Reisefilm auf Youtube "Ich bekam E-Mails von Menschen aus der ganzen Welt"
Als Todd Bieber im Park einen Film findet, bringt er ihn zum Entwickeln – und macht sich auf die Suche nach den Touristen auf den Fotos. Warum, erklärt er im Interview.
© privat

Der Filmemacher Todd Bieber in Paris
ZEIT ONLINE: Herr Bieber, Sie haben ein Youtube-Video ins Netz gestellt, das über 1,7 Millionen Mal aufgerufen wurde. Wovon handelt es?
Todd Bieber: Das Video erzählt eine Geschichte, die mir Ende letzten Jahres passiert ist: Ich war Skifahren im Brooklyner Prospect Park, als ich eine Rolle Fotofilm fand, die jemand dort verloren hatte. Erst wollte ich sie einfach im Schnee liegen lassen. Letztlich habe ich sie doch mitgenommen, um mich auf die Suche nach dem unbekannten Fotografen zu machen. Von dieser Suche erzählt das Video.
ZEIT ONLINE: Wozu der Aufwand?
Bieber: Ich stellte mir vor, wie enttäuscht ich gewesen wäre, hätte ich meinen Film verloren. Ich bin Filmemacher und mir persönlich bedeuten Bilder sehr viel. Der Prospect Park ist riesig und selbst wenn jemand gezielt nach dem Film gesucht hätte, wäre die Chance, diese kleine Dose wiederzufinden, gleich Null gewesen.
ZEIT ONLINE: Also haben Sie ihn mitgenommen und entwickeln lassen?
Bieber: Ja. Ich habe ihn zu einem Fotogeschäft in meiner Nachbarschaft gebracht und erklärt, dass ich ihn gefunden hätte, aber nicht wüsste, was darauf sei. Es hätte ja auch irgendetwas Merkwürdiges sein können.
ZEIT ONLINE: Waren Sie positiv überrascht oder eher schockiert, als Sie die Bilder ein paar Tage später abgeholt haben?
Bieber: In jedem Fall positiv überrascht! Auf dem Film waren wunderschöne Schwarz-Weiß-Aufnahmen von New York im Winter. Die Bilder mussten kurz nach dem großen Schneesturm entstanden sein. Jemand hatte Coney Island, die Brooklyn Bridge und den Central Park fotografiert. Auf einigen Bildern waren zwei europäisch aussehende Männer zu erkennen. Die letzten Fotos wurden im Prospect Park aufgenommen, wahrscheinlich kurz, bevor sie den Film verloren hatten.
ZEIT ONLINE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Video daraus zu machen?
Bieber: Ich hätte die Bilder natürlich auch einfach auf Facebook oder in meinem Blog posten können, aber die schnellste mir bekannte Methode, etwas im Internet zu verbreiten, ist per Video. Und da ich selbst Filmemacher bin, liegt mir das auch einfach am besten.
ZEIT ONLINE: Wie lange hat es gedauert, bis man auf Ihr Video aufmerksam wurde?
Bieber: Zuerst waren es nur einige Hundert Aufrufe, nach einem Tag schon zehntausend und nach vier Tagen über eine Million. Unfassbar! Damit hatte ich niemals gerechnet. Auf einmal bekam ich E-Mails von Menschen aus der ganzen Welt, die mir bei der Suche helfen wollten und Theorien aufstellten, wer die Männer auf den Bildern sein könnten.
- Datum 24.05.2011 - 14:29 Uhr
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Mal was anderes als Betrug und Beschiss! Schmunzeln musste ich bei der Reaktion der Fotografin, die natürlich den Trip und Euphorie ihres Filmeretters gar nicht miterlebt hatte. Das ist irgendwie sehr bezeichnend für komische, zwischenmenschliche Momente.
Dem Spruch kann ich nur zustimmen. Diese Verschwiegenheit in den ÖV ist echt erschreckend! Ich wünsche mir oftmals, dass es lockerer und entspannter zugehen würde.
Sehr schöner Artikel und ebenso schöne Story.
Von soetwas in der Art "träume" ich auch manchmal, wenn die Seele baumelt.
Zustimmen kann man Antesignanus zu der Aussage nach mehr von solchen Geschichten. Ich kannte schon etwas länger aus einem Fotoblog und sie zeigt, dass es nicht nur schreckliches und böses auf der Welt gibt. Leider wird darüber nur wirklich wenig geschrieben.
Meiner Meinung nach würde dies die Welt um vieles reicher machen.
Eine wirklich schöne Geschichte! Im Grunde eine moderne Form der Flaschenpost. Und ein Beweis dafür, dass das Internet nicht nur sozial isoliert, sondern auch verbinden kann.
Eine ganz, ganz wunderbare Geschichte. Ein Bericht, der zeigt, wie wir durch das Internet zusammenwachsen können. Wunderbar, welch neue Freundschaften und Kontakte entstanden sind. Eine beeindruckende Offenheit (jenseits aller kulturellen und geographischen Grenzen) ist sichtbar.
Ich finde es toll, dass aus dem Filmfund und der Suche über das Netz eine schöne Freundschaft entstanden ist. Auch die Gastfreundschaft auf dem Weg nach Paris hat mich beeindruckt. Auch ich bin im letzten Jahr durch Deutschland gereist und habe viele tolle Menschen kennenlernen dürfen.
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