und Knoten fließen", forderte die Bahn. Um mehr Züge zur Verfügung zu haben, würden derzeit Intercitys und ältere ICE technisch überholt und modernisiert. Von Dezember 2011 an sollen zudem 16 neue ICE 3 eingesetzt werden.