Yosemite NationalparkDer Traum aller Kletterer

Im amerikanischen Yosemite Nationalpark werden Helden geboren. Die Felsgiganten locken Kletterer aus aller Welt an. Ein Kräftemessen in schwindelerregender Höhe. von Mark Jenkins

Gekürzte Fassung aus National Geographic Deutschland, Ausgabe Mai 2011, www.nationalgeographic.de

Der Mann klebt an der senkrechten Flanke des Half Dome, einer glatten, 650 Meter hohen Granitwand im Yosemite-Tal. So hoch über dem Grund, dass ihn nur die Adler sehen. Er ist allein. Mit seinen Fingerspitzen krallt er sich an einen Vorsprung, der nicht viel breiter ist als eine Zwei-Cent-Münze. Seine Schuhe finden auf einer ähnlich schmalen Fläche Halt, auch sie sind kaum mehr als eine Unebenheit im Fels. Aus seinen Ohrhörern tönt ein Rap von Eminem.

Alex Honnold will schaffen, was noch niemandem vor ihm gelungen ist: die reguläre Route an der Nordwestflanke des Half Dome ohne Seilsicherung – free solo – zu durchsteigen. Nur noch knapp 30 Meter bis zum Gipfel, da widerfährt ihm, was einem Kletterer nie passieren darf: Er verliert sein Selbstvertrauen. Seit zwei Stunden und 45 Minuten schon ist der 23-jährige Athlet ganz auf die Wand und seinen Körper konzentriert, hat ohne einen Fehler Hunderte präzise Bewegungen ausgeführt. Und kein einziges Mal gezögert.

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Doch jetzt ist er mental erschöpft. Fühlt sich wie gelähmt.

Wenn seine Fingerspitzen nicht ausreichend greifen, schon wenn er daran zweifelt, wird er in den Tod stürzen. Er erinnert sich noch genau: "Ich dachte, dass mein Fuß nie halten würde. 'Das war’s', so schoss es mir durch den Kopf."

Nur mit der Kraft seiner Hände quert Cedar Wright den Gravity Ceiling, einen Überhang am Higher Cathedral Rock.

Nur mit der Kraft seiner Hände quert Cedar Wright den Gravity Ceiling, einen Überhang am Higher Cathedral Rock.   |  © Jimmy Chin/National Geographic

Zwei Tage zuvor, als er die gleiche Route mit Seil stieg, gab es dieses Gefühl nicht. Alles lief so glatt, dass er sich sicher war, hier problemlos free solo klettern zu können. Im Jahr 1957 war der 1475 Meter über dem Talgrund liegende Half Dome erstmals auf dieser Strecke bezwungen worden. Der Kalifornier Royal Robbins und seine Kletterpartner benötigten fünf Tage. Sie trieben ungefähr hundert Felshaken in das Gestein, an denen sie ihre Seile befestigen konnten – das nennt man technisches Klettern. Nur eine Generation später, 1976, begingen die aus Colorado stammenden Bergsteiger Art Higbee und Jim Erickson den Half Dome fast völlig frei in nur 36 Stunden – ihre Seile dienten ihnen lediglich zur Sicherung.

Jetzt steht Alex Honnold vor einem neuen, seinem wohl größten Rekord.

Der Kletterer schmiegt sich an den Granit. Sucht die Balance. Greift behutsam erst mit der einen, dann mit der anderen Hand in seine chalkbag mit Magnesia, einem weißen Pulver, das den Schweiß absorbieren soll. Hält mit den Füßen den Stand auf diesem kaum sichtbaren Felsvorsprung. Spannt die Muskeln noch mehr, hebt den einen Fuß und presst ihn gegen die winzige Kante, findet Halt. Streckt seine Hand nach dem nächsten Vorsprung, klammert sich an diesem winzigen Absatz fest. Dann, nur ein paar Minuten später, ist er auf dem Gipfel. Zwei Stunden und 50 Minuten!

Den ungekürzten Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe.

Den ungekürzten Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe.   |  © National Geographic

Im Yosemite-Tal werden Helden geboren. Woher sie auch kommen, ob aus den Alpen oder den Anden – irgendwann streben alle ernsthaften Felskletterer danach, sich an den Giganten dieses Nationalparks zu messen. El Capitan: ein blanker Schiffsbug aus Stein, so gewaltig, dass die 30 Meter hohen Ponderosa-Kiefern an seinem Fuß wie Stecklinge aussehen. Cathedral Rock: eine dunkle Festung, die immer im Schatten liegt. Half Dome: ein Granitfelsen in Gestalt eines halbierten Apfels, dessen Nordwestflanke die kühnsten Kletterer herausfordert. Für sie ist dies der Initiationsritus.

Leserkommentare
  1. Irgendwie verstehe ich nicht, warum ein Mensch den Kick braucht , ohne Seilabsicherung zu klettern. Wenn er abstürzt , sollen andere Menschen dann seinen Körpermatsch entfernen ?
    Da geht es doch nur wieder um das Guinessbuch der Rekorde, für 1 Minute im Rampenlicht stehen.
    Ich finde es verantwortungslos der Gesellschaft gegenüber , die sich um die Folgen des Miserfolgs kümmern muss.

