Kazi Sherpa ist beunruhigt. Er weiß: Das, was sich da an den Hängen des Himalaja türmt, bedeutet Unglück. "Manche verbrennen Wacholder, um die Berge zu besänftigen." Doch das Unglück gedeiht allzu gut im Hochland Nepals. Die Sherpa, für ihr Wissen um die Natur ge- und berühmte Gebirgssiedler, füllen ihre Täler mit Müll. Hartplastik, Zellophan und Aluminiumpapier speisen die Deponien des Himalaja. "Viele machen sich über die Umwelt überhaupt keine Gedanken. Die Leute sind faul geworden", sagt der Bergführer über sein Volk.

Der Müll kam mit den ausländischen Gästen, einer willkommenen Geldquelle für die meisten Hochlandbewohner Nepals.

Die Touristen brachten nicht nur Ansehen, Entwicklung und Wohlstand für das Volk der Sherpa, das vor mehr als 500 Jahren aus Tibet über die Berge ins heutige Nepal zog. Die auf Abenteuer und neue Herausforderungen erpichten Besucher aus dem Westen förderten auch neue Bedürfnisse nach der zuvor unbekannten Warenwelt. Nach Flaschenwasser, Schokoriegeln und Fertigsuppen in der herrlichen Umgebung der Sherpa aus Fels und Eis.

Von den Fremden blieb einiges zurück: Folien, Dosen und Plastikbecher. Kleine Haufen waren es zunächst, dann Hügel, mittlerweile ist es ein tonnenschweres Erbe. "Wanderwege halten die Sherpa meist sauber für die Touristen", sagt Elisabeth Mackner vom Umweltprojekt Eco Himal. Aber dort, wo sie nicht hinkommen, nimmt man es mit dem Aufräumen nicht mehr so genau. Die nächste Schlucht liegt schon etwas abseits und wird kurzerhand zur Müllkippe.

Früher, erinnert sich Kazi Sherpa, hat es das alles nicht gegeben, etwa die Bierdosen und Kaugummis, die sich heute in den Vitrinen der Wanderhütten stapeln. Früher, das waren die Zeiten von Getreideschnaps und Hirsebrei, von Wollröcken und Fellhüten. Das war, bevor Extrembergsteiger Schlange standen am Rocksaum der "Mutter des Universums", wie die Buddhisten der Berge den Mount Everest nennen.

Es war die Zeit vor Edmund Hillary. Der Neuseeländer brachte Flugzeugpisten und Hängebrücken ins unwegsame Hochgebirge. Geld und Technik sollten Hillary den Weg auf den Mount Everest (8848 Meter) bahnen. Und ein Sherpa-Träger half ihm dabei: Tensing Norkay. Als beide im Jahr 1953 dabei waren, den höchsten Punkt der Erde zu erklimmen, ging dies wie ein Weckruf durch das verschlafene Sherpaland.

Den Brücken und Flughäfen folgten Krankenhäuser und mehrere Dutzend Schulen, meist finanziert von ausländischen Spendern wie Hillary. Bildung und Wohlstand sickerten in die abgeschiedenen Bergtäler. Noch heute verehren die Sherpa den vor drei Jahren verstorbenen Hillary als "zweiten Vater". Mehr noch: "Er ist wie ein Gott für uns. So viel hat er unserem Land gegeben", sagt Kazi Sherpa.

Auch Hillarys Begleiter, Tensing Norkay, beschenkte die Sherpa. Er gab den früher von Wandertouristen eher abschätzig behandelten Helfern weltweites Ansehen als zähe, naturverbundene Bergkenner, an Sauerstoffarmut und Kälte in der Höhe angepasst. Schneetiger werden die Sherpa nun oft genannt. Mit Stolz enthüllen sie ausländischen Gästen die erhabene Schönheit des Himalayas.