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    • Peso
    • 14. Mai 2011 21:55 Uhr

    ... es könnten die eigenen Grenzen sein physisch wie psychisch. Berühmt wird man dabei eh nur in den eingeweihten Kreisen.

    Mit ähnlicher Begründung könnten sie die vielen Marathoniker die am letzten Wochenende in Mainz kollabiert sind als verantwortungslos bezeichnen. Irgendwie stimme ich da nicht über ein.

    Gruß

    Ich glaube kaum, darthmax, dass sie jemals mit Felskettern zu tun hatten. Es geht hierbei niemandem um irgendeinen Rekord, Geld oder sonst etwas nutzloses. Diese Leute tun so etwas nur für sich selber. Und das dies dann veröffentlicht wird ist doch natürlich, da diese Kletterer somit ihr Leben finanzieren könnnen - gut dass ihnen dass ermöglicht wird.

    Und warum man das macht? Einfach weil man intensiver lebt, je mehr man riskiert. Bsp. von mir selber (wobei ich mich durchaus als ambitionierten Hobbykletterer bezeichnen würde; ~ 9.Grad wenns jmd interesiert): Ich genieße es, leichtere kurze Routen ungesichert zu klettern, einfach weil es ein extrem intensives Gefühl ist, 15 Meter über dem Boden nur auf sich selbst gestellt zu sein. Und Profikletterer suchen sich dann eben Herausforderungen, die angemessen für ihr Können sind. Von daher sollte man kein so ignorantes Urteil fällen, sondern erstmal überlegen, was so jemanden antreibt.

  2. Ich war mal auf der Zugspitze, da wurde mir auf der Nordseite nur schwindelig, und da krabbelten noch paar, für mich paar Drogenbeauftragte bis zum Kreuz hoch auf den Gipfel.

    Ich kann nur sagen, da ist ein Sport für wirkliche Helden.

    Respekt an alle Bergsteiger, sowas kann ich überhaupt nicht verstehen, wie die das hin bekommen.

    • Peso
    • 14. Mai 2011 21:55 Uhr

    ... es könnten die eigenen Grenzen sein physisch wie psychisch. Berühmt wird man dabei eh nur in den eingeweihten Kreisen.

    Mit ähnlicher Begründung könnten sie die vielen Marathoniker die am letzten Wochenende in Mainz kollabiert sind als verantwortungslos bezeichnen. Irgendwie stimme ich da nicht über ein.

    Gruß

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    Antwort auf "Absturzgefahr"
  3. Wenn alle Kletterer, die ihre Befriedigung in immer riskanteren Grenzerfahrungen suchen, so schnell sind, dass Sie abstürzen, kehrt wieder Ruhe ein.

    Das angeblich so tolle menschliche Hirn zu benutzen, kann Leben retten -- und wenn es nur das eigene ist. Darwin für Kleinkinder ...

    Kai Hamann

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  4. Ich glaube kaum, darthmax, dass sie jemals mit Felskettern zu tun hatten. Es geht hierbei niemandem um irgendeinen Rekord, Geld oder sonst etwas nutzloses. Diese Leute tun so etwas nur für sich selber. Und das dies dann veröffentlicht wird ist doch natürlich, da diese Kletterer somit ihr Leben finanzieren könnnen - gut dass ihnen dass ermöglicht wird.

    Und warum man das macht? Einfach weil man intensiver lebt, je mehr man riskiert. Bsp. von mir selber (wobei ich mich durchaus als ambitionierten Hobbykletterer bezeichnen würde; ~ 9.Grad wenns jmd interesiert): Ich genieße es, leichtere kurze Routen ungesichert zu klettern, einfach weil es ein extrem intensives Gefühl ist, 15 Meter über dem Boden nur auf sich selbst gestellt zu sein. Und Profikletterer suchen sich dann eben Herausforderungen, die angemessen für ihr Können sind. Von daher sollte man kein so ignorantes Urteil fällen, sondern erstmal überlegen, was so jemanden antreibt.

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    Antwort auf "Absturzgefahr"
  5. Seilfrei zu Klettern ist eine sehr intensive Erfahrung und geht weit über das hinaus, was von der an "Fun" gewöhnten Gesellschaft als "Adrenalinkick" betrachtet wird. Ich kenne nichts vergleichbares, wo man sich so direkt mit seinen eigenen körperlichen und, viel wichtiger, psychischen Fähigkeiten auseinadersetzen muss.

    Jeder macht das eben auf seinem Level, Hobbykletterer wie ich in einem leichten Vierer, der Alex am Half Dome.

    Wo schadet er den der Gesellschaft? Er gefährdet mit seinem Handeln nur sich selbst, und das Recht darauf darf man sich auch in einer von Versicherungen und exakt geplanter Altersvorsorge geprägten Gesellschaft herausnehmen.

    Und sie glauben doch nicht wirklich, das Alex Honnold sein Leben dem Klettern gewidmet hat, weil er unbedingt einmal mit Burger-Wettessern und dem kleinsten Pony der Welt im selben Buch stehen will.

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    bitte um Entschuldigung...

  6. bitte um Entschuldigung...

